Jeden Tag gibt`s Kuchen - Gudrun Dietze aus Chursdorf stellt in Lobenstein ihr neues Buch "Genießen in Thüringen" vor

Es ist kurz vor 16 Uhr. Kaffeezeit bei Dietzens. Täglich sitzen Gudrun und Mann Hans nachmittags zur gleichen Zeit am Küchentisch und lassen sich Selbstgebackenes munden. "Kaffeetrinken ist wichtig", erklärt lachend Gudrun Dietze

Gudrun Dietze aus Chursdorf bringt ihr Backbuch "Genießen in Thüringen" heraus.

Gudrun Dietze aus Chursdorf bringt ihr Backbuch "Genießen in Thüringen" heraus.

Foto: zgt

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"Da essen wir weniger zum Abendbrot. Die 76-Jährige sieht aus, wie man sich eine Thüringer Backfrau vorstellt, freundlich und rundlich.

Marzipan-Aprikosen-Schnitten sind auf dem Teller angerichtet. Die schmecken lecker und nach mehr. Ruck, zuck, sind ein, zwei, drei Stück verputzt. Das Rezept findet sich im neuen Buch von Gudrun Dietze. Heute um 10 Uhr wird "Genießen in Thüringen" erstmals der Öffentlichkeit auf dem Marktplatz in Bad Lobenstein präsentiert. An der Seite von Dietze ist auch Co-Autor Horst Zippel. Der Volkskundler hat zur kulinarischen Wanderung durch die Jahreszeiten Unterhaltsames und Wissenswertes über Traditionen und Bräuche in Thüringen zusammengetragen. Schreibt er über die Plothener Teiche, ergänzt Dietzes Kloß- und Fischgericht seine Geschichte.

Über 500 Rezepte hat die Chursdorferin in ihren Büchern schon veröffentlicht. Keines wiederholt sich. Dass sie mit ihrer Back- und Kochleidenschaft so erfolgreich ist, hätte sie nie gedacht. Eigentlich wollte sie nur die überlieferten Rezepte ihrer Heimat vor dem Vergessen bewahren. "Nach der Wende standen plötzlich schön illustrierte Kochbücher mit bayerischen oder pfälzischen Köstlichkeiten und Exotischem in den Buchläden", erzählt Gudrun Dietze. Auch sie greift zu. Irgendwann besinnt sie sich. Sie kramt in ihrem Rezeptheft, angefangen in den 50er Jahren, und schreibt thüringische Rezepte neu auf. "Die gebräuchlichen Maßeinheiten wie eine Handvoll musste ich so übersetzen, dass sie jeder versteht. Also habe ich alles selbst ausprobiert und nach Brauchbarkeit überprüft", erzählt Gudrun Dietze. Das hält sie mit jedem Rezept bis heute so. "Was nutzt es, wenn die Zubereitung zu kompliziert ist oder die Zutaten nicht stimmen." 1992 schickt Dietze die Blättersammlung in einen Verlag. "Meine Sorge, dass die oft mündlich überlieferte Ess-Tradition verloren geht, war wirklich groß", bekräftigt sie immer wieder. Ein Jahr vergeht noch, bis das Buch "Thüringer Festtagskuchen" erscheint, inzwischen in der 27. Auflage. Es führt die Hitliste ihrer zehn Titel an und ist das Standardwerk für die Thüringer Blechkuchenbäckerei. Einige stehen auf den Bestsellerlisten der Buchhandlungen, die wöchentlich in der Ostthüringer Zeitung veröffentlichten werden.

Kenner bescheinigen der Chursdorferin ein phänomenales "Geschmacksgedächtnis" wie Christa Winkelmann vom BuchVerlag für die Frau, der Dietzes Werke herausbringt. Süßes oder Gesottenes wird sofort auf Dietzes Zunge seziert, später nachgebacken oder nachgekocht und verfeinert.

Wen wundert’s. Gudrun wächst auf einem Bauernhof auf. Für Familie und Gäste wird viel geköchelt. Schon als Kind rührt sie in Teigschüsseln. Mit Fünf backt sie ihre ersten Plätzchen. Als Jugendliche bereitet sie manches Mittagsmahl zu. Es macht Spaß. Über Jahrzehnte hat sich die Chursdorferin die Freude am Herd zu stehen und zu experimentieren, bewahrt. "Allerdings muss man sich heute den gesundheitsbewussten Essgewohnheiten anpassen. Gerichten und Naschereien die Schwere nehmen", meint Dietze. "Doch seit ich Bücher schreibe, habe ich zugenommen. Eigentlich müsste mir der Verlag eine Schlankheitskur verschreiben", sagt sie scherzend. Die 76-Jährige weiß genau, woher das Mehr auf den Hüften kommt: "der tägliche Kuchen zum Kaffeetrinken". Doch die geliebte Gewohnheit muss man im Alter nicht mehr aufgeben.

Gudrun Dietzes Tochter hat die Leidenschaft am Backen und Kochen geerbt. "Du und Mama seid die besten Köche der Welt", urteilt oft Enkel Felix. Das freut beide.

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