Düstere Erinnerungen an die Umweltsünden der Wismut in Ronneburg

Ronneburg.  Eine eindrückliche Fotoschau auf Burg Posterstein dokumentiert ab Sonntag die Ronneburger Uranbergbau-Sanierung.

Karl-Heinz Rothenberger fotografiert seit 1998 die Sanierungsarbeiten auf dem Ronneburger Wismut-Gelände. 

Karl-Heinz Rothenberger fotografiert seit 1998 die Sanierungsarbeiten auf dem Ronneburger Wismut-Gelände. 

Foto: Karl-Heinz Rothenberger 

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Die Ronneburger Kegelhalden, die weit sichtbaren Landmarken der Region, stehen damals noch. Riesige Kipper rollen über dunkle Erde. Radioaktive Schlämme werden in Absetzbecken gesammelt. Der Landshuter Arzt Karl-Heinz Rothenberger fotografiert seit 1998 das ehemalige Wismut-Bergbaugelände in Ronneburg. Seine eindrücklichen Schwarz-Weiß-Fotografien aus den vergangenen 20 Sanierungsjahren wirken düster und melancholisch, als wolle er die begangenen Umweltsünden in seinen Bildern wachhalten.

Am Sonntag um 15 Uhr eröffnet das Museum Burg Posterstein eine Ausstellung mit Rothenbergers Wismut-Arbeiten. Der Urologe wurde bei einem Ärztekongress Ende der 90er-Jahre in Gera auf die Wismut-Problematik aufmerksam. Zuvor hatte er nichts gewusst vom russischen Uranabbau, der unter dem Decknamen „Wismut“ Jahrzehntelang in Sachsen und Thüringen praktiziert wurde und die Umwelt nachhaltig ruinierte. Genau diesen „Blick von außen“ schätzt Museumsleiter Klaus Hofmann. Beeindruckt von der Herausforderung der Sanierung habe sich Rothenberger bis Oktober 2019 rund 15-mal auf Exkursion begeben.

„Es ist ein beinah faustisches Werk“, sagt der Mediziner im Ruhestand über die langwierigen Sanierungsarbeiten, über „das Ablösen des bis zu 80 Grad heißen Abraums, die Abtragung der als Wahrzeichen geltenden und identitätsstiftenden Kegelhalden“ und die Sicherungsmaßnahmen des Schlamms in den Absetzbecken. Noch Jahrzehnte muss das Grundwasser hier aufwändig überwacht und aufbereitet werden.

Verfechter der analogen Fotografie

Trotz der digitalen Revolution ist Karl-Heinz Rothenberger der analogen Fotografie treu geblieben. Er arbeitet mit einer Leica M7. Seine Handabzüge entstehen in der heimischen Dunkelkammer. Dabei lässt er bewusst den dunklen Rand des Negativs im Bild stehen. „Es zeigt, dass die Bilder im Ausschnitt nicht bearbeitet wurden“, sagt der Fotograf. „Ein Zeichen der Authentizität.“

Als spannende Ergänzung läuft in der Ausstellung ein Zeitzeugenfilm, der zur Buga 2007 entstand. Darin kommen Anwohner und einstige Bergleute zu Wort. Zur Schau ist zudem eine Podiumsdiskussion in Planung, die die Wismut-Sanierung auch kritisch hinterfragt. Denn für Museumsleiter Klaus Hofmann hat man bei der Sanierung auch Chancen vertan. Er ist der Ansicht: Der Bund hätte seinerzeit nicht nur auf Renaturierung setzen, sondern auch ein fortschrittliches Energiekonzept in Auftrag geben sollen. Während andernorts laut um Wind- und Solarparks gestritten werde, hätte man hier bei der Neugestaltung der Landschaft derartige Quellen erneuerbarer Energie gleich mit einplanen können. Die Podiumsdiskussion soll derartige zukunftweisende Ideen und Konzepte anstoßen, hofft Hofmann.

Die Ausstellung „Landschaft nach der Wismut“ ist bis 10. Mai im Museum Burg Posterstein zu sehen.

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