Kommentar: Schlummern mit Musik

Niels Seehase über Schlafen bei geöffnetem Fenster.

Niels Seehase. Foto: Tino Zippel

Niels Seehase. Foto: Tino Zippel

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Schlafen bei offenem Fenster sei gesund, heißt es. Und an Tagen wie diesen, an denen die Temperatur auch nachts auf Copacabana-Niveau verharrt, wird das Aufreißen der Fenster vor dem Zubettgehen zu einem Akt der Notwehr.

Dumm nur, wenn sich die Fenster zu einer Straße hin öffnen, auf der auch nachts reger Fußgängerverkehr herrscht. Und so kommt es beim Versuch, Schlaf zu finden, vor allem an Wochenenden immer wieder zu akustischen Erlebnissen der besonderen Art. So darf der müde Geist nicht nur allerhand bierseligen Gesprächen lauschen, sondern wird mitunter auch durch Gesangseinlagen unterhalten. Dabei fallen geschlechtsspezifische Eigenheiten auf: Während sich Straßenmusikantinnen gerne an neuester Schlagerkost versuchen, singen Männer oft die Gassenhauer, die sie aus den Stadien der Republik kennen. Wobei „singen“ gewiss nicht das richtige Wort für die gutturalen Laute ist, die da aus gut geölten Kehlen tönen.

Nach all dem findet der unfreiwillige Zuhörer irgendwann tatsächlich noch zur Ruhe. Vielleicht tröstet ihn die Aussicht, dass am frühen Morgen wahre Meister ihres Faches den Gesangspart übernehmen: Amsel, Drossel, Fink und Star.

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