Wenig Schau, kaum Spiel: Hamlet hat Premiere in Altenburg

Am Sonntag hatte im Landestheater Altenburg das Shakespeare-Drama "Hamlet" Premiere. Tilman Gersch inszenierte den Klassiker mit acht Schauspielern.

Theater&Philharmonie Thüringen HAMLET von William Shakespeare Premiere: 4. März 2012 Landestheater Altenburg Henning Bäcker(Hamlet) Foto: Stephan Walzl

Theater&Philharmonie Thüringen HAMLET von William Shakespeare Premiere: 4. März 2012 Landestheater Altenburg Henning Bäcker(Hamlet) Foto: Stephan Walzl

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"Mehr Inhalt, weniger Kunst!" bremst Hamlets Mutter den weitschweifigen Polonius. Das provoziert am Sonntagabend im Landestheater Altenburg einen trockenen Lacher. Mit ihrer harschen Forderung, längst zum geflügelten Wort geworden, legte Shakespeare der Königin ja auch einen selbstironischen Kommentar zum ganzen Stück in den Mund. Doch an diesem Premierenabend wünschte man sich, was die Schauspielkunst betrifft, eher mehr davon.

Dabei ist alles da. Ein schlüssiges Bühnenbild (York Landgraf), das die Festung Helsingör als mobiles Militärlager in die Gegenwart holt. Wachturm, Zelte, Duschen. Alle dicht beieinander und schon per Kostüm auf ihre Rolle festgelegt. Hamlet (Henning Bäcker) lässig, eben der Typ, der Zivi wurde, als es diese Option noch gab. Die Königin (Anne Keßler) fein gemacht wie eine Chefsekretärin mit Marylin-Betonfrisur. Claudius (Rüdiger Rudolph) gibt natürlich den smarten Politiker im Anzug (Kein Armani, das gibt der Etat nicht her). Ophelia (Alice von Lindenau) stakt im Blümchenkleid auf extremen Absätzen über die Bühne. Hamlets Freund Horatio (David Lukowczyk) kommt als Atac-Typ, der statt Schlegel-Shakespeare mit kapitalismuskritischem Fremdtext über die aktuelle Misere referiert. Wohl aber um auch hier die Fragwürdigkeit solcherart Wortschwall zu karikieren, ziert seine Schultern ein offenbar echter Fuchspelz. Der alte Hofschranze Polonius (Peter Prautsch) im grauen Militärrock. Und auch bei Jochen Paletschek (Laertes/Rosenkranz) und Stefan Kaminsky (Geist/Fortinbras/Totengräber) weist ihre Kostüm jeweils die jeweilige Rolle aus.

Alles ist ebenso genau wie vorhersehbar. Irgendwie weiß man inzwischen, sobald ein Wassereimer auf der Bühne steht, wird in den nächsten Minuten eine Art Waterboarding zelebriert. Und man hasst sich, wenn es dann eintritt, dass man es vorhergesehen hat, zumal man schon den ganzen Abend von der Bühne aus frontal zugetextet wird. Denn gespielt wird in Tilman Gerschs auf acht Schauspieler verschlankten "Hamlet"-Inszenierung selten oder gar nicht. Das sonst so harmonisch agierende Ensemble scheint wie ausgewechselt. Mit Elan und Können ergreift Henning Bäcker die Chance, die sich mit der Titelrolle für einen jungen Schauspieler auftut, doch er kann sich abstrampeln wie er will, für Hamlet gibt es einfach keinen Partner. Liebe, Verrat, Hass, Intrige, Mord – alles wird referiert und ausgestellt. Gersch konzentriert den Konflikt auf die widerstreitenden Prinzipien Hamlet-Claudius, doch das scheitert schließlich an Rüdiger Rudolph. So gutwillig kann kein Zuschauer sein, dessen an einer Hand abzählbare Mittel mit der Demaskierung aktuellen Politikergehabes zu verwechseln.

Und noch ein, dem "Hamlet" entwachsenes geflügeltes Wort verkehrt sich an diesem Abend: Worte, Worte, nichts als Worte. Wenn es denn wenigstens Worte wären. Gegeben wird die bildmächtige Schlegel-Übersetzung. Statt gegeben zu sagen, wäre richtiger: Sie wird meist in die Luft genuschelt. Nach zweieinhalb Stunden ist der Rest bekanntlich Schweigen. Zwar blieben im gut besuchten Altenburger Haus nach der Pause schon ein paar Plätze leer, doch am Ende spendete das Publikum herzlich Beifall. Besonders für Henning Bäcker, und das hat er auch wirklich verdient.

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Nächste Vorstellung:

Sonnabend, 10. März,

19.30 Uhr

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