Am Theater Gera tanzen Kinder und Jugendliche Rock ’n’ Roll bis Schwanensee

Gera/Altenburg  Lebensfreude pur strahlen die Tänzerinnen und Tänzer des Kinder- und Jugendballetts zu ihrer Werkstatt aus und reißen das Publikum mit

Zur Werkstatt des Kinder- und Jugendballetts am Theater Gera zeigten vom Sonnabend bis Montag die jungen Tänzerinnen und Tänzer ihr Können.

Zur Werkstatt des Kinder- und Jugendballetts am Theater Gera zeigten vom Sonnabend bis Montag die jungen Tänzerinnen und Tänzer ihr Können.

Foto: Ronny Ristok

Bei Theater und Philharmonie Thüringen führen die Mitglieder des Kinder- und Jugendballetts während der Ballettfestwoche in Gera ihre Werkstatt durch. Bereits zum dritten Mal haben 100 Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren am Sonnabend, Sonntag und Montag gezeigt, was sie bei ihren Tanzpädagoginnen Claudia Kupsch, sie ist die Leiterin des Kinder- und Jugendballetts, und ­Dagmar Stollberg gelernt haben.

Dass zur Werkstattwoche ein anspruchsvolles Programm präsentiert wird, hat sich herumgesprochen. In diesem Jahr gewährte das Theater drei Auftritte in der Bühne am Park. Die Jahre zuvor waren es noch zwei. Doch auch dieses Mal waren bereits Anfang November alle drei Vorstellungen ausverkauft. Wer da denkt, dass sich nur Eltern, Geschwister und Großeltern die Aufführungen anschauen, der irrt. Es gibt etliche Liebhaber des Tanzes, die sich auch den Nachwuchs gern ansehen.

Und es war faszinierend, mit welcher Lebensfreude gerade die jüngsten Tänzerinnen und Tänzer ihre quicklebendigen Programme absolvierten, die sorgfältig aufs Alter abgestimmt, auch erst einmal mit viel Geduld eingeübt werden mussten. 17 Tänze hatten die Kinder- und Jugendlichen, die ein- bis zweimal wöchentlich in den Ballettsälen der Theater Altenburg und Gera trainieren – es sind über 170 Kinder- und Jugendliche – einstudiert. Die 75 Minuten vergingen wie im Fluge. Für die Choreografien zeichneten Claudia Kupsch, Dagmar Stollberg und Julia Veigel verantwortlich. Letztere war vor Claudia Kupsch die Leiterin des Kinder- und Jugendballetts. Sie betreibt seit einigen Jahren die Plagwitzer Ballettschule Leipzig und fühlt sich dem Kinder- und Jugendballett noch immer sehr verbunden. Sie fehlte also zur Premiere nicht, ebenso wie der Generalintendant des Theaters, Kay Kuntze, der es sich am Sonnabend nicht nehmen ließ, dem Programm beizuwohnen. Eine Wertschätzung der Arbeit der Tanzpädagogen.

Wunderschöne Kostüme

Mit einem kessen Luftballontanz eröffneten die Drei- bis Fünfjährigen der Purzelklasse die Werkstatt. Modern und locker ging es danach mit der Klasse 2 Jazz/Modern/Impro aus Altenburg weiter, die, mit Schrubbern und Putztüchern bewaffnet, auf denen fein säuberlich Putzhexen zu lesen war, zugleich den Namen ihres Tanzes verrieten, der auch pantomimische Einlagen beinhaltete.

Für einen ersten Höhepunkt sorgte die Klasse 3 Jazz/Modern/Impro, ebenfalls aus Altenburg. Sie setzten sich tänzerisch mit den aktuellen Themen Krieg und Umweltschutz auseinander. Radioctive von Imagine Dragons, von Dagmar Stollberg choreografiert, ließ den Applaus aufbranden. Mit River und Improvisation zeigten das Ballett 3 und das Kinderballett aus Gera wunderschöne Tänze, die von einer Tarantella, ein gemeinsames Stück von Jazz 2 Altenburg und Kindertanz Gera/Altenburg einstudiert worden waren. Damit es für die jüngsten Tänzerinnen und Tänzer nicht gar zu anstrengend wurde, traten die kleinsten Geraer zweimal und die Altenburger einmal, als Zweitbesetzung, auf.

Mit einer Stangen Exercise, Ballettübungen an der Stange im Spitzentanz, erhielten die Besucher einen kleinen Einblick, in das harte Trainingsprogramm. Stetes Üben ist nötig, damit man überhaupt erst einmal auf Spitze stehen und sich dazu graziös bewegen kann. Dies zeigte in einer Solovariation Puppenfee, die als Austauschschülerin derzeit in Altenburg tanzende Sabrina Fagundes, sehr kapriziös. Allerdings trainiert die junge Dame in Brasilien schon fünf Mal in der Woche und zeigte für ihr Alter eine beachtliche Leistung auf Spitze. Die vier kleinen Schwäne war eine vereinfachte Choreografie aus den Schwanentänzen des 2. Akts Schwanensee von Peter Tschaikowski für die Ballettklasse 2, die Zwölf- bis Vierzehnjährigen, aus Altenburg überschrieben.

Klassisch ging es mit einer Pulcinella-Suite weiter. Mitreißend und voller Pep war vor allem der Rock ‘n‘ Roll zu dem von Bill Haley bekannten Song Rock around the clock. Die Tänzerinnen des Balletts Gera 3 blühten regelrecht auf. Kein Wunder, unterstützte die Eleven doch der zum Musiktheaterensemble gehörende Tenor Timo Rößner, Altmeister Bill Haley hätte dieser Auftritt gefallen. Zwar gibt es in der Bühne am Park keinen Vorhang, doch etliche wären es gewesen, so begeistert, waren die Zuschauer.

Nicht zuletzt sorgten die wunderschönen Kostüme aus dem Fundus des Theaters, der Plagwitzer Musikschule und der Musikschule Johann Sebastian Bach in Leipzig dafür, dass die Werkstatt Kinder- und Jugendballett eine rundum gelungene Sache wurde.

Dass die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen im Theater wertgeschätzt wird, zeigt auch das Einbinden von Ballettschülern in dieser Spielzeit in den Nussknacker und die Oper Oedipe und in der vergangenen in die Opern Masepa und Oedipe. Und nicht zuletzt gab es für eine Klasse 20er-Jahre Gastspielreise in den Wintergarten Berlin.

Für die Kinder und Jugendlichen ist es ein besonderes Erlebnis und Anerkennung, wenn sie in der Werkstatt oder im Mai zum Tag der offenen Tür des Theaters in Altenburg zeigen können, wie sie sich von der Purzelklasse, die spielerisch an den Tanz herangeführt wird, bis zum Ballett 3 stetig weiterentwickeln, an Ausdruck und tänzerischem Vermögen gewinnen und dies öffentlich unter Beweis stellen dürfen.

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