Kommentar: Der nächste Awo-Skandal

Sibylle Göbel zu neuen Vorwürfen gegen die Arbeiterwohlfahrt in Thüringen.

Sibylle Göbel

Sibylle Göbel

Foto: Peter Michaelis / TLZ

Die Thüringer Arbeiterwohlfahrt kommt aus den Schlagzeilen einfach nicht heraus: Nach der Awo-Tochter Alten-, Jugend- und Sozialhilfe gGmbH scheint nun auch der Awo-Kreisverband Saale-Holzland seinen Skandal zu haben. Wieder sind offenbar jahrelang Regeln missachtet worden, die für einen Wohlfahrtsverband selbstverständlich sein sollten. Besonders bitter ist das natürlich für die vielen fleißigen und verantwortungsbewussten Mitarbeiter, die täglich bei der Betreuung von Kindern oder Hilfsbedürftigen ihr Bestes geben – und erst recht für die ehrenamtlich Engagierten.

Doch auch beim Bundes- und beim Landesverband ist man alles andere als glücklich über die jüngsten Vorfälle. Zumal man dort gewärtig sein muss, dass noch mehr Ungereimtheiten ans Licht kommen. Schließlich hat Thüringens Awo-Landesausschuss erst im Juli beschlossen, dass dem Landesvorstand künftig sämtliche Verträge für Chefs der untergeordneten Gliederungen vorzulegen sind. Bis zum 15. Oktober hatte das erstmals der Fall zu sein – die Prüfung der Unterlagen läuft also gerade erst an.

Die neue Thüringer Awo-Spitze hat verstanden, dass die bisherigen verbandsinternen Kontrollen versagt haben; sie zieht – siehe das jetzt eingeleitete Aufsichtsverfahren – nun andere Saiten auf. Denn keine Organisation der Welt ist vor Menschen gefeit, die den persönlichen Vorteil in mehr oder weniger großem Umfang über ihre Pflichten stellen. Umso wichtiger sind funktionierende Prüfmechanismen, die sicherstellen, dass Missbrauch, Korruption und Vetternwirtschaft frühzeitig erkannt und geahndet werden. Aber genauso wichtig ist es, dass externe Stellen wie Finanzbehörden oder Kommunen endlich genauer hinschauen.

Doch auch wenn die Awo seit Monaten im Fokus steht, sollte niemand annehmen, dass Themen wie überzogene Manager-Gehälter und Selbstbereicherung nur in diesem Sozialverband ein Problem sind. Erst am Montag hat eine TV-Doku eindrücklich gezeigt, dass zum Beispiel auch das DRK jede Menge Handlungsbedarf hat...