Rückkehr des Meisters der Körpersprache Harald Seime

Jena  Harald Seime kann auch im 80. Lebensjahr nicht von der lautlosen Kunst lassen. Am Donnerstag tritt er im Volkshaus zu den Deutsch-Französischen Tagen mit einigen seiner besten Nummern auf.

Der Jenaer Pantomime Harald Seime greift zu den Französischen Tagen in Jena wieder tief in die Kiste seiner künstlerisichen Erfahrungen und Erfolge. So wird er am 15. Oktober um 18 Uhr im Jenaer Volkshaus einen musikalisch-pantomimischen Abend mitgestalten. Foto: Michael Groß

Der Jenaer Pantomime Harald Seime greift zu den Französischen Tagen in Jena wieder tief in die Kiste seiner künstlerisichen Erfahrungen und Erfolge. So wird er am 15. Oktober um 18 Uhr im Jenaer Volkshaus einen musikalisch-pantomimischen Abend mitgestalten. Foto: Michael Groß

Foto: zgt

Lange hatte er sich rar gemacht auf den Bühnen in und um Jena. Doch nun kehrt er – auch nach überwundener Krankheit – in dieser Woche ins Rampenlicht zurück, ohne das er eigentlich gar nicht leben kann. Denn kreativ, flink und ausdrucksstark sowie mit ungebrochener Improvisationskraft ist der 79-Jährige wie eh und je. Immerhin ist Harald Seime nun tatsächlich schon weit über fünf Jahrzehnte lang als Pantomime-Künstler unterwegs.

Vor 58 Jahren ersten großen Auftritt

Begonnen hatte das damals mit seiner Fahrt zu den Jugend-Weltfestspielen 1957 in Moskau, als er erstmals die lautlose Kunst vor großem Publikum zeigen konnte. Seitdem hat Harald Seime unzählige Auftritte bestritten und Pantomime-Kurse geleitet, vor allem auch Studenten der Universität seine Erfahrungen weitergegeben.

Nun also ist er wieder zu erleben am Donnerstag, 15. Oktober, 18 Uhr, im Jenaer Volkshaus. Im dortigen Raum 10/11 gibt Seime im Rahmen der Deutsch-Französischen Tage einige seiner schönsten Nummern zum Besten. Eingebettet sind diese unterhaltsamen Szenen in einen französischen Musikabend, den die Flötistin Ilga Herzog und Martin Herzog mit Spinett und Didgeridoo gestalten.

Mit „Hunderede“ und Selbstporträt

So wird es ein Wiedersehen mit einigen populären Nummern aus seinem Repertoire geben, wie etwa der „Hunderede“, seinen Zirkus-Studien wie Seiltänzer, Zauberer, Gewichtheber und Dresseur sowie die Darstellung eines Musikers. Nicht fehlen darf natürlich das Selbstporträt, also eine ganz persönliche Reflexion.

„Pantomime ist Körpersprache, die reale Vorgänge vereinfacht und komprimiert, die das Besondere am Gewöhnlichen herausstellt“, sagt der Pantomime selbst über seine Kunst. Sie basiert auf viel Beobachtungsgabe im Alltag. Hier das charakterlich Besondere entdecken und es in Bewegungen sowie in Mimik und Gestik auf den Punkt zu bringen, das war und ist das Anliegen in der großen Kunst des Harald Seime.

Eine seiner Glanznummern – die des Kaisers Napoleon – wird dann auch einen Tag später um 20 Uhr in der Buchhandlung Steen eine besondere Rolle spielen: Matthias Steinbach gestaltet dort eine vergnüglich-nachdenkliche Lesung zu seinem von ihm verfassten inneren Monolog Napoleons. Inspirieren lassen hatte sich der Braunschweiger Historiker und Professor dafür von Harald Seimes pantomimischen Darstellungen des französischen Kaisers auf den Schlachtfeldern von 1806 um Vierzehnheiligen – genau dort, wo Seime seit vielen Jahren lebt und wo er sogar sechs Jahre lang als Ortsteilbürgermeister gewirkt hat.

Doch zurück zu dem Abend am Donnerstag im Volkshaus. Dass er nun mit seinem Können etwas zu den Deutsch-Französischen Tagen beisteuern kann, freut den Künstler ganz besonders. Schließlich hat Seime die klassische Pantomime aus Frankreich immer als seine Sache empfunden. Künstler wie Marcel Marceau und Jean Soubeyran waren ihm Vorbilder.

Viel gelernt vom großen Marcel Marceau

Mit dem unvergessenen Marceau ist er mehrfach zusammengetroffen und konnte sich mit ihm austauschen und so manches lernen. Internationaler Austausch war eine Herzenssache für den vielfach preisgekrönten Künstler Seime, dem allerdings Auftritte im Westen zu DDR-Zeiten versagt blieben.

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