Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf steht endlich auf trockenen Füßen

Renthendorf  Ende 2016 wird eine Million Euro in die Generalsanierung geflossen sein. Wir haben den Leiter Jochen Süß zum Baustand befragt.

Jochen Süß, Leiter der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf (Mitte), auf der derzeitigen Baustelle im Keller im Gespräch mit Jan Zimmermann (links) und Daniel Gebauer der Firma HSK GmbH aus Kraftsdorf. Foto: Ulrike Kern

Jochen Süß, Leiter der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf (Mitte), auf der derzeitigen Baustelle im Keller im Gespräch mit Jan Zimmermann (links) und Daniel Gebauer der Firma HSK GmbH aus Kraftsdorf. Foto: Ulrike Kern

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Als Jochen Süß im September 2012 als neuer Leiter der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf ins Amt gehoben wurde, hat er für das Museum prognostiziert: "Einmal frisch malern reicht nicht!" Damals stand die Einrichtung kurz vor der Schließung, der bauliche Zustand des Hauses war desolat.

Der studierte Biologe Süß, damals 65 Jahre alt, Pensionär, als Bürgermeister von Lippersdorf-Erdmannsdorf auch Kommunalpolitiker, hat sich mit viel Herzblut und Engagement in die Aufgabe gestürzt, das Brehm-Haus nicht nur zu sanieren, sondern auch in ein zukunftsfähiges Museum umzuwandeln. "Die Brehms sind eine Perle, die man nur putzen muss, damit sie international wieder wahrgenommen wird", hat Jochen Süß 2012 in einem Interview gesagt – und sich fleißig ans Putzen gemacht.

Binnen vier Jahren werden bis Ende 2016 eine Million Euro in das Wohnhaus von Alfred Edmund Brehm, dem Sohn des "Vogelpastors" und Autor von "Brehms Tierleben", verbaut sein. Die Gedenkstätte, deren vorderer Giebel wegzubrechen und Geschossdecken durchzufallen drohten, wurde statisch-konstruktiv gesichert. Vom Dach bis weit unter die Grundmauern wurde das Gebäude saniert – und steht jetzt endlich auf trockenen Füßen, erklärt Museumsleiter Süß.

Im Kellergeschoss wurde in diesem Jahr der komplette Plattenfußboden herausgenommen, 35 Zentimeter, also bis unter die Grundmauern, abgetieft und neue Drainage und Abwasserleitungen verlegt. Einige Starkregen habe das Haus seitdem schon erlebt, so Süß. "Die Entwässerung funktioniert."

Die alten Backsteinplatten der Familie Brehm wurden gereinigt und im Keller wieder verlegt. Zudem entstehen neue Sanitäranlagen, die komplette Haustechnik wird erneuert. Der neue Heizofen steht bereits – entsprechend dem Naturschutzgedanken, den man im Hause Brehm vertritt, wird die Wärme künftig mittels einer Pellets-Heizung erzeugt. Die große Vorratskammer dafür befindet sich unterirdisch unter dem einstigen schönen Rosengarten von Frau Brehm vor dem Wohnhaus.

Außenanlagen für 2017/2018 geplant

Im Außenbereich soll im kommenden Jahr ebenfalls alles wieder nach historischem Vorbild hergerichtet werden. Alle Anträge dafür seien bereits gestellt, erklärt Jochen Süß. "Wenn alles so gut weiterläuft, ist das Wohnhaus 2018 innenarchitektonisch komplett, wie es zu Brehms Zeiten mal war", blickt der Museumsleiter in die Zukunft. Er dankt allen tollen Partnern und seinen Mitarbeitern, dass man gemeinsam diesen großen Schritt nach vorn gegangen ist. Wenngleich die Gesamtlage stets wacklig bleibt. Die institutionelle Förderung der Gedenkstätte durch den klammen Landkreis ist immer abhängig von dessen Haushalt und bereitet deshalb große Sorgen. Betreiber der Brehm-Gedenkstätte ist der Zweckverband Brehm-Gedenkstätte, ein Zusammenschluss der Gemeinden Renthendorf, Ottendorf, Eineborn, Kleinebersdorf, Lippersdorf-Erdmannsdorf und Tautendorf. Insgesamt verfügt das Museum über einen Etat von 65 000 Euro, davon steuert der Saale-Holzland-Kreis 21 000 Euro bei.

Um die Kommunen aus der Pflicht zu nehmen, soll eine Stiftung gegründet werden. Bereits jetzt sind 51 Gründungsstifter gefunden worden und auch das erforderliche Kapital von mindestens 25 000 Euro könne aufgebracht werden, sobald das Konto eingerichtet ist. Seit 6. August liegen alle dafür nötigen Unterlagen zur Prüfung beim Innenministerium, so Süß.

Parallel zu den umfassenden Bauarbeiten hat sich Jochen Süß gemeinsam mit Stefan Curth, der an der FSU Jena zum Gymnasiallehrer für Biologie ausgebildet wurde und nach seinen Forschungsarbeiten am Institut für Spezielle Zoologie in Jena für sein Volontariat 2016 nach Renthendorf wechselte, an das neue Ausstellungskonzept gesetzt. Auf 29 Seiten wurde zusammengetragen, wie sich das Museum künftig den Besuchern präsentieren soll. Auch dieses Konzept kann nun eingereicht werden.

Die Basis auf der 280 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche sind Vater und Sohn Brehm mit ihren Familien und Hinterlassenschaften. Alles soll in den Häusern wieder sein wie zu Lebzeiten. Deshalb wird auch das historische Mobiliar aufwendig restauriert. Doch neben den Memorialräumen möchte Süß auch zeigen, welche Aspekte die Brehms nachhaltig mit ihren Forschungen angeregt haben, zum Thema Tierpsychologie beispielsweise oder den Naturschutzgedanken.

Dazu sind beispielsweise Hörstationen denkbar, so der Museumsleiter. Pro Quadratmeter Museumsfläche werden für die Ausgestaltung 1500 bis 3000 Euro Kosten veranschlagt. 2017 werden dafür sechs Gestaltungsbüros zu einem Wettbewerb nach Renthendorf eingeladen, das Museumskonzept auch ansprechend und zeitgemäß umzusetzen. 2018 soll alles fertig sein.

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