Spannende Geschichten vom Oberen Schloss beim Greizer Geplauder mit Marcel Niebaum

Dieter Eckold
| Lesedauer: 3 Minuten
Marcel Niebaum plauderte zusammen mit Gisela Peter im Oberen Schloss. Foto: Dieter Eckold

Marcel Niebaum plauderte zusammen mit Gisela Peter im Oberen Schloss. Foto: Dieter Eckold

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Greiz  Greizer Geplauder Marcel Niebaum plauderte zusammen mit Gisela Peter zur langen Geschichte des Oberen Schlosses.

Zum sechsten Greizer Geplauder hatte der Verein „Weil wir Greiz lieben“ in den Pferdestall auf dem Oberen Schloss eingeladen. Marcel Niebaum sprach mit Gisela Peter, der langjährigen Schlossführerin, über die urkundliche Ersterwähnung des ältesten und bekanntesten Wahrzeichens der Stadt und auch über die aktuellen Sanierungen an den Gebäuden auf dem rund 50 Meter hohen Bergkegel. Zum besseren Verständnis für die Zuhörer wurde zu den besprochenen Details Bildmaterial gezeigt.

Die einstige Burg als Herrschaftssitz der reußischen Fürsten wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, gehe aber, durch Funde bei Ausgrabungen bestätigt, auf eine Pfalz aus dem 11. Jahrhundert zurück, informierte Gisela Peter. Von Fragen durch Marcel Niebaum angeregt, gab es weitere Geschichten: Durch Blitzeinschlag brannten die Burggebäude im Jahr 1540 ab, im 16. und 17. Jahrhundert wurde das Schloss in seiner heutigen Gestalt wieder aufgebaut. Der erste Turm auf dem Oberen Schloss sei ein Holzbau gewesen, der 1625 in Steinbauweise errichtet wurde und bei möglichen Übergriffen als Schutz diente.

Von Wasserversorgung bis zur Puppenmutter

Ursprünglich gab es auf dem Oberen Schloss drei Türme, hierzu wurde ein historisches Dokument gezeigt. Gemäß der Ausgrabungen im Turmgarten wurde dieser im 15. und 16. Jahrhundert für Theateraufführungen und Belustigungen genutzt. Wissenswertes wurde über die Wasserversorgung, die Gerichtsbarkeit, die Hühnerhaltung und den Obstbaumhang erzählt. 2005 wurde bei Bauarbeiten ein unvollendeter Brunnen mit Abdeckplatte von 1745 entdeckt, der sich aber nicht zur Nutzung eignete. Nachweislich erfolgte vom Krankenhausberg aus die Versorgung der Schlossbewohner mit Wasser.

Der Aufgang zum Schloss führte von der Parkgasse durch das Stelzentor, erst um 1725 wurden Sanierungen an den Berghängen durchgeführt, neue Aufgänge angelegt. Viele der Anwesenden wussten nichts von einem Kräuter- und Gemüsegarten, dass der Pavillon im Schanzengarten für die Damen zum Lustwandeln genutzt wurde, ein kleines Teehäuschen auf der oberen Schanze stand und dass früher sogar Bären auf dem Oberen Schloss gehalten wurden.

Eine weitere Besonderheit ist die Zenta-Eiche, unter der das Pferd von Heinrich VI begraben ist, und die Aufstellung eines Wachhäuschens mit Hochwasserstandsangaben am Haupteingang. Kanonen standen früher am Haupttor, die Rohre sollten restauriert werden, neue Lafetten gezimmert werden.

Ein Abstecher zu Brunhilde Einenkel, ihrem Leben und Wirken in der berühmten Puppenwerkstatt, war auch Gegenstand der Plauderei. Die weitere Sanierung der Gebäude mit den Renaissancegiebeln an der Ostfassade sei eine Frage des Geldes, dieses gebe es für die Förderung nur, wenn für die Objekte auch ein Nutzungsprogramm vorliege. Es würden noch Jahre vergehen, bis die Sanierungen aller Gebäude abgeschlossen seien und das Obere Schloss komplett vom Bergkegel leuchtet. Immerhin sind mittlerweile 98 Prozent aller Dächer saniert.