Ballett-Festwoche in Gera: Der Körper - das Instrument

Auf der Zehenspitze: Theater und Philharmonie Gera lädt ab dem 24. Januar zur Ballett-Festwoche.

Predrag Jovicic, Tänzer, Thüringer Staatsballett.

Predrag Jovicic, Tänzer, Thüringer Staatsballett.

Foto: zgt

Gera. Wenn Predrag Jovicic über das Tanzen spricht, dann redet er auch immer wieder über das Instrument. Das ist der Körper, den es richtig einzusetzen gilt. Der Körper ist das Instrument des Tänzers. Er muss ihn pflegen, wissen, wie er richtig einzusetzen ist, um auf der Bühne Höchstleistung zu vollbringen. Predrag Jovicic weiß wie das funktioniert - schon seit vielen Jahren.

Der Serbe gehört zum Ensemble des Thüringer Staatsballetts. Vor drei Jahren kam er zu Theater und Philharmonie nach Gera, nachdem er unter anderem an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim studierte. Der 32-jährige Predrag Jovicic kam spät zum Tanz. Mit 20 Jahren begann er mit dem Ballett, nachdem er als Jugendlicher Folklore tanzte. Mit der Volkstanzgruppe reist er viel, tritt in Finnland, Griechenland, Portugal und Polen auf.

Aufgewachsen in Serbien, begann er das Studium russischer Literatur und Sprache. Nach einem Jahr schmeißt er hin, beschließt, fortan Tanz auch zum beruflichen Mittelpunkt seines Lebens zu machen. Predrag Jovicic verlässt sein Heimatland, geht nach Monte-Carlo und nimmt weiter Tanzunterricht. Er wechselt an die Universität von Mannheim und beginnt nach dem Abschluss im Theater Coburg zu arbeiten. Bevor er nach Gera wechselt, tanzte er am Theater in Eisenach.

Ausschließlich Beifall bekommt der junge Mann für seine Berufswahl nicht. Gerade der Vater war skeptisch, erinnert sich der Tänzer. Denn dem Ballett haftet ein unmännlicher Ruf an. Das ist in Serbien nicht anders als in Deutschland.

Unterschiede gibt es aber dagegen in der Zahl der Ballett-Gruppen in beiden Ländern. Gerade einmal zwei Truppen gibt es in Serbien. In Deutschland sind es viele mehr. Das sei auch der Grund dafür, aus dem Predrag in die Bundesrepublik kam. Für die Karriere verließ er seine Heimat. Das ist der Preis, denn man zahlen muss, sagt er. Und fügt hinzu: das ist in vielen Jobs so. Besonders ist die Branche aber allemal. Denn die Kunst ist abhängig vom Reichtum des Landes. Fehlt das Geld, bekommt das auch die Kultur zu spüren. Und der Ballett-Markt ist hart umkämpft, es gibt deutlich mehr Tänzer als freie Stellen. Der Tänzer allerdings muss seinen Beruf auch außerhalb von Probestunden und Aufführungen leben. Denn das Instrument Körper will gesund gehalten werden. Disziplin braucht es, Kreativität und jede Menge Training. Sechs Tage in der Woche wird täglich eineinhalb Stunden trainiert. Hinzu kommen die Proben für die jeweiligen Aufführungen. Zwischen zwei und sechs Wochen lang werden die Choreografien für die Stücke einstudiert - keine ist wie die andere. Genau das mache auch den Reiz des besonderen Jobs aus, auch wenn der dem eigenen Körper viel abverlangt und die Arbeit hart ist.

Wie lang er noch tanzen will und wohin es ihn einmal verschlagen wird, weiß Predrag Jovicic nicht zu sagen. Manche meinen, so der junge Serbe, mit Mitte 30 sei die Tanzkarriere vorüber. Andere dagegen haben bewiesen, dass sie durchaus noch viel länger dauern kann.

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