Leitartikel

Eine Diktatur ist immer ein Unrecht

Jörg Riebartsch vom Anfang und Ende der Parteidiktatur in der DDR durch die SED.

OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch

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Foto: Andreas Wetzel

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Es ist eine schöne Fügung der Zeitläufe, dass sich heute zum 30. Mal der Fall der Berliner Mauer jährt. Es war der Anfang vom Ende der Parteidiktatur in der DDR durch die SED. Fügung deshalb, weil das Unrecht dieses Staates mehr und mehr aus dem Blickfeld gerät, die Taten der Diktatur gezielt vernebelt, verniedlicht und verharmlost werden.

Das wollen sich nicht alle, die in der DDR groß geworden sind, gefallen lassen. So entstehen private Projekte wie jenes von Martin Fischer, der aus Weida in Ostthüringen stammt. Er wendet sich in regelmäßigen Sprachsendungen dagegen, die DDR im Nachhinein als Spaßdiktatur zu verklären. Zeitzeugen lässt er schildern, wie das damals wirklich war in der DDR.

Offizieller, und damit nicht minder bedeutsam, ist die Stasi-Unterlagenbehörde. So gründlich deutsch die Staatssicherheit, die Stasi, in der DDR Material gegen ihr eigenes Volk sammelte und unerwünschte Dinge verschleierte, so gründlich deutsch wird das wiederum seit Jahrzehnten ans Licht gebracht. Deshalb sind auch viele ehemalige Bürger der DDR überrascht, was ihnen die Diktatur der SED wirklich alles über die eigene Wahrnehmung hinaus bescherte.

Der Sündenkatalog des Unrechts ist lang, fängt bei Bedrohungen von Schulleitern gegenüber Schülern an, wenn diese aus der FDJ austraten, umfasst das Verheimlichen von Übergriffen auf Fremdarbeiter aus Vietnam oder Nazi-Schmierereien an Kasernen der Nationalen Volksarmee. Da ist die DDR als Waffenlieferant für den Iran und den Irak noch gar nicht genannt. Oder der Verkauf eigener Bürger, sei es für pharmazeutische Versuche oder die Ausreise in die BRD. Das gezielte Erschießen von Menschen, die vor solchen Ungerechtigkeiten eines Staates fliehen mochten, gehört zu den traurigen Höhepunkten. Eine Diktatur ist immer ein Unrecht. Niemand sollte das schönreden.

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