Weshalb Gartenzwerge auf eine Reise durch den Saale-Orla-Kreis gehen

Schleiz/Pößneck  Zur außergewöhnlichen Museumsreise durch den Kreis erzählen besondere Exponate ihre Geschichten am anderen Ort

Antonie Lau (von links) vom Museum 642 in Pößneck schickt – hier gemeinsam mit Josephine Schubert vom Museum Burg Ranis, Jessica Neumann vom Technischen Schaudenkmal Gießerei Heinrichshütte und Sabine Schemmrich vom Museum Schloss Burgk – die Pößnecker Gartenzwerge auf eine außergewöhnliche Museumsreise durch den Saale-Orla-Kreis.

Foto: Brit Wollschläger

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Man mag von Gartenzwergen halten, was man will: Fröhliche Botschafter der Stadt Pößneck sind sie auf jeden Fall. Und in dieser Eigenschaft sind einige von ihnen – Originale aus dem Jahr der Landesgartenschau in der größten Stadt des Saale-Orla-Kreis – jetzt auf eine Reise gegangen. Darüber informiert das Landratsamt Saale-Orla.

Die Gartenzwerge lassen sich einen Sommer lang auf Schloss Burgk bestaunen. „Die bunten Gesellen gehören zu einer Reihe von Tauschobjekten, die die Gäste zur Museumsreise anlässlich der Gründung des Saale-Orla-Kreises vor 25 Jahren an einem jeweils anderen Ort, in einem anderen Museum finden können“, kündigt das Landratsamt an.

Insgesamt fünf heimische Museen stehen demnach im Mittelpunkt der Feierlichkeiten zum Kreisjubiläum. Bürger des 1994 gegründeten Saale-Orla-Kreises sowie Gäste aus nah und fern sind zu einer Museumsreise eingeladen.

Die Stationen sind:

Gießerei Heinrichshütte in Wurzbach;

Museum Burg Ranis;

Museum 642 in Pößneck;

Schloss Burgk;

das Lutherhaus & Museum für Stadtgeschichte Neustadt (Orla).

Jedes dieser Häuser ist einzigartig. Dass es verbindende Elemente gibt, zeigen eine Reihe von Objekten, die ihren ursprünglichen Ort verlassen, um in den Ausstellungen der anderen teilnehmenden Museen ihre Geschichte zu erzählen, erklärt das Landratsamt das Außergewöhnliche. So erzählen die Gartenzwerge von der ersten Thüringer Landesgartenschau in Pößneck, die vor 19 Jahren über 500.000 Besucher in die Stadt lockte. Sie konnten beispielsweise auf dem damals gerade umgestalteten Gelände am Viehmarkt diesen putzigen Gartenzwergen dabei zusehen, wie sie aus dem Erdreich hinaus wuchsen. Und manche von ihnen bekamen seinerzeit auch die sprichwörtlichen langen Beine und wurden einfach davon getragen.

Eine schwere Wäschemangel kann man dagegen nicht so leicht wegtragen. Eine solche aus dem heutigen Technischen Denkmal „Gießerei Heinrichshütte“ in Wurzbach lässt sich als Tauschobjekt im Museum 642 in Pößneck bewundern – eine original Diebels-Wäschemangel, die zu Omas Zeiten das Mittel der Wahl war, um die Wäsche zu glätten, wird im Orlatal ausgestellt.

Dagegen „reitet“ ein Karussellpferd aus Neustadt jetzt ebenfalls auf Schloss Burgk. Nämlich ein Pferd aus der Werkstatt von Friedrich Adolf Heyn, etwa um 1910 aus Lindenholz erschaffen. Die Orlastadt gilt als die Wiege des europäischen ­Karussellbaus. Die Holzpferde wurden mit reichem Schnitzwerk, Glasaugen, Messing­applikationen, geschliffenen Spiegeln, Schweifen aus Rosshaar und ausgefallenen Sätteln verziert. 1884 wurde bereits die 1000. Karussellfigur ausgeliefert.

Deutlich jüngeren Baujahres ist hingegen ein Lampenschirm, den das Museum 642 aus Anlass der Museumsreise präsentiert. Bei weitem nicht jeder weiß, dass der Pößnecker Wilfried Smrt als Erfinder sehr experimentierfreudig und auch erfolgreich war. Er entdeckte, dass sich ein Plastikgranulat so pressen ließ, dass es optisch an hochwertiges Kristallglas erinnerte. Und das Pößnecker „Kristallplastglas“ eignete sich hervorragend für die Produktion von Leuchtmitteln. In beinahe jeder Wohnung, jedem Betrieb gab es in DDR-Zeiten solche Lampenschirme.

Verbindende Elemente präsentieren Schloss Burgk und die Burg Ranis – nämlich mit einer Reihe attraktiver Exlibris mit Thüringer Burgen und Schlössern aus der einzigartigen Sammlung von Schloss Burgk auf der Burg in Ranis, darunter ein Bucheignerzeichen des Pößneckers Franz Huth, das die schöne Burganlage Ranis zeigt.

Außerdem lässt sich in Ranis während der Museumsreise eine beeindruckende Skulptur bestaunen: die „Liegende Werra“, eine Bronze-Skulptur von Werner Stötzer. Sie steht stellver­tretend für den Skulpturen-Schmuck des Schlosses Burgk nun in der Burgstadt Ranis. Mit der „Liegenden Werra“ gelang dem Thüringer Künstler Stötzer eine Hommage an seine Heimat.

Schließlich wechselten unter anderem auch eine schwere Dornengliederkette, eine Wetterfahne, ein Gerber-Zunftzeichen, ein gusseisernes Waffeleisen, Porzellanfiguren, ein Maskenarmreif, Bilder und eine Pumpe ihren Ausstellungsort. Interessierte Kulturreisende dürfen also gespannt sein. Bis Ende August sind fünf mal fünf Tauschobjekte anlässlich der Museumsreise in den einzelnen Häusern, natürlich zusätzlich zu den umfangreichen eigenen Ausstellungen, zu sehen.

Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens des Saale-Orla-Kreises am 1. Juli 2019 und der Kreissparkasse Saale-Orla am 1. Januar 2020 laden die beiden Jubilare vom 28. bis 30. Juni zu einem extra Museumswochenende ein – mit besonderen Programmen in den fünf Museen.

Außerdem gibt es ein Quiz mit Gewinnspiel zur Museumsreise. Wer bis zum 31. August mindestens zwei dieser Museen besucht und alle Museums-Quizfragen auf dem Veranstaltungs-Handzettel richtig beantwortet, hat die Chance auf einen von fünf Museumsreise-Preisen mit Köstlichkeiten aus dem Saale-Orla-Kreis, kündigt das Landratsamt an.

Das Programm des Museums-Wochenendes

Freitag, 28. Juni, Gießerei Heinrichshütte: geöffnet von 10 bis 18 Uhr. 10 bis 17 Uhr Zunftmarkt. Hier kann man das Schieferhandwerk, einen Schmied sowie Holzschnitzer und Glasbläser live bei der Arbeit erleben. 13 Uhr Schaugießen mit ­anschließender Führung durch die Heißluftmotorenausstellung . 14 Uhr Vorführung Europas stärkster Dampfmaschine. 17 Uhr Schaugießen. Für Schulklassen werden vormittags zusätzliche Schaugießveranstaltungen angeboten (Anmeldung erforderlich).

Sonnabend, 29. Juni, Burg Ranis: geöffnet von 10 bis 17 Uhr. 10 bis 13 Uhr kleines Ritterlager, Kinderschminken. Museum: Sonderausstellung „Die Burg Ranis vom Mittelalter bis in die Gegenwart“ Mitmachstationen „Kleidung & Baukunst im Mittelalter“, süße und herzhafte Thüringer Köstlichkeiten. Museum 642 Pößneck: geöffnet von 11 bis 16 Uhr. 13 bis 16 Uhr für Kinder: Feen- und Trollschminken, Bastelstation. 14.30 Uhr Führung für ­Kinder und Familien: ­Sagen der Orlasenke. 13 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr: Kuratorenführung durch die Sonderausstellung „Handwerk und Kleinstadt“. Architektur der Moderne in Pößneck 1920 bis 1923 – die Siedlungen von Heinrich Tessenow.. GWG-Gebäude Neustädter Straße 101: ­Kuratorenführung in der ­originalgetreu wieder hergestellten Schauwohnung ­Tessenow

Sonntag, 30. Juni, Museum Schloss Burgk: geöffnet von 10 bis 18 Uhr. Ab 10 Uhr Brunch in der ­historischen Schlossküche, und im Schlosshof. 11 Uhr Puppentheater ­„Rotkäppchen“. 12 Uhr Führung durch das Museum. 12.30 Uhr Puppentheater „Rotkäppchen“. 13.30 Uhr Kleines Orgelkonzert in der Schlosskapelle mit Stefan Feig (Gefell).

Ausstellungen: Grafik-Kabinett, Burgk: Der Saale-Orla-Kreis von A wie Altengesees bis Z wie Ziegenrück –Postkarten aus der Sammlung. Neue Galerie, Burgk: „Paradox“ – die Leipziger Grafikbörse auf Schloss Burgk/100 Künstler aus Sachsen und Thüringen (unter anderem Heike Stephan aus Löhma). Lutherhaus & Museum für Stadtgeschichte Neustadt: geöffnet von 12 bis 17 Uhr. 14 bis 17 Uhr „Ei! Wie Schmeckt der Coffee süße“ Kabinettausstellung im Lutherhaus zur Kaffeetradition im Bürgertum des 17. bis 21. Jahrhunderts. Ab 14 Uhr Kaffeekonzert, im Hof des Lutherhauses. 15 Uhr „Schweigt stille, plaudert nicht“ (Johann Sebastian Bach) Kaffeekantate mit dem Reußischen Kammerorchester Gera. Kaffee gestern und heute – Erläuterungen und Verkostungen durch und mit einem Barista und frischen Detschern. Führungen im Lutherhaus (13 Uhr) und im Museum für Stadtgeschichte (14 Uhr), Sonderausstellung „23. Kunstausstellung des Neustädter Mal- und Zeichenzirkels e.V.“ im Säulensaal des Museums für Stadtgeschichte.

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