Die Summe zweier Künste: Neue Ausstellung im Kunsthaus Müller in Wurzbach

Wurzbach  Das Museum für Steindruck im Kunsthaus Müller zeigt ab Sonntag Gobelin und Lithographien von Ursula Benker-Schirmer.

Der Steindrucker Christian Müller aus dem gleichnamigen Kunsthaus in Wurzbach mit einer Druckplatte und der entstandenen Lithographie von Ursula Benker-Schirmer als Teil der neuen Ausstellung.  

Der Steindrucker Christian Müller aus dem gleichnamigen Kunsthaus in Wurzbach mit einer Druckplatte und der entstandenen Lithographie von Ursula Benker-Schirmer als Teil der neuen Ausstellung.  

Foto: Ulrike Kern

Von der großer Kunstfertigkeit und Präzision der Künstlerin Ursula Benker-Schirmer in ihren Arbeiten und der Leuchtkraft ihrer Werke erzählt die neue Ausstellung im Kunsthaus Müller in Wurzbach, die morgen eröffnet wird und bis zum 11. November zu sehen ist.

In konzentrierter Form wird mit der Ausstellung ein Überblick über die doppelten Fähigkeiten der heute 92-jährigen Künstlerin, die im oberfränkischen Marktredwitz lebt und arbeitete, geboten. Zum einen begegnet der Besucher ihren grafischen Arbeiten – frühe Entwürfe aus dem Jahr 1958. Zu sehen sind Werke in der originalen Offsetlithographie sowie Arbeiten, die auf Stein gezeichnet und von Steindrucker Christian Müller umgesetzt worden sind. Auch ein solcher Stein und das Ergebnis des Drucks ist Teil dieser Ausstellung.

Neben den zarten, figürlichen Arbeiten der Künstlerin – es erscheinen auch zwei Vorzugsgrafiken zur Ausstellung – fallen die klaren, konkret-geometrischen Formen ins Auge. Doch diese Lithographien sind mehr als eigenständige Arbeiten und das Spiel von Formen und Farben in unterschiedlichsten Varianten. Sie dienten Ursula Benker-Schirmer auch als Grundlage für größere Motive, die anschließend zu großformatigen Gobelins, also gewebten Bildern, verarbeitet wurden. Wie wunderbar sich diese geometrischen Formen eigenen, als hohe Webkunst wiedergegeben zu werden, das wird dem Betrachter hier farbenfroh vorgeführt.

Auch ihrer Hinwendung zu kristallinen Formen kann der Betrachter anhand von nachkolorierten oder Irisdrucken in verschiedenen Ausführungen folgen.

Ursula Benker-Schirmer beherrscht ihr Handwerk perfekt. Zunächst studierte sie in den Jahren 1947/48 an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle und wechselte 1949 an die Meisterschule für Kunsthandwerk in Berlin. Ein deutsch-französisches Stipendium ermöglichte ihr in den Jahren 1951–1953 einen Studienaufenthalt an der Ecole Nationale d‘Arts Decoratifs in Aubusson, später studierte sie in Paris bei den Künstlern Marc Saint-Saëns und Marcel Gromaire, die sie in der Tapisserie und der Malerei unterrichteten.

Sommerfest in ihr Kunsthaus

Wieder zurück in Deutsachland, gründete sie 1957 in Marktredwitz ihr eigenes Atelier und 1975 die Fränkische Gobelin Manufaktur (FGM), wo sie neben eigenen Aufträgen auch Entwürfe anderer Künstler umsetzte.

Größtes Aufsehen dürfte ihr 1985 fertiggestellter, 40 Quadratmeter großer Gobelin für die Chichester Cathedral in Südengland erregt haben, an dem sie mit acht Webern drei Jahre lang gearbeitet hatte. Auch hier finden sich klare kristalline Formen mit großer Leuchtkraft wieder.

Traditionell lädt das Ehepaar Müller am 18. August wieder zu einem Sommerfest in ihr Kunsthaus ein. Zum einen kann man dabei auf die Künstlerin Ursula Benker-Schirmer treffen, sowie auf Eugen Gomringer, der die Einführung zur Ausstellung halten wird und selbst mit eigenen Arbeiten vertreten ist. Zum anderen wird wieder Grafik auf der Wäscheleine des Gartens hängen. Für die musikalische Umrahmung zeichnet der Hot Club d‘Allemagne verantwortlich, vier Musiker aus Leipzig und Berlin, die für ihre lebendige Interpretation von Swingmusik, wie sie im Paris der 30er-Jahre gefeiert wurde, bekannt sind. Am kommenden Sonntag ab 14 Uhr sind alle Kunstfreunde herzlich zum Sommerfest eingeladen.

Kunsthaus in Wurzbach geöffnet: Mittwoch bis Sonntag 10-12.30 Uhr und 15-18 Uhr.

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