Vom übersehenen Detail und dem folgenden Moment im Theaterhaus Jena

Jena  „Vorstellung, in der hoffentlich nichts passiert“ im Theaterhaus Jena für Kinder ab sieben Jahren – und Erwachsene

Die „Vorstellung, in der hoffentlich nichts passiert“ mit Walter Bart (vorn) und André Hinderlich.

Die „Vorstellung, in der hoffentlich nichts passiert“ mit Walter Bart (vorn) und André Hinderlich.

Foto: Joachim Dette

Es braucht nicht viel, um große und kleine Zuschauer in einem Theater 50 Minuten lang zum Lachen zu bringen. Im Theaterhaus Jena haben nun die beiden Schauspieler Walter Bart und André Hinderlich mit der „Vorstellung, in der hoffentlich nichts passiert“ von Jetse Batelaan vom niederländischen Theater Artemis den Beweis angetreten, wie das funktionieren kann.

Zunächst einmal wird auf der Bühne vom Wachmann André (André Hinderlich) die Tür verriegelt und verrammelt, die Alarmanlage scharf geschaltet und das Licht runter gefahren. Dann herrscht Ruhe! Denn: Nichts soll auf der Bühne passieren, gar nichts. Befehl vom Chef, sonst gibt’s Theater. Und das will ja nun wirklich keiner. Außer vielleicht Walter (Walter Bart), Schauspieler mit einem wirklich wichtigen Auftritt in einer Schildkrötenszene. Er will sich seine Bühne erkämpfen, was wirklich schwierig ist, angesichts des hartnäckigen Wachmanns. Es gibt Gerangel, einen Konflikt, dann wieder Nichts, schließlich Tränen.

Doch als der Wachmann erfährt, das besagte Schildkrötenszene sehr, sehr langweilig ist und darin nahezu nichts passiert, macht er eine Ausnahme von der Dienstanweisung und gibt die Bühne frei. Zumindest kurz. Und alles muss ruhig bleiben und ohne Witze!

Selten hat ein Stück – für Kinder ab sieben Jahren, aber auch für Erwachsene eine große Freude – auf so irrwitzige und verblüffende Weise die unaufhaltsamen Kräfte des Theaters freigesetzt. Denn gerade dann, wenn vermeintlich auf der Bühne nichts mehr geht, machen sich die Gedanken selbstständig und übernehmen die Regie. So trifft man auf das oft übersehene Detail, auf den zögerlichen Augenblicken, auf den folgenden oder den toten Moment und auf die Ereignisse, die vor der verschlossenen Tür stehen und auch unbedingt über die Bühne müssen. Und man wohnt Andrés Suche nach sich selbst bei. Das ist großartiges minimalistisches Theater, fantastisch und ausdrucksstark gespielt von den beiden Theaterhaus-Schauspielern, die verdeutlichen, das nicht alles immer Sinn machen muss, aber dennoch sehr viel Spaß machen kann.

Weitere Vorstellungen: heute, 10 Uhr, 8. Dezember, 16 Uhr, 10. Dezember, 10 Uhr, 15. Dezember, 16 Uhr, 17., 18. und 19. Dezember, jeweils 10 Uhr

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