Renthendorf: Brehm-Briefe werden öffentlich gemacht

Renthendorf  Seit einigen Wochen ist Doktorand Stefan Curth von der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf dabei, originale Briefe und Aufzeichnungen der Forscher Christian Ludwig und Alfred Brehm sowie der Familie zu digitalisieren.

Doktorand Stefan Curth, der als Volontär beim Zweckverband Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf arbeitet, zeigt am Monitor seines Arbeitsplatzes eine eingescannte Niederschrift aus der Brehmschen Autografensammlung. Schrittweise sollen die Autografen im Netz zugänglich gemacht werden. Foto: Frank Kalla

Doktorand Stefan Curth, der als Volontär beim Zweckverband Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf arbeitet, zeigt am Monitor seines Arbeitsplatzes eine eingescannte Niederschrift aus der Brehmschen Autografensammlung. Schrittweise sollen die Autografen im Netz zugänglich gemacht werden. Foto: Frank Kalla

Foto: zgt

Etwa 2300 Autografen warten derzeit darauf, eingescannt, katalogisiert und ins Netz gestellt zu werden. Stefan Curth, der seit März als wissenschaftlicher Volontär für den Zweckverband Brehm-Gedenkstätte arbeitet, ist jedes Mal aufs Neue fasziniert von der umfangreichen Autografen-Sammlung der Gedenkstätte, die auch überaus wertvolle Briefe des "Vogelpastors" Christian Ludwig Brehm enthält.

Die Brehms hatten schriftlich überaus viel mitzuteilen. Während Christian Ludwig Brehm (1787 bis 1864) sich mit der Erforschung der Vogelwelt beschäftigte und eine wissenschaftliche Sammlung von 15 000 Vogelbälgen aufbaute, widmete sich sein Sohn Alfred Edmund Brehm (1829 bis 1884) als Zoologe der Erforschung der Tierwelt und unternahm mehrere Expeditionen unter anderem nach Afrika oder Sibirien.

Beide schrieben sich mit anderen Gelehrten. Brehm junior pflegte zudem einen ausgedehnten Schriftverkehr mit Verlegern und auch Politikern. Wertvoll sind auch die Korrespondenzen von Alfred Brehm mit Kronprinz Rudolf von Österreich, der Hobby-Ornithologe war und Brehm bis zu dessen Tod verbunden blieb. Zu diesem Schriftverkehr gesellten sich in den folgenden Jahrzehnten unter anderem Abschriften, zudem liegt eine Fülle von Briefen der anderen Familienmitglieder der Brehms vor.

Aus dem Konvolut können noch heute wichtige Informationen herausgefiltert werden. "Beispielsweise liegt eine Rechnung der Baumschule Deegen aus Köstritz vor, anhand der wir nachvollziehen können, welche Rosensorten im Garten der Brehms standen", erklärte Gedenkstätten-Leiter Jochen Süß.

Erst kürzlich erreichte die Gedenkstätte eine Anfrage aus Sibirien, aus der Stadt Pawlodar. In einem Museum hatte man Hinterlassenschaften von einer Expedition Alfred Brehms entdeckt und fragte bei den Deutschen an, ob sie Schriftstücke über diese Expedition zur Verfügung stellen könnten.

Rund 150 Autografen hatte Curth bis Ende vergangener Woche eingescannt, in den nächsten Tagen sollen diese Stück für Stück auf dem Portal Digicult.web der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Portal wurde vor einigen Jahren von deutschen Museen ins Leben gerufen. Unter dem Motto "Schätze heben – Kultur sichern" wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Museumsverband Schleswig-Holstein und Hamburg e.V, mit den Museen und Sammlungen des Landes und weiteren Partnern Strukturen entwickelt und erprobt, mit deren Hilfe die Kulturschätze der beteiligten Museen digitalisiert, dokumentiert und auf der Basis neuer Technologien einem breiten Nutzerkreis aus Wissenschaft, Bildung und Öffentlichkeit verfügbar gemacht werden. Inzwischen gehört auch der Thüringer Museumsverbund über eine Kooperationsvereinbarung der Digicult Genossenschaft an.

Je intensiver sich Curth mit dem schriftlichen Nachlass der Brehms beschäftigt, umso interessanter findet er es, sich mit diesen Persönlichkeiten auseinanderzusetzen.

Einige der Postkarten sagen Laien indes nichts: Sind sie doch in der Gabelsberger Stenografie verfasst worden.

Zu den Kommentaren