Ausstellung anlässlich des Bauhausjahres: „Bauten der Moderne in Gera – Thilo Schoder und Kollegen“

Gera  Eine Ausstellung würdigt den Thüringer Architekten Thilo Schoder und dessen Kollegen.

Kunsthistorikerin Doris Weiland hat die Ausstellung „Bauten der Moderne in Gera. Thilo Schoder und Kollegen“ kuratiert. Zu sehen ist die Schau bis 22. September im Geraer Museum für Angewandte Kunst.

Kunsthistorikerin Doris Weiland hat die Ausstellung „Bauten der Moderne in Gera. Thilo Schoder und Kollegen“ kuratiert. Zu sehen ist die Schau bis 22. September im Geraer Museum für Angewandte Kunst.

Foto: Ulrike Merkel

In keiner anderen thüringischen Stadt kann man so viele Bauten der Moderne entdecken wie in Gera. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist die reußische Residenzstadt ein erfolgreiches Industriezentrum. Es herrscht ein aufgeschlossener, visionärer Geist. Sie kenne keine andere Stadt, in der eine ganze Siedlung per Stadtratsbeschluss als Flachdachbebauung geplant worden sei, sagt Kuratorin Doris Weiland – so wie es für den Geraer Galgenberg angedacht war. Allerdings würgten die Nationalsozialisten das Vorhaben schließlich ab. Zu den verwirklichten Gebäuden zählt Thilo Schoders Ulmenhof. Der gebürtige Weimarer war bis Anfang der 30er-Jahre der wichtigste Architekt der Stadt.

Kunsthistorikerin Doris Weiland hat im Museum für angewandte Kunst die Ausstellung „Bauten der Moderne in Gera – Thilo Schoder und Kollegen“ gestaltet. Die Schau ist anlässlich des Bauhausjahres bis 22. September zu sehen. Sie stellt zahlreiche Gebäude und ihre Architekten vor – darunter Hans Brandt, der das zentrale Sparkassengebäude entwarf, sowie Hans Hertlein, Paul Schraps oder Heinrich Drechsel.

Großen Anteil an der visionären Stadtplanung hat damals Stadtbaurat Wilhelm Luthardt, der seit 1912 im Amt ist. Er packt die großen Probleme an wie die Wohnungsnot und die Verkehrsplanung. In seiner Zeit wird etwa ein Flugplatz in Gera-Tinz errichtet, der von der Lufthansa zeitweise sechsmal pro Woche angesteuert worden sein soll. Auch ein Hafen für Gera schwebt Luthardt vor; der wird allerdings nicht umgesetzt. Mit der 1912 begonnenen Siedlung Heinrichsgrün wächst in Gera obendrein Thüringens erste Gartenstadt heran. Dort werden bis 1930 knapp 200 preiswerte Eigenheime mit Gartenparzellen errichtet, durch die sich die Besitzer selbst versorgen sollen.

Neben dem boomenden Siedlungsbau entstehen auch bemerkenswerte Industriegebäude, etwa Schoders Bau für die Seidenweberei Schulenburg & Bessler. Der auffälligste Neubau in zentraler Lage ist der Handelshof, der als Sitz der 1904 gegründeten Sparkasse errichtet wird. Die dreigliedrige „Stadtkrone“ beherbergt zudem eine eigene Post, Läden und Gastronomie.

Über den Berliner Architekten Hans Brandt sei kaum etwas bekannt gewesen, sagt Holger Saupe, Leiter der Kunstsammlung Gera. Doris Weiland habe für die Ausstellung intensive Forschungen angestellt, um etwa Brandts Lebensdaten zu recherchieren. Nach gut gefüllten Auftragsbüchern in den 20er-Jahren erging es dem Spezialisten für Bankhäuser ähnlich wie Thilo Schoder, der durch die sich ändernden politischen Verhältnisse keine Aufträge mehr erhielt. Anfang der 30er emigrierte Schoder in die norwegische Heimat seiner zweiten Frau. Brandt wurde sogar vorübergehend im KZ interniert. Nach dem Krieg nimmt er seine Tätigkeit als Architekt in Berlin wieder auf, verstirbt aber schon 1949.

Besonders glücklich sind Saupe und Weiland über die Schoder-Küche, ein frühes Beispiel für Einbauküchen, das nun erstmals präsentiert werden kann. Seit Längerem im Besitz des Museums für angewandte Kunst Gera, drohte sich das Holz aufzulösen. Dank der Schau konnten nun Fördermittel für eine grundhafte Sanierung beantragt werden.

Am Ende der Ausstellung wird der Innenarchitekt und Designer Thilo Schoder gewürdigt. Sein Damenzimmer, das er für die begnadete Geraer Fotografin Aenne Biermann gestaltete, schaffte es seinerzeit auf die Titelblätter diverser Architekturmagazine. Und auch für das Geraer Theaterrestaurant schuf er zwischenzeitlich eine faszinierende spätexpressionistische Inneneinrichtung.

Die Ausstellung liefert anhand von historischen und aktuellen Fotos, Plänen, Modellen sowie historischem Mobiliar und Geschirr einen umfassenden Überblick über die Architekturgeschichte der Geraer Moderne. Zur Vernissage war auch Mette Schoder angereist, die norwegische Schwiegertochter des Architekten, die dem Museum zahlreiche Leihgaben aus dem Schoderschen Nachlass überlassen hat.

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