Podium für literarische Querdenker

Gera  Der alternative Verlag „Edition Outbird“ ist seit knapp einem Jahr in Gera aktiv.

Tristan Rosenkranz (r.) und Danilo Schreiter, Inhaber des Telescope Verlags, zeichnen für die Edition Outbird verantwortlich.

Tristan Rosenkranz (r.) und Danilo Schreiter, Inhaber des Telescope Verlags, zeichnen für die Edition Outbird verantwortlich.

Foto: Ulrike Merkel

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Seit knapp einem Jahr ist die kleine Geraer Verlagsszene um einen Akteur reicher. Die „Edition Outbird“ möchte der literarischen eine Plattform Subkultur bieten.

Outbird ist eine Wortneuschöpfung, eine Kreation aus dem englischen Begriff „Outlaw“ für Aussteiger und der deutschen Redewendung „schräger Vogel“.

Ihr Gründer Tristan Rosenkranz ist in Gera kein Unbekannter. Als ehemaliger Vorsitzender des Gleichmaß e.V. initiierte er beispielsweise Thüringens erste Gewaltschutzwohnung für Männer. Zuvor war er Inhaber eines Szene- und Piercingladens, organisierte Veranstaltungen und schrieb für Geraer Stadtmagazine. Inzwischen arbeitet Rosenkranz als Veranstalter, Autor und Verleger.

Seit dem Start der Edition Outbird sind – neben dem Magazin für alternative Kultur „Outscapes“ – drei Bücher erschienen. Das aktuellste stammt vom Schweizer Ralf Bruggmann. „Hornhaut“ ist sein Debüt und versammelt kurze Momentaufnahmen und Wortlandschaften. Darin entwirft Bruggmann rudimentäre Biografien, die dem Leser oft feine Schauer über den Rücken jagen.

Kooperation mit Verlag aus dem Erzgebirge

Verleger Rosenkranz bringt die Bücher in Kooperation mit dem Telescope Verlag aus Mildenau im Erzgebirge heraus. Dabei greift er auf dessen jahrelanges Know How zurück.

Die Edition Outbird hat sich der „Literatur abseits von Beststellerlisten und Profitkunst“ verschrieben. Sie veröffentlicht Autoren, die quer denken, anders leben, Utopien entwerfen. Dabei sei man auf kein spezielles Genre festgelegt, sagt der Verleger. Ob Roman, Short Story oder Lyrik – alles habe im Verlagsprogramm Platz, wenn es inhaltlich passe. Insofern ist Rosenkranz stets auf der Suche nach neuen Autoren – derzeit vor allem Autorinnen.

Die erste Outbird-Publikation „Von Sein und Zeit“ kam im Dezember 2016 heraus. In dieser Textsammlung zieht der Pößnecker Autor M. Kruppe durch Kleinstadtcafés und improvisierte Penner-Kommunen, trifft Punks und Cops, erlebt Exzesse und Katerstimmungen. Dabei gehe er „mit sich und dem System ins Gericht“, sagt Tristan Rosenkranz.

Das dritte Buch aus dem Hause Outbird stammt von Hauke von Grimm, Radiomacher und Urgestein der Leipziger Undergroundliteratur. Sein Werk „Wortland“ versammelt skurrile Erzählungen, schalkhafte Verstiegenheiten sowie lyrisch-spielerische Worttänze.

Auch die nächsten Werke sind bereits in Planung: Das gesellschaftskritische Werk „50 – Licht und Schatten. Männer betrügen Frauen, Frauen betrügen sich selbst“ aus der Feder des Stuttgarters Michael Haas ist der erste Roman des Verlags. Die Prosasammlung „Brachialromantik“ der Berliner Autorin Frau Kopf „streut Salz in liebende Wunden“.

  • „Edition Outbird“ ist Teil des gleich-namigen Ostthüringer Netzwerks für alternative Kultur, das neben Veranstaltungen auch einen Web-shop betreibt: shop.outbird.de.
„Edition Outbird“ ist Teil des gleich-namigen Ostthüringer Netzwerks für alternative Kultur, das neben Veranstaltungen auch einen Web-shop betreibt: shop.outbird.de.
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