Kommentar: Thomas Spanier über Ergebnis der AfD bei Wahl in Saalfeld-Rudolstadt

Ob nun enttäuscht, geschockt oder mittelschwer erschüttert - das Wahlergebnis der AfD, die bei der Europawahl im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt recht deutlich stärkste Kraft wurde und bei der Kreistagswahl nur knapp hinter der CDU blieb, ist zumindest überraschend.

Thomas Spanier. Foto: Peter Scholz

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Überraschend deshalb, weil Kommunalwahlen bisher stets als Personenwahlen galten, bei denen diejenigen das Vertrauen erhielten, die sich selbiges oft über Jahre durch solide politische Alltagsarbeit erworben haben. Dass nun eine Partei abräumt, deren Kandidaten - mit Verlaub - kaum ein Mensch kennt, ist nur mit der Absicht des gemeinen Wählers zu erklären, den etablierten Parteien und Wählergruppen einen Denkzettel zu verpassen.

Das ist legitim, durchschaubar und längst geübte Praxis. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist ein Teil des Backpfeifenpotenzials der arg gerupften alternativen Linken zur rechten Alternative gewandert. Hauptsache, es tut weh. Frühere NPD-Wähler und auch ein Teil der Holzhey-Fans von 2014 dürften der AfD ebenfalls in den Schoß gefallen sein.

78 Prozent haben andere Alternative gewählt als die, die sich so nennt

Die spannende Frage wird sein, wie der Rest des Kreistags mit den Kindern des Zorns umgeht. Einfach rechts liegen lassen, wie man es mit der NPD fünf Jahre lang praktizierte, wird bei zehn Leuten zumindest nicht leichter.

Im übrigen rate ich bei aller akuten Betroffenheit der abgestraften Wahlkämpfer zu mehr Gelassenheit. 22 Prozent für die Rechtspopulisten bedeutet auch, dass 78 Prozent eine andere Alternative wählten als die, die sich so nennt.

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