Hainspitzer zeigt zur Kneipentour Kraft-Darbietungen wie "Milo Barus"

Hans-Jürgen Pietsch aus Hainspitz im Saale-Holzland-Kreis ist am Samstag um 19 Uhr zur Eröffnung der 13. Neustädter Kneipentour mit einer Kraft-Darbietung zu erleben. Unsere Zeitung vorab mit dem 63-jährigen Kraft-Akrobaten und mehrfachen Welt-, Europa- und Deutschen Meister im Kraft-Dreikampf.

Foto: zgt

Herr Pietsch, wann haben Sie bemerkt, dass Sie besondere Kräfte haben?

Es war eigentlich ein Jux, als ich das erste Mal nur mit den Zähnen einen Holztisch angehoben habe. Ich war 1967 bei der NVA in der Nähe von Stralsund. Als wir eines Abends in Abtshagen in einer Gaststätte waren, hob der Wirt mit den Zähnen einen Holztisch an und sagte, wer das nachmacht, wird den ganzen Abend freigehalten. Da habe ich es probiert – und musste seitdem dort nichts mehr bezahlen.

Sie haben aber erst seit 1999 an Kraft-Dreikampf-Wettbewerben teilgenommen. Wie kam es dazu?

Vorher hatte ich keine Zeit dafür. Ich arbeite seit 40 Jahren als Maurer auf’m Bau und hatte immer sehr viel zu tun, habe in Hainspitz ein Haus gebaut und meinen Söhnen bei ihren Häusern geholfen. Dann hatten wir 1999 eine Baustelle bei der Uni in Jena und dort habe ich beim Universitätssportverein mit dem Kraftsport angefangen und festgestellt, dass ich mit den Besten mithalten konnte. Seit 2002 bin ich beim TSV Eisenberg.

Welche sind Ihre bisher größten Erfolge?

Ich bin inzwischen im deutschen Nationalkader der Kraftsportler bei den Senioren. Ich war im Kraft-Dreikampf acht Mal Thüringer und Deutscher Meister, dreimal Europameister und zweimal Weltmeister, das war 2008 und 2009 in Tschechien und in Amerika. Es gibt wirklich eine starke Konkurrenz und die Wettkämpfe fordern einem alles ab.

Welche Disziplinen gehören zum Kraft-Dreikampf?

Kniebeugen mit Gewichten, Bankdrücken und Kreuzheben. Meine Bestwerte liegen bei 222 Kilogramm beim Kniebeugen, 187,5 Kilogramm im Bankdrücken und 225 Kilogramm im Kreuzheben.

In Neustadt kennt man Sie seit einem Schaustellertreffen 2010 im Hotel Stadt Neustadt als Nachfolger von "Milo Barus", dem einst stärksten Mann der Welt.

Ja, ich trete hobbymäßig mit Übungen auf, die damals Milo Barus gezeigt hat. So auch in Neustadt bei dem Schaustellertreffen, zu dem die katholische Kirche eingeladen hatte.

Seit ein paar Jahren gibt es im Eisenberger Mühltal am früheren Gasthaus von Emil Bahr, wie er wirklich hieß, den Milo-Barus-Cup als Kraftsportwettkampf. Im Rahmenprogramm werden diese artistischen Übungen gezeigt. Außerdem trete ich bei Volksfesten und Feiern aller Art auf.

Welche Kraft-Kunststücke werden Sie am Samstag zeigen?

Ich werde unter anderem ein Bierfass mit den Zähnen anheben, Personen hochheben, ein 10-Millimeter-Vierkant-Eisen und ein Hufeisen biegen und mal sehen, was noch.

Sie zerreißen ja auch ganze Telefonbücher, lassen sich 25-Kilo schwere Betonplatten auf dem Rücken zerschlagen und ziehen mit reiner Körperkraft Traktoren die Straße lang. Wie schaffen Sie das? Welche sind Ihre Geheimnisse?

Es gibt keine Geheimnisse, keine Tricks und kein Doping. Was ich den Leuten zeige, ist alles echt. Ich packe das mit Kraft, Konzentration und eisernem Willen. Ich habe wohl besonders gute Muskeln und feste, gesunde Zähne, wie meine Großmutter sie hatte. Von der Arbeit auf dem Bau habe ich die Grundkraft. Außerdem trainiere ich zuhause. Ich habe aber keinen Trainingsplan, esse nichts Besonderes und verzichte auch auf nichts.

Was hält Ihre Frau davon, wenn Sie so verrückte Sachen machen?

Meine Frau Gudrun hat mich von Anfang an unterstützt und ist bei den unterschiedlichen Wettkämpfen und Auftritten die beste Betreuerin. Sie weiß, dass ich das kann und dass ich nur Übungen zeige, die ich trainiert habe und die ich auch sicher beherrsche.

Benötigen Sie für den Auftritt in Neustadt besondere Requisiten oder Helfer?

Ich bringe fast alles mit. Aber ein stabiler Holztisch und ein paar mutige Kinder, die sich auf einem großen Holzbrett anheben lassen, wären toll.

Wer war Milo Barus

Der Kraftakrobat Emil Bahr, alias Milo Barus, lebte von 1906 bis 1977. Nach sensationellen Leistungen als 18-Jähriger beim olympischen Dreikampf und dem Gewinn des ersten von sechs Weltmeistertiteln im Jahr 1930 galt der gebürtige Tscheche und bekannte Zirkusartist als stärkster Mann der Welt.

Im Eisenberger Mühltal betrieb er zu DDR-Zeiten eine Gaststätte und begeisterte bei verschiedenen Auftritten mit seinen Kraft-Darbietungen. Unter anderem trug er Pferde, verbog Hufeisen und hob Fässer mit den Zähnen hoch.

Zu den besten Milo-Barus-Kennern gehört der aus Pößneck stammende Roland Weise, der den starken Mann einst als Manager betreute und schließlich ein Buch über seine Lebensgeschichte veröffentlichte ("Milo Barus - der stärkste Mann der Welt", Lemm-Verlag Gera, 2009)

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