Graffitikünstler lässt Kristalle im Skulpturen-Garten Jena wachsen

Jena  Graffitikünstler Dr. Molrok entwickelt ortspezifische Installation für das Frommannsches Anwesen in Jena. Am 5. Juni ist Vernissage.

Der Erfurter Graffitikünstler Dr. Molrok alias Michael Ritzmann mit einem der noch unfertigen Objekte seiner Installation „Kwant-3“ im „Frommannschen Skulpturen-Garten“ in Jena.  

Der Erfurter Graffitikünstler Dr. Molrok alias Michael Ritzmann mit einem der noch unfertigen Objekte seiner Installation „Kwant-3“ im „Frommannschen Skulpturen-Garten“ in Jena.  

Foto: Ulrike Merkel

Aus den Grundstücksmauern und der Wiese im Frommannschen Garten in Jena wachsen große, spitze Kristallstrukturen. Sie seien Teil eines gigantischen imaginären Kristalls, der unter der Erde liege, beschreibt der Erfurter Graffitikünstler Dr. Molrok alias Michael Ritzmann seine raumgreifende Installation. Noch befindet sie sich im Entstehen. Die Formen hat Dr. Molrok bereits aus Sperrholzplatten gebaut. Die Grundierung ist beim ersten von vier Objekten aufgetragen. In den nächsten Tagen werden sie noch farblich mit der Sprühdose bearbeitet, damit am Mittwoch, dem 5. Juni, um 19 Uhr pünktlich Vernissage gefeiert werden kann.

Seit 2012 ermöglichen der Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Uni Jena und der Jenaer Kunstverein jeweils einem Künstler, seine Werke den Sommer über im „Frommannschen Skulpturen-Garten“ in Szene zu setzen. Das Anwesen diente bereits um 1800 Künstlern und Philosophen als Treffpunkt.

Anfänge liegen in der Streetart-Szene

Dr. Molroks Arbeit heißt „Kwant-3“. Sie ist inspiriert von einem gleichnamigen Wissenschaftsmodul der ehemaligen Raumstation „Mir“. Damit wurde seinerzeit unter anderem das Wachstum von Kristallen in der Schwerelosigkeit untersucht.

Der 36-jährige Erfurter begann schon in den frühen 90er-Jahren, illegal Graffiti zu sprayen, und machte sich einen Namen in der Streetart-Szene. Nach dem Abitur entschied er sich bewusst gegen ein Kunststudium. Er hatte Angst, dass durch den Zwang die Muse verloren gehen könnte. Also studiert er Psychologie und Philosophie.

Doch mit seinem ersten eigenen Atelier nimmt die Kunst immer mehr Raum in seinem Leben ein, bis Dr. Molrok irgendwann gar nicht mehr zur Uni geht. „Die Kunst hat sich von hinten eingeschlichen“, sagt der Thüringer. „Anfangs musste ich schon harte Zeiten durchleben.“ Doch seit zehn Jahren nehmen die Aufträge und die internationale Bekanntheit immer weiter zu. Inzwischen stellt er nicht mehr nur in Deutschland aus, sondern auch in Frankreich, den Niederlanden oder Japan.

Bizarre futuristische Skulpturen

Neben Auftragsarbeiten sucht sich Dr. Molrok aber auch immer wieder verlassene Gebäude, in denen er, abgeschieden von der Öffentlichkeit, speziell für diese Orte Kunstwerke schafft. Sie bestehen vorzugsweise aus Metall. Mit Metallschneider, Schweißgerät und Spraydosen lässt er bizarre futuristische Skulpturen entstehen, aus deren Zentren vielgestaltige Verzweigungen zu wachsen scheinen. Die Öffentlichkeit erfährt von den versteckten Installationen erst über Video- und Fotodokumentationen. Diese kunstvoll inszenierten Bilder und Filmsequenzen sind wichtiger Bestandteil seiner Arbeit, bezeugen sie doch erst die Existenz seiner Objekte. Inzwischen habe er mehrere Dutzend dieser Skulpturen an verlassenen Orten in ganz Europa hinterlassen.

In diese teils sehr filigranen Gebilde fließt viel Schweiß. Da kommt Dr. Molrok zu Gute, dass er von klein auf gern baut und bastelt. „Meine Eltern haben mich schon mit vier, fünf Jahren in die Werkstatt gelassen“, sagt er. „Sie meinten nur, ich soll auf die Finger aufpassen.“

Die ortspezifische Arbeitsweise ist ein Markenzeichen Molroks. In den seltensten Fällen stellt er bereits fertige Werke aus. In aller Regel entstehen sie vor Ort. Das gab wohl auch den Ausschlag, dass er sich unter den Bewerbern für den diesjährigen „Frommannschen Skulpturen-Garten“ durchsetzen konnte.

Weitere Termine

  • Kuratorinnenführung: Do, 13. Juni, 18 Uhr
  • Künstlergespräch: So, 14.Juli, 15 Uhr, im „Frommannsches Anwesen
  • Podiumsgespräch: Di, 2. Juli, 19 Uhr, „The Writing on the Wall – Initiativen und Tendenzen der Thüringer Graffiti-Szene“, im Jenaer Kunstverein, Markt 16