Tod einer Hummel – Open-Air-Spektakel in der Wasserburg mit kabarettistischem Humor

Jena/Kapellendorf  Kurz- und Kleinkunstbühne Jena lädt vom 18. Juli bis 31. August zum 20. Open-Air-Spektakel in die Wasserburg Kapellendorf.

Impression vom Burghoftheater Kapellendorf: Szene aus "Mach nicht so'n Theater oder Der Countdown läuft", dem 20. Sommerspektakel mit Arnd Vogel als dicke Hummel. 

Impression vom Burghoftheater Kapellendorf: Szene aus "Mach nicht so'n Theater oder Der Countdown läuft", dem 20. Sommerspektakel mit Arnd Vogel als dicke Hummel. 

Foto: Hans-Werner Kreidner

Herr Meyer tötet beim Rasenmähen eine dicke Hummel. In Zeiten des großen Insektensterbens wird der Kleingärtner vor Gericht zitiert und zu Sozialstunden verurteilt. Er soll nun selbst bestäuben, so wie es die Hummel getan hätte. Die Open-Air-Stücke des Burghoftheaters Kapellendorf stecken voller schräger Ideen, skurriler Charaktere, kühner Handlungsstränge und kabarettistischem Humor. Am Donnerstag, 18. Juli, um 20.30 Uhr hat die inzwischen 20. Inszenierung Premiere.

Seit 2000 bespielen Gabriele Reinecker und Arnd Vogel von der Kurz- und Kleinkunstbühne Jena im Sommer gemeinsam mit Kollegen die romantisch-urige Wasserburg Kapellendorf im Weimarer Land und schlüpfen dabei in bis zu 25 Rollen. „Mach nicht so‘n Theater oder Der Countdown läuft“ heißt das aktuelle Spektakel, ein zweistündiges „Wald- und Wiesendrama“ aus der Feder von Gabriele Reinecker. Die Kabarettautorin richtet ihren satirischen Fokus diesmal auf die Rettung der Umwelt in der Kleingartensparte.

Kulturelles Highlight auf dem Land

Das erste Burghoftheater fand noch unter der Regie des Geraer Kabaretts Fettnäppchen statt, zu dessen Ensemble Reinecker und Vogel damals gehörten. Als sich das Paar 2001 in Jena mit der Kurz- und Kleinkunstbühne selbstständig macht, erbt es auch die jährlichen Open-Air-Aufführungen in Kapellendorf.

Bereits die allererste Inszenierung, „Shakespeare in Bedrängnis“, hatte so ihre Tücken: In der Generalprobe verletzte sich der Schauspieler, der Heinrich VIII. verkörperte. „Er fiel vom Pferd und prellte sich die Rippen“, sagt Reinecker. Ursprünglich sollte er das Pferd nur auf die Bühne führen. Da er aber bereits in diversen Indianerfilmen mitgespielt hatte, wollte er hoch zu Ross einreiten.

Als Ersatz sprang die zarte Gabriele Reinecker ein, die so ihre Schwierigkeiten mit dem übergroßen Königskostüm hatte. „Bei einer Kampfszene waren ihre Arme viel zu kurz, um das lange Schwert aus dem Schaft zu ziehen“, erinnert sich Arnd Vogel schmunzelnd. Die ungewollte Slapstickeinlage sei der größte Lacher des Abends gewesen. „Damals saßen 38 Leute im Publikum“, ergänzt Reinecker. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten haben sich ihre kurzweiligen Sommerstücke inzwischen herumgesprochen. Die Zuschauer kommen aus Jena, Weimar, Erfurt, Gotha, Gera und Rudolstadt. Nicht selten ist der Burghof, der rund 450 Gäste fasst, vollends gefüllt.

Wie viele Besucher am Abend tatsächlich erscheinen, hängt aber immer vom Wetter ab. „Wir spielen auch bei Regen“, sagt Arnd Vogel. „In der Regel lassen wir aber das Publikum entscheiden.“ Wenn die Mehrheit für Abbruch stimmt, behalten die Tickets ihre Gültigkeit.

Das Burghoftheater ist für die Kurz- und Kleinkunstbühne eine wichtige Einnahmequelle. Im Sommer sei die Jenaer Hauptspielstätte in der Teutonengasse 3 viel zu stickig, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Außerdem sei die Jenaer Kulturarena ein übergroßer Konkurrent.

Die groß angelegten Sommerspecials stellen für die Kabarettisten jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung dar. Die breite Bühne im Burghof will mit dem kleinen, vierköpfigen Ensemble erst einmal wirkungsvoll in Szene gesetzt sein. Ziel ist es, den Eindruck zu erwecken, es ständen deutlich mehr Akteure auf der Bühne. Das fordert den Schauspielern ein enormes Tempo ab. „Die Wege sind sehr lang. Und man ist auch nicht mehr der Jüngste“, sagt der 69-jährige Arnd Vogel. Obendrein kümmern sich die Darsteller auch noch um Parkplatzeinweisung, Abendkasse und Barbetrieb.

Kennengelernt haben sich Gabriele Reinecker und Arnd Vogel beim Geraer Fettnäppchen. Er, der Schauspieler aus Leipzig, und sie, die diplomierte Schlagersängerin aus Frankfurt/Oder. Inzwischen hat sich das Paar in Freundschaft getrennt. Reineckers neuer Lebensgefährte Stefan Töpelmann ist mittlerweile selbst Ensemble-Mitglied und neben Ilka Flegel der vierte Bühnenakteur beim Sommerspektakel. Zudem zeichnet er für Musik und Liedtexte verantwortlich. Vogels und Reineckers gemeinsame Tochter steht erstmals nicht mit auf der Bühne. Sie ist selbst Mutter geworden.

Termine: Von 18. Juli bis 31. August, jeweils Donnerstag bis Samstag, 20.30 Uhr, Open Air im Innenhof der Wasserburg Kapellendorf. Kartenvorbestellungen unter: Telefon 03641/221490.

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