Sonderausstellung im Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth: Prag aus dem Blick der Geheimpolizei

Graue Bilder aus einer düsteren Zeit. Die neue Sonderausstellung im Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth berichtet von einer sozialistischen Realität, die auch in den anderen Ostblockländern immer gegenwärtig war.

"Prag durch das Objektiv der Geheimpolizei – Graue Bilder aus einer düsteren Zeit": Museumsleiter Robert Lebegern (links) im Gespräch mit Michal Heroza und Anett Browarzik, welche die Ausstellung in Mödlareuth mit vorbereiteten Foto: Roland Barwinsky

"Prag durch das Objektiv der Geheimpolizei – Graue Bilder aus einer düsteren Zeit": Museumsleiter Robert Lebegern (links) im Gespräch mit Michal Heroza und Anett Browarzik, welche die Ausstellung in Mödlareuth mit vorbereiteten Foto: Roland Barwinsky

Foto: zgt

Mödlareuth. Wie sich doch die Bilder gleichen. Die Häuser sind einfach nur trist und grau. Die an sich schon farblosen Fassaden bröckeln längst. Manch zufällig abgelichtete Person wirkt auf den ersten Blick ängstlich, geht leicht geduckt. Nur die bewusst ins Visier geratenen "Feinde des Sozialismus" blicken ­lockerer, manchmal versuchen diese sogar zu lächeln. Eine goldene Stadt an der Moldau existiert hier jedenfalls nicht. Man muss schon wissen, dass die Fotos einst in der sozialistischen Tschechoslowakei entstanden. Denn die Motive sind austauschbar, hätten genauso anderswo im damaligen Ostblock, wie beispielsweise der DDR, entstehen können.

Zu sehen sind sie in einer neuen Sonderausstellung im Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth unter dem Titel "Prag durch das Objektiv der Geheimpolizei", die am Dienstag eröffnet wurde. Konzipiert hat sie das tschechische Institut für die Erforschung totalitärer Regime in Zusammenarbeit mit dem Archiv für Unterlagen der Staatssicherheit in unserem Nachbarland.

Heimlich aufgenommene Fotos zeigen, wie der damalige tschechoslowakische Staatssicherheitsdienst (StB) in den 1970er und 1980er Jahren angeblich "feindlich-dekadente Kräfte" observierte. Eher ungewollt entstanden zugleich plastische Zeugnisse einer recht dunklen Realität. Im Verborgenen arbeiteten die dafür Verantwortlichen. Ihre Schnappschüsse machten sie spontan, aber trotzdem als Auftragswerk. Abgebildete "observierte Objekte" wurden zuvor auffällig. Passten nicht in ein System, welches mit Individualität, intellektuellem Eigensinn und vor allem einer eigenen Meinung nicht umgehen konnte - gerade in den Jahren nach 1968, nachdem der "Prager Frühling" mit dem Einmarsch von Truppen der Warschauer Pakt-Staaten gewaltsam beendet wurde. Fast zwangsläufig fielen solche Leute auf. Oftmals Akademiker, welche sich auch in einer Diktatur Freiräume bewahren wollten.

Ohne Absicht wurden zugleich die damaligen Verhältnisse dokumentiert. Nebelschwaden erdrücken manchmal den greifbaren Stillstand. Ein Platz im öffentlichen Raum wurde plötzlich zur Falle für die Betroffenen. Denn nach Abschluss der durchgeführten Operation ordneten Mitarbeiter der Überwachungsbehörde alles chronologisch und fassten es in Akten zusammen. So mutierte abgelichtetes Privatleben zum Sicherheitsrisiko.

Museumsleiter Robert Lebegern lobte dieses Zeitdokument, welches gut hierher nach Mödlareuth passe. Er erinnerte zugleich an alte historische Bindungen im Dreiländereck zwischen Franken, Sachsen und Böhmen. Er sprach zugleich von den Ostdeutschen, die einst versuchten, über die damalige CSSR in den Westen zu gelangen. Und wie diese dann von aufmerksamen tschechischen Sicherheitsleuten - welche mit ihren DDR-Waffenbrüdern Hand in Hand arbeiteten - festgenommen wurden. Prag selbst sei dann im Herbst 1989 wieder zum Ereignis geworden. Durch die vielen Botschaftsflüchtlinge, die von dort in Richtung Freiheit aufbrachen und mit eine Zeitenwende einleiteten.

! Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr, ab 1. November 9 bis 17 Uhr