Der letzte Fürst Reuß ist mit fast 93 Jahren verstorben

Heinrich IV. wird am Samstag in Ernstbrunn bei Wien beigesetzt. Sein Sohn Heinrich XIV. ist nun Oberhaupt der Reußen.

Im Vordergrund: Fürst Heinrich IV. Reuß

Im Vordergrund: Fürst Heinrich IV. Reuß

Foto: zgt

Gera/Ernstbrunn. Wenn am Samstag um 14 Uhr im ostthüringischen Harra die Glocken läuten werden, dann erklingen sie zum Gedenken an den letzten Fürsten des einstigen Ostthüringer Fürstenhauses Reuß. Zur selben Zeit wird Heinrich IV. im Park von Schloss Ernstbrunn bei Wien beigesetzt.

Am 20. Juni ist "mein geliebter Vater, der letzte Fürst Reuss im 93. Lebensjahr im Kreis seiner Kinder und Enkelkinder verstorben", teilte sein Sohn Heinrich XIV. vorletzte Nacht per Mail mit. Der Sohn ist jetzt Oberhaupt der Fürstenfamilie und nennt sich selbst Fürst.

Bis 1945 hatte der Köstritzer Zweig des Ostthüringer Adelsgeschlechts seinen Sitz in Bad Köstritz. Ernstbrunn war der Sommersitz, den Heinrich IV. fünf Jahre nach der Beschlagnahme durch die sowjetische Besatzungsmacht am Ende des Zweiten Weltkrieges zurück erhielt. Die Familie nahm dauerhaft ihren Sitz in Ernstbrunn, wo der Fürst am 26. Oktober 1919 geboren war.

"So schließt sich ein Kreis", sagt sein Sohn. Mit Thüringen blieben die österreichischen Reußen über die Jahre verbunden. "Für meinen Vater war es eine fröhliche Rückkehr, als er nach der Wende 1990 in seine Thüringer Heimat zurück kommen konnte", erzählt Heinrich XIV. Im selben Jahr noch eröffneten sie in der alten Heimat einen Land- und Forstwirtschaftsbetrieb. Die Reußischen Güter haben ihren Sitz in Gera-Aga und bewirtschaften Wald und Ländereien in Bad Lobenstein und im Raum Gera. Im Unterschied zu anderen Mitgliedern der weit verzweigten Fürstenfamilie war Heinrich IV. durchaus erfolgreich vor deutschen Gerichten mit seinen Ansprüchen auf die Rückübertragung von Besitz, der nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet wurde. Ausschlaggebend für die Richter: Heinrich IV. war gebürtiger Österreicher. Das Forsthaus in Hohenleuben hatte der Fürst beispielsweise auf dem Klageweg zurückerhalten. "Schade, dass er nicht alles erleben wird, was zurück übertragen werden soll", sagt sein Sohn mit Blick etwa auf den alten Familienbesitz in Bad Köstritz.

Wer den Fürsten kennen gelernt hatte, wie der Geraer Kulturbundvorsitzende Eckard Müller, erinnert sich an einen Schöngeist und eine Frohnatur. Im Wiener Musikverein war Heinrich IV. aktiv, im Mai noch Gast eines Konzertes in der Deutschen Botschaft in Wien. Der Familien-Seelsorger Pfarrer Jens R. Heil, der in Harra die Glocken läuten wird, hat den Fürsten auch als leidenschaftlichen Jäger in Erinnerung.

"Landtagspräsidentin Birgit Diezel will einen Kranz zur Beerdigung schicken", sagt Heinrich XIV. Und die Lobensteiner Schützen werden am Samstag in Ernstbrunn Ehrenwache stehen, wenn bis zu 500 Trauergäste dem Fürsten das letzte Geleit geben werden.

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