Meine Meinung: Schule ist Sozialarbeit

Tim Braune zum Thema Schulöffnungen.

Chefreporter Tim Braune

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Foto: Reto Klar

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Kennen Sie Bibi und Tina? Die freche Hexe und ihre Freundin, die Pferde noch mehr lieben als Jungs? Nach drei Monaten als Corona-Papa von zwei kleineren Mädchen und einem Jungen im Homeoffice kenne ich alle Hörspiele, Filme („echte Menschen!“) und Lieder auswendig.

In einem Song bejubelt Bibi kreischend „den besten Sommer“ aller Zeiten. Nein, das ist er nicht. Es ist ein Corona-Sommer. Einer, der in vielen kleinen Köpfen und Seelen tiefe Spuren hinterlassen wird.

Bibi und Tina ersetzen keine Klassenkameraden, Lehrer und Freunde.

Es war richtig, Schulen und Kindergärten zunächst vorsichtshalber dichtzumachen. In Thüringer Städten und Landkreisen ließ sich die schulfreie Zeit einigermaßen überbrücken. Vor allem Kinder aus bildungsnahen Familien können Lücken im Lehrstoff verschmerzen.

Es gibt allerdings leider massenhaft Berichte über jene Kinder, die völlig in der Luft hängen. Denen Technik zum Lernen und damit der Zugang zu Bildungsangeboten fehlt. Oder über einen Flüchtlingsjungen, der wunderbar Deutsch lernte. Doch dann verschwand er von der Bildfläche. Kurzmitteilungen und Anrufe blieben unbeantwortet. Nun tauchte er wieder in der Schule auf. Nur noch stockend spricht er Deutsch.

Schule ist ein soziales Biotop. Kinder erhalten dort eine Struktur. Sie lernen, mit Autoritäten umzugehen, Konflikte ohne Fäuste zu lösen, anderes Aussehen und Verhalten zu schätzen und zu schützen. Für Kinder aus Problemfamilien sind Klassenlehrerinnen und Erzieher oft so etwas wie Ersatzeltern. Das alles ist weggebrochen. Deshalb muss es jetzt so viel Präsenzunterricht so schnell wie möglich geben – ohne das Virus zu unterschätzen.

Lehrer müssen über sich hinauswachsen. Wer von ihnen digital nicht fit ist, muss aufholen.

Wenn es um die Krisenkosten geht, muss Schule ausgenommen sein. Die soziale Schere ist durch die Corona-Zwangspause größer geworden. Das darf niemanden kaltlassen.

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