Meister der Körpersprache aus Vierzehnheiligen wird 80 Jahre alt

Jena  Heute feiert Harald Seime in Vierzehnheiligen 80. Geburtstag. Der berühmte Pantomime hat sich auch als Fechtlehrer, Ortsteilbürgermeister und ­Inspirator fürs kulturelle Leben verdient gemacht.

Harald Seime in einer seinen Glanzrollen als Kaiser Napoleon, mit der er den Monarchen und Feldherrn aufs Korn nimmt. Archivfoto: Lutz Prager

Foto: zgt

Harald Seime ist nun tatsächlich schon fast sechs Jahrzehnte lang als Pantomime-Künstler unterwegs. Schon vor knapp 59 Jahren hatte er seinen ersten großen Auftritt Das war zu den Jugend-Weltfestspielen 1957 in Moskau, als er erstmals die lautlose Kunst vor einem ­großem Publikum und wohl auch völlig ohne Sprachbarrieren zeigen konnte. Seitdem hat der studierte Sportlehrer Harald Seime unzählige Auftritte bestritten und Pantomime-Kurse geleitet, vor allem aber auch Studenten der Friedrich-Schiller-Universität sein Können und seine Erfahrungen ganz besonders im Fechten weitergegeben.

Der leise Hans Dampf in allen Gassen

Dabei ist die Pantomime nicht alles, was Harald Seime ausmacht. Er ist immer ein Hans Dampf – wenn auch ein leiser – in allen Gassen geblieben, war Lehrer und Ausbilder in der Pantomime, Organisator verschiedenster Konzerte in der Kirche von Vierzehnheiligen und Regisseur von zahlreichen Weihnachtskrippenspielen in der Kirche. Als wesentlich beteiligter Akteur des Wiederaufbaus der vom Sturm zerstörten Krippendorfer Bockwindmühle und als sechs Jahre lang tätiger Ortsteilbürgermeister in Vierzehnheiligen erwarb er sich gleichfalls Achtung. Immerhin hatte er die Feierlichkeiten zum 550-jährigen Bestehen des Dorfes mit vorbereitet und auch den Bau des neuen Feuerwehrhauses auf den Weg gebracht.

Aber über allem thront sein Künstlerleben als ein auch im Ausland anerkannter Pantomime. Wer zählt all seine Auftritte und seine lautlosen Darstellungen, die so vieles auf den Punkt bringen, ohne sich auch nur eines Wortes zu bedienen.

All seine einstudierten Stücke wie auch Improvisationen resultieren aus aufmerksamen Beobachtungen seiner Umwelt, seiner Mitmenschen und manches Mal auch seiner Mit-Tiere. Erwähnt sei nur seine „Hunde­rede“, die einen Hund und sein Herrchen beziehungsweise Frauchen so treffend charakterisieren kann. Seine Zirkus-Studien wie Seiltänzer, Zauberer, Gewichtheber und Dresseur sowie die Darstellung eines Musikers sind ebenfalls beliebt. Nicht fehlen durfte meistens auch das Selbstporträt, also die ganz persönliche Reflexion, die vom Zuschauer auch als solche erkannt wird. Ein solches ironisches Beispiel des sich selbst auf die Schippe Nehmens ist die Szene „David & Goliath“.

Ebenso witzig ist die Story über den Mann und sein Huhn, das irgendwann platzt, weil der Mann es in seinem ehrgeizigen Streben zu gut gefüttert hat.

Pantomime ist für Harald ­Seime Körpersprache, die reale Vorgänge vereinfacht und komprimiert, die das Besondere am Gewöhnlichen herausstellt. Sie basiert auf sensibler Wahrnehmung im Alltag. Hier das charakterlich Besondere entdecken und es in Bewegungen sowie in Mimik und Gestik umsetzen, das war und ist das Anliegen in der großen Kunst des Harald Seime.

Eine seiner Glanznummern ist die des Kaisers Napoleon, die er dann und wann mal zum Besten gibt, vor allem bei Museumstagen im Zusammenhang mit der Schlacht bei Jena von 1806. Schließlich verkörperte er auch beim Festumzug zur 750-Jahrfeier von Cospeda 2009 den Kaiser. Auch der Autor Matthias Steinbach holte ihn mit dieser Nummer für eine vergnüglich-nachdenkliche Lesung zu seinem von ihm verfassten inneren Monolog Napoleons.

Marcel Marceau war Freund und Vorbild

Die Kunst der Pantomime aus Frankreich hat Seime immer als zutiefst seine Sache empfunden. Modernere Abzweigungen wie etwa das Tanztheater sind weniger sein Ding. Für ihn waren Künstler wie Marcel Marceau und Jean Soubeyran stets Vorbilder. Viel gelernt hat er vom großen Marcel Marceau, (1923-2007). Mit dem unvergessenen Marceau ist er mehrfach zusammengetroffen, konnte sich mit ihm austauschen und so manches von ihm lernen. Beide ­haben sich bestens verstanden.

Der internationale Austausch war sowieso eine Herzenssache für den vielfach preisgekrönten Künstler Seime. Auf Gastspiele in der Sowjetunion und andern damaligen Ostblock-Staaten kann er verweisen. Auftritte, die er einst auch gern im westlichen Ausland gehabt hätte, blieben ihm jedoch leider versagt.

Besonders ans Herz gewachsen sind dem Pantomimen aus Vierzehnheiligen die klassischen Kurzstücke. Zum Beispiel „Die Masken“. Die verschiedensten menschlichen Regungen in ­Mimik und Gestik zu zeigen, das fasziniert Seime. Und der Pantomime verleugnet auch seine Vergangenheit nicht, die vom Jazz geprägt war. Zu Seimes großen Erfahrungen gehörte seit Beginn der 1960er-Jahre nämlich auch der Jazz. So war er Mitbegründer der einstigen Band „Jenaer Oldtimers“, wo er damals Banjo spielte. Seime ist eben ein vielseitiger Mensch und hat auch mit 80 Jahren noch nichts von seiner Vitalität und Spielfreude verloren. Wünschen wir ihm, dass das so bleibt und er mit seinem körperlich-kreativen Können noch vielen Menschen und nicht zuletzt auch sich selbst Freude vermitteln kann.

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