Leitartikel: Weniger ist manchmal mehr

Jörg Riebartsch zum angekündigten Abzug von US-Truppen aus Deutschland.

Jörg Riebartsch

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Foto: Andreas Wetzel

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Wenn Grüne, CSU, SPD und CDU gemeinsame Sache machen, muss die Angelegenheit von besonderer Bedeutung sein. Die Landeschefs Winfried Kretschmann, Markus Söder, Malu Dreyer und Volker Bouffier hatten kaum Wind von den Plänen des US-Präsidenten Donald Trump bekommen, Teile der in Deutschland stationierten Soldaten abzuziehen, da schrieben sie an US-Politiker, man möge das doch überdenken.

Welchen Stellenwert solche Bittbriefe aus Deutschland in den USA haben, sieht man daran, dass nun statt 9000 US-Soldaten gar 12.000 verschwinden. Vor allem Rheinland-Pfalz fürchtet um den Wirtschaftsfaktor der US-Armee. Und als solcher wird die Streitmacht wegen Kliniken, Flugplätzen, Kasernen oder Truppenübungsplätzen verstanden. Neben den Soldaten werden durch die Stationierung noch 7200 deutsche Zivilisten und 12.000 amerikanische beschäftigt.

Allerdings zahlt Deutschland dafür in zehn Jahren auch 982 Millionen Euro. Baut beispielsweise ein US-Soldat in Deutschland einen Unfall, zahlt nicht er, sondern der hiesige Steuerzahler.

Sorgen, durch weniger US-Soldaten könnte die deutsche Landesverteidigung verschlechtert werden, sind unbegründet. Deutschland ist für die US-Armee nur eine zentrale Schaltstelle für Europa und die Welt. Die US-Armee in Europa wird von Wiesbaden, die US-Einsätze in Irak und Afghanistan werden von Ramstein aus gesteuert.

Um Ressourcen der US-Streitkräfte zur Verteidigung hierzulande zu nutzen, müsste die deutsche Regierung Einfluss auf Trumps Armee haben. Hat sie aber nicht.

Bereits erfolgte Abzüge der US-Armee, beispielsweise im Rhein-Main-Ballungsraum, haben Kasernenflächen geöffnet, die dort halfen, die Wohnungsnot für die Bevölkerung zu lindern. So gesehen fehlen noch starke Argumente, weshalb weniger US-Soldaten schlecht für Deutschland sind.

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