Leitartikel: Nicht nur nachts im Museum – die SPD

„Nachts im Museum“ ist der Titel einer Filmkomödie, in der es um einen erfolglosen Tagträumer geht. Irgendwie passt das zur SPD, deren Mutterland ja Thüringen ist.

OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch

OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch

Foto: Andreas Wetzel

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Vor 150 Jahren begann die Parteigeschichte in Eisenach. Dort, im Goldenen Löwe, startete tumultartig die Sozialdemokratische Deutsche Arbeiterpartei. Heute ist der Löwe eine Gedenkstätte. Museum klang der SPD wohl zu verstaubt.

Mit Blick auf Wahlergebnisse und Umfragen sehen politische Beobachter und manche Wähler die SPD als aufkommenden Fall vollendeter Vergangenheit. Der Selbstzerstörungstrieb dieser Partei ist gewaltig. Auf Bundesebene sucht die Partei, seit Andrea Nahles als Vorsitzende, auch der Fraktion, hingeworfen hat, Führung. Und Führung ist hier zusätzlich inhaltlich gemeint.

Was den Parteivorsitz anbelangt, winkt bundes- oder landespolitische Prominenz ab. Niemand will den Job machen. Bewerber aus zweiter oder dritter Reihe stehen in der Schlange. Es bleibt unklar, wann verlässlich wer das Zepter in die Hand nimmt.

Damit gibt die Partei vor drei wichtigen Landtagswahlen ein desolates Bild ab. Ein Störfeuer, das den Wahlkämpfern im Osten nicht behagen wird. Nicht nur, dass sich die Sozialdemokraten aus den Ost-Landesverbänden nicht auf Bundesebene politisch durchsetzen können. Ein Schicksal, welches die SPD als primäre West-Partei mit der CDU übrigens teilt und mit erklärt, weshalb sich die einstigen Volksparteien in den ostdeutschen Bundesländern im dramatischen Sinkflug befinden. Jetzt gibt die Partei auch noch das Bild ab, sie sei so unattraktiv, dass niemand aus der ersten Reihe den Parteivorsitz übernehmen wird. Der SPD gelingt es einfach nicht, anständig mit ihren eigenen Leuten umzugehen, wie eine der kommissarischen Vorsitzenden, Malu Dreyer, beklagt.

Das ist in Thüringen nicht anders. Umfragen zeigen, dass der Parteivorsitzende auf Landesebene, Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, außerhalb der SPD beliebter ist als unter Parteifreunden.

Auch kommunikativ strengt sich die Partei an, Stimmenanteile zu minimieren. Zur Rechtfertigung der Koalition mit der Linkspartei wird seit Jahren beteuert, Ministerpräsident Bodo Ramelow sei ja eigentlich ein Sozialdemokrat. Damit macht man sich bei den Wählern entbehrlich.

Von „Nachts im Museum“ gab es eine Fortsetzung mit dem Untertitel „Das geheimnisvoll Grabmal“. Hoffentlich endet die Historie der SPD nicht tragisch.

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