Christian Rheber ist der Mann hinter dem Klang

Karsten Schaarschmidt
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Christian Rheber arrangiert seit 2012 Musiktitel für die "Sounds of Hollywood" der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach. Foto: Karsten Schaarschmidt

Christian Rheber arrangiert seit 2012 Musiktitel für die "Sounds of Hollywood" der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach. Foto: Karsten Schaarschmidt

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Der heute 33-Jährige arrangiert Musik für die "Sounds of Hollywood" der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach.

Greiz. Wenn die Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach ihr Publikum immer wieder mal"mit den "Sounds of Hollywood" beglückt, hat Christian Rheber seinen Job längst erledigt. Allerdings ist das Resultat seiner Arbeit erst dann zu hören. Denn er ist der Mann hinter dem Klang.

Fast die Hälfte der Titel der aktuellen Auflage von "Sounds of Hollywood" hat der gebürtige Schleizer für das Orchester arrangiert, sozusagen passend modelliert für den Klangkörper. "Während ein Komponist Melodien erfindet, arbeitet eine Arrangeur mit bestehendem Material, gruppiert Instrumente neu,"verteilt Melodik und Harmonik neu und erzeugt so ein alternatives Klanbild", erklärt der 33-Jährige. Komponist ist Christian Rheber überdies, ebenso Musik­lehrer und Produzent.

Rockmusiker mit Faible für Klassik und Pop

Aber der Reihe nach. Seine musikalische Laufbahn startete der sympathische, in Dresden lebende junge Mann mit sechs Jahren, als ihn seine Eltern zum Klavierunterricht bei Heidemarie Graap anmeldeten. "Es heißt, ich hätte noch kein ABC, aber schon die Tonleiter gekonnt", ruft er Familienerinnerungen ab. Zielstrebig und doch nicht ganz geradlinig verlief schließlich der Weg bis zum diplomierten Musiker, der unter anderem mit dem bekannten Komponisten Ralph Siegel zusammen­gearbeitet hat; Musik für Hörspiele wie "Die Geisterseher" und "Die Winterprinzessin" sowie mehrere Filmmusiken komponiert hat; dessen Kompositionen von den Dresdener Philharmonikern aufgeführt wurden. Wirklich Spaß habe das Klavierspiel erst bereitet, als er im Alter von 13 Jahren seine Klasse musikalisch begleiten konnte. Mit seinem Talent packt er 1995 die Aufnahmeprüfung für das Musikspezialgymnasium in Gera. Das Abitur schließt er als einer der Besten seines Jahrgangs ab.

Nach dem Zivildienst studiert Christian Rheber zunächst an der Weimarer Musikhochschule Franz Liszt Musik und Mathematik. In der Zeit beginnt er auch mit dem Komponieren. Zufrieden ist er jedoch mit der Aussicht, einmal als Lehrer zu arbeiten, nicht. Und so schmeißt Christian Rheber nach zwei Semestern das Studium.

Fortan jobbt er unter anderem als Rockmusiker und in einem Coburger Tonstudio. "Das war eine wichtige Zeit, in der ich viele, sehr gute Erfahrungen sammeln konnte", erzählt er und erklärt seine Liebe zur Klassik und zur Popmusik. Es folgen Zwischenstopps in Leipzig, München und Düsseldorf und letztlich die Aufnahme an der Dresdener Musikhochschule Carl Maria von Weber. Dort studiert er Komposition und Musik­theorie bei den Professoren John"Leigh, Clemens Kühn und Manos Tsangaris. Zum Schluss hat Christian Rheber ein Einser-Diplom in der Tasche.

Vor allem aber hat er eine spannende Diplomarbeit geschrieben: "Kommerzielle Popmusikproduktion - Bausteine zum Erfolg", lautet ihr Titel. Untersucht hat er darin Form, Aufbau, Melodik, Harmonik, Rhythmik und den Sound der jeweils fünf meistverkauften Popsongs aus fünf Jahren. 90 Prozent der Titel würden die gleiche Form be­sitzen, eine sehr ähnliche Harmonik, auch die Melodik folge gleichen Gesetzmäßigkeiten, erläutert Christian Rheber, warum bestimmte Titel zum Hit taugen und andere nicht.

Der Kontakt zur Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach kam gegen Ende seines Studiums zustande. Seit 2012 arrangiert er Titel für die Orchesterreihe "Sounds of Hollywood". "Beim Arrangieren lege ich großen Wert darauf, so nah wie möglich am Originalklang zu bleiben", sagt der Komponist und erklärt, wie er zum Beispiel die Tonfarben eines Synthesizers mit Flöten, Fagotten und Streichern übersetzt.

Übrigens, wer einmal aktuelle Popmusik von dem Mann hinter dem Klang hören will, muss sich noch etwas gedulden. Dann erscheinen zum Download auf allen bekannten Portalen das zweite Album von Curran Carter sowie das Album von Fresh Meadows, die er gemeinsam mit Co-Produzenten Steffen Ulbricht erarbeitet hat - und mit dem Wissen aus seiner Diplomarbeit, was Hits ausmacht.