Einblicke ins stilprägende Wirken der Keramiker – Bauhaus-Werkstatt-Museum in Dornburg eröffnet

Dornburg  Heute öffnet das neue Bauhaus-Werkstatt-Museum in Dornburg. Es verbindet historische Räume mit modernster Museumspräsentation.

Theodor Boglers revolutionäres Tee-Extrakt-Kännchen.

Theodor Boglers revolutionäres Tee-Extrakt-Kännchen.

Foto: Ulrike Merkel

In einer Vitrine steht Theodor Boglers kleines revolutionäres Tee-Extrakt-Kännchen mit Seitengriff. Es ist schüsselförmig, besitzt einen schlanken Ausguss und einen trichterförmigen Griff. „Es gehört heute zu den teuersten europäischen Keramiken überhaupt“, sagt Konrad Kessler, Leiter des Keramikmuseums Bürgel. Ab dem heutigen Samstag ist er Chef eines zweiten Museums: des brandneuen Bauhaus-Werkstatt-Museums in der historischen Bauhaus-Töpferei im Dornburger Marstall.

Zu den Paradestücken des attraktiven Hauses gehört Boglers edles Teekännchen, das die Ernst von Siemens Kunststiftung erwarb und als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Absolutes Highlight ist aber der Ort selbst. In den zwei Räumen der alten Bauhaus-Werkstatt glaubt man, noch alte Bauhausluft atmen zu können. Originale Arbeitsgeräte wie Gipsdrehscheibe oder Tonaufbereitungsanlage sind bis heute erhalten geblieben. Hörstationen, Touchscreens, Filme und großformatige Fotos liefern spannende Einblicke ins spartanische Leben und stilprägende Wirken der Bauhaus-Keramiker.

Dank des Erweiterungsbaus konnten noch einmal 200 Quadratmeter Ausstellungsfläche hinzu gewonnen werden. Der Gebäudeteil schließt längsseitig des Marstalls an, ist jedoch von außen nicht zu erkennen, da er im Erdreich liegt. Darin wird anhand einer Vielzahl von Gefäßen – Vasen, Kannen, Schüsseln und Dosen – die Geschichte der Töpferei erzählt, von den frühen Bauhaus-Jahren bis zur Gegenwart.

Walter Gropius entschließt sich 1920, die keramische Werkstatt des Staatlichen Bauhauses außerhalb Weimars in Dornburg zu errichten. Hier bieten sich passable Bedingungen: Mit dem leerstehenden Marstall sind geeignete Wohn- und Arbeitsräume gefunden. Der ansässige Töpfermeister Max Krehan übernimmt zudem die Leitung der Werkstatt und gibt das traditionelle Handwerk an die Schüler weiter. Obendrein stehen in seiner eigenen Werkstatt weitere Arbeitsplätze zur Verfügung.

Von der traditionellen Töpferkunst hin zu experimentellen Gefäßen

Auch für Krehan lohnt sich die Kooperation. Seine Töpferei steckt seit Längerem in der Krise, es fehlt an Ton, Holz sowie kreativen Ideen. Die hat der von Gropius berufene Formmeister Gerhard Marcks umso mehr.

Trotz des nur fünfjährigen Bestehens nimmt die Werkstatt eine enorme Entwicklung, von der traditionellen Töpferkunst hin zu experimentellen Gefäßen, die etwa von geometrischen Formen geprägt sind. „Mit der Neuorientierung des Bauhauses auf Technik und serielle Produktion wenden sich Theodor Bogler und Otto Lindig dem Gießverfahren zu“, sagt Museumschef Kessler.

Dabei ist das Leben in Dornburg für die Bauhäusler alles andere als einfach. Um Holz für den Brennofen muss sich ebenso gekümmert werden wie um die Aufbereitung des Tons. Außerdem muss der Gemüsegarten bestellt werden, gilt es sich doch selbst zu versorgen.

Die spartanischen Wohnräume liegen in der Mansarde des Marstall, also direkt über den Werkstatträumen. Geschlafen wird in Holzbetten, die mit Strohsäcken gepolstert sind. Für etwas Luxus sorgen einzelne Möbelstücke aus dem nahegelegenen Schloss, wie ein rotes Samtsofa.

Einer der wichtigsten deutschen Bauhausorte

„Von den Dornburgern werden die Bauhäusler beäugt“, sagt Konrad Kessler. Zu einer kleinen Affäre wächst sich etwa das Nacktbaden in der Saale aus. Dass sich beiderlei Geschlecht hüllenlos dem Badevergnügen hingibt, entsetzt doch einige Gemüter. Gerhard Marcks und Bauhaus-Direktor Walter Gropius können die Aufregung nicht verstehen, sie verweisen auf jahrhundertelange Traditionen und darauf, dass die Badestelle nicht einsehbar sei.

Obwohl von Dornburg wichtige Impulse für die Keramik ausgehen, ist die Schar der Schüler recht klein. Lediglich 16 Studenten sind nachweisbar. Viele avancieren später zu bedeutenden Keramikern des 20. Jahrhunderts, wie Bogler, Marguerite Friedlaender, Werner Burri, Johannes Driesch und Otto Lindig.

Nach der Vertreibung des Bauhauses aus Weimar übernimmt Lindig die Werkstatt und führt sie im Sinne der Designschule weiter. Nach dem zweiten Weltkrieg bricht dann die Ära der Keramikerfamilie Körting an. Noch heute betreibt Sohn Ulrich im vorderen Teil des Marstalls seine Werkstatt. Sie schlägt quasi den Bogen zum lebenden Handwerk.

Mit dem neuen Museum hat sich Dornburg-Camburg zweifellos in die Liga der wichtigsten deutschen Bauhausorte katapultiert.

Besichtigung

Am heutigen Samstag feiern der Förderkreis Keramik-Museum Bürgel Dornburger Werkstatt e.V. und die Stadt Dornburg-Camburg die Eröffnung des Bauhaus-Werkstatt-Museums. Nach den offiziellen Feierlichkeiten ist der Besuch des Museums im Dornburger Marstall ab 13 Uhr möglich.