Wut im Schlachthaus - Premiere in Altenburg

Für die Inszenierung von Theater und Philharmonie Thüringen "Die Frauen von Troja" braucht der Zuschauer Langmut. Am Wochenende hatte das antike Stück im Landestheater Altenburg Premiere.

Die Frauen von Troja in Wut. Gefördert wurde das Projekt durch die Kulturstiftung des Bundes in Zusammenarbeit mit dem Tiyatro Medressi Sirice (Türkei) und dem Samos Young Artists Festival (Griechenland). Im August wird die Inszenierung in der Türkei und Griechenland gastieren. Foto: Stephan Walzl

Die Frauen von Troja in Wut. Gefördert wurde das Projekt durch die Kulturstiftung des Bundes in Zusammenarbeit mit dem Tiyatro Medressi Sirice (Türkei) und dem Samos Young Artists Festival (Griechenland). Im August wird die Inszenierung in der Türkei und Griechenland gastieren. Foto: Stephan Walzl

Foto: zgt

Wütende Frauen in Schwarz, eine Bühne wie ein Schlachthaus, Stimmengewirr aus Deutsch, Griechisch und Türkisch und eine erstarrte Dramatik - das sind die Eindrücke, die sich einprägen vom Stück "Die Frauen von Troja". Am Samstag hatte die Abschlussinszenierung des zwei Spielzeiten umfassenden Antike-Projekts von Theater & Philharmonie Thüringen in Altenburg Premiere.

Dem 18-köpfigen Schauspielensemble gehören vor allem Deutsche, Griechen und Türken an. Sie präsentieren in Euripides‘ fast 2500 Jahre altem Stück einen winzigen Ausschnitt des Trojanischen Krieges.

Troja ist bereits verloren, und die Frauen um Hekabe, der ­Gattin des Ermordeten trojanischen Königs Priamos, erwarten nach dem Tod ihrer männlichen Familienangehörigen nun ihr Urteil, was mit ihnen geschehen soll.

Talthybios erscheint als Bote der Griechen und teilt Hekabe, deren Tochter Kassandra und Schwiegertochter Andromache mit, dass Kassandra als Zweitfrau von Agamemnon heimgeführt werden soll. Andromache soll als Gespielin ausgerechnet Achills Sohn zufallen, gleichwohl Achill Andromaches Ehemann Hektor getötet hat. Und Hekabe soll Sklavin von Odysseus werden.

Mit viel Zorn und Wehklagen hat Euripides seine "Troerinnen" ausgestattet, eine Wut, die durch das Regiekonzept von Schauspieldirektor Bernhard Stengele noch gesteigert wird. Denn die Kernsätze werden meist in drei Sprachen wiedergegeben, in Deutsch, Griechisch und Türkisch, und obendrein von mehreren Schauspielern gesprochen, die in Gruppen die Figuren verkörpern. Der Zuschauer trifft ­beispielsweise auf drei Kassandras, zwei Talthybios‘ und zwei Helenas.

Das Resultat ist vor allem ein schleppender, statischer Handlungsfluss, der in den besten ­Momenten ein mehrsprachiges chorisches Klangerlebnis beschert, in den matteren Momenten aber viel Langmut abverlangt. Und auch Euripides humanistische Botschaften, zum Beispiel "Töricht ist der Mensch, der Kriege führt", verlieren so an Kraft.

Die Idee von Bühnenbildnerin Marianne Hollenstein, das Publikum auf der Bühne zu platzieren und in den ansteigenden Zuschauersaal blicken zu lassen, zitiert das antike Amphitheater und hat vor allem in den ersten Minuten Schauwert. Da schockieren die blutbeschmierten Vorhänge, die an ein Schlachthaus denken lassen. Und auch das erste Auftauchen der trojanischen Klageweiber zwischen den einzelnen Stoffbahnen, als kämen sie aus ihren Löchern und Verstecken gekrochen, vermittelt unheilvolles Kriegsleid. Das wird jedoch im Laufe des Stücks mitunter durch den deklamierenden Pathos, in dem die Schauspieler agieren, getilgt. Stengeles Inszenierung schwankt immer wieder zwischen spannenden Regieeinfällen, etwa einer großartig choreographierten Wutrede Kassandras, und einem Zuviel, einem "to much".

Dennoch erhalten er und sein Ensemble am Sonnabend einen langen, herzlichen Applaus.

Was bleibt ist ein sehr ehrenwertes, ambitioniertes Theaterprojekt, das mehrere Nationen zusammenführte, ein Projekt, das eine zeitgemäße Euripides-Neuübersetzung durch Ulrich Sinn hervorbrachte und das einlädt, sich doch hin und wieder mit der griechische Mythologie zu beschäftigen.

Termine in Altenburg: Heute, 10 Uhr; 10.5., 19.30 Uhr; 11.5., 14.30 Uhr.

Premiere in Gera: 16. Mai, 19.30 Uhr, im Großen Haus.

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