TFF Rudolstadt: 1086 Künstler und neuer Besucherrekord

Besucherrekord: 87 300 Gäste tanzen an den vier Festivaltagen durch Rudolstadt

Blick auf den Markt beim Tanz- und Folkfest (TFF) 2014 in Rudolstadt. Foto/Montage: Martin Gerlach

Blick auf den Markt beim Tanz- und Folkfest (TFF) 2014 in Rudolstadt. Foto/Montage: Martin Gerlach

Foto: zgt

Rudolstadt. Mit 87300 Besuchern an vier Tagen ist gestern das 24. Tanz- und Folkfest (TFF) in Rudolstadt zu Ende gegangen. Wieder ein Rekord, denn im Vorjahr wurden 85"500 Besucher gezählt. Auffällig sei 2014 , so die Festivalleitung gestern, dass im Landkreis 1300 Dauerkarten mehr als im Vorjahr verkauft wurden - die Akzeptanz der Einheimischen habe zugenommen. Auch seien mehr Festivalbesucher als bislang bereits Donnerstag angereist, um die Programmvielfalt bestmöglich auszukosten. Das Wetter dafür - perfekt und fast niederschlagsfrei. Die Stimmung - ausgelassen, skandalfrei und heiter wie jedes Jahr. Und die Besucher - ebenfalls fast aus der ganzen Welt kommend, aufgeschlossen und neugierig, was beim TFF geboten wird. Und das war wieder allerhand. Angefangen von dem deutsch-tansanischen Gemeinschaftsprojekt "Safi Theatre & Circus Bombastico" als buntes und lebensfrohes Kinderprogramm für die kleinsten Festivalbesucher. Doch auch das Gegenteil funktioniert beim TFF: Zweieinhalb Stunden und mitten in der Nacht wird am Freitag im Heinepark ein Ritual aus Indien vorgeführt. Das Tanz-Drama Mudiyettu zur Huldigung der Göttin Kali mit Tanz- und Kampfszenen zieht das Publikum an. Geduldig und gebannt verfolgen Hunderte Zuschauer die seltene Zeremonie, die auf der Unesco-Liste des immateriellen Erbes steht. Wenige Schritte weiter im Tanzzelt wird Samba de roda getanzt, mit der legendären Dona Nicinha.

Beim TFF mischt sich alles: Stile, Sprachen, Tänze, Kulturen, Straßenmusiker und große Formationen. Es gibt ruhige Auftritte, zum Beispiel von Monika Drasch &Band auf der Burg­terrasse mit traditioneller Volksmusik. Es gibt ausgelassene Stimmung, wenn Mexican Institue of Sound schnelle Beats, lateinamerikanische Percussion und spanischen Gesang mischt. Und es gibt Überraschendes, beispielsweise von dem angesagten DJ Mercan Dede, der die traditionelle Musik der drehenden Derwische in seinen elektronischen Versionen neu interpretiert. Auch Judith Holofernes begeistert mit kritischen Texten und eigenen Liedern jenseits von Wir sind Helden im Heinpark das Publikum.

Wo immer jemand seine Instrumente auf den Bühnen, in den vielen Straßen, Gassen und Plätzen Rudolstadts aufbaut, hat er Zuhörer. Das TFF-Publikum ist ein dankbares. "Auch unsere Gäste aus Tansania sind sehr herzlich aufgenommen worden und begeistert von der Stimmung", freut sich Programmdirektor Bernhard Hanneken.

Die bunte Mischung macht das Festival, das größte der Weltmusik in Deutschland, so einzigartig. Und dazu gehören auch die vielen Straßenkünstler wie DJuggledy aus Berlin mit seinen Diabolos oder der Engländer Andy Snatch, der nicht nur mit Jonglage, sondern ebenso mit schwarzen Humor und seiner Schlagfertigkeit punktet. Fast 60 von ihnen stehen bei TFF offiziell im Programm, doch die Zahl derer, die sich spontan dazugesellt, nimmt zu, schätzt auch Festivaldirektor Ulrich Doberenz ein. Spät Abends wurden gestern noch die Creole-Preisträger ausgezeichnet - das TFF-Publikum durfte sogar mitwählen.

5000 Fans feiern Ranald Grebe

Als Rainald Grebe am Sonnabend Abend auf der Großen Bühne der Heidecksburg steht, werden die Tore zum Innenhof geschlossen. Mit 5000 Besuchern, die diesen bemerkenswerten Crossover-Künstler mit seinem besonderen Humor erleben wollen, ist der Platz dicht und der Höhepunkt an diesem Abend, an diesem Ort erreicht.

In die Reihe der vielen Auszeichnungen - darunter Deutscher Kabarettpreis und Deutscher Kleinkunstpreis - reiht sich für Rainald Grebe (43) nun ein weiterer ein: Der Weltmusikpreis Ruth des TFF -Teams 2014. "Das überrascht mich, weil ich kein Weltmusiker bin. Ein Kuckuck sozusagen. Aber ich freue mich riesig", sagt Grebe nach seinem fast zweistündigen Auftritt im Anschluss an die Preisübergabe.

Vor sieben Jahren war Grebe das erste Mal beim TFF eingeladen. "Ich hatte gerade mit der Kapelle der Versöhnung begonnen und unser Programm ‘Volksmusik‘ mit nach Rudolstadt gebracht", erinnert sich Grebe rückblickend an seinen damaligen Auftritt auf dem Markt. Was liegt also nahe, als zur Preisverleihung am Sonnabend genau da anzuknüpfen mit seinem großartigen Titel "Lass uns Volkslieder singen".

Er spricht von der deutschen "Liederscham", also davon, dass die Jugendlichen heute keine Volkslieder mehr kennen. Er fordert, Pinkeln an der Autobahn habe endlich frei zu sein. Eine singt eine Ode ans Handwerkern, eine Hymne auf die Heimat und ein Lied von der weihnachtlichen Vorfreude. Grebe ist ein begnadeter Texter und Beobachter, ein singender Kabarettist, ein fantastischer Unterhalter. Das Publikum in Rudolstadt feiert ihn zu Recht - und bekommt als Zugabe die erhoffte Thüringen-Hymne gespielt. Vom Festival selbst habe er leider nichts mitgekommen. "Termindruck", bedauert Grebe. Am 25. Juli kommt er wieder: zur Kulturarena nach Jena.

Vor Grebe wurden Alpen Klezmer mit dem Hauptpreis zur Ruth 2014 geehrt und die Bibliothekarin Barbara Boock mit der Ehren-Ruth. Der Förderpreis ging in diesem Jahr an eine vielversprechende Band: Liloba, ein Leipziger Sextett, das im vergangenen Jahr als Sieger des Regionalausscheid Creole hervorging, sich damit auch für den Endausscheid 2014 qualifiziert hätten. Doch Liloba haben zurückgezogen, wegen der Ruth. Mit einer Mischung aus Pop, elektronischer Musik und Einflüssen aus dem Kongo überzeugten sie Jury und am Sonnabend schließlich auch das TFF-Publikum.Ulrike Kern

Bild 1: Reinald Grebe wird mit der Ruth 2014 ausgezeichnet