Menschen brauchen Heimat: Ilona Berger über das Ankommen im Alltag

Nicht überall in Europa brannte in den letzten Tagen die Sonne unerbittlich. In der Normandie wehte ein kalter Wind vom Atlantik her und es regnete.

Ich schaute schon manchmal etwas neidisch auf Deutschland und Gera.

Also Schirm auf, Cape angezogen und auf zur Besichtigungstour. Es gibt viel zu sehen, zum Beispiel die Insel Mont Saint-Michel, auf der gerade mal 30 Einwohner leben, oder die hübsche Stadt Cherbourg. Will man das erleben, braucht man ein Auto. Aber das Fahren ist entspannter als bei uns. 130 Stundenkilometer sind auf der Autobahn erlaubt, mehr nicht. Es drohen harte Strafen, wer sich nicht an die Bestimmungen hält.

Die Menschen in der Normandie begegnen Fremden freundlich, obwohl im Sommer die Touristen in die Städte einfallen. Manchmal wünsche ich mir auch mehr Offenheit und Herzlichkeit anderen gegenüber, auch wenn man der Sprache nicht mächtig. Ein Lächeln im Gesicht öffnet Schranken.

Auch die Landschaft gefällt mit den idyllischen Flusstälern, ihrem heckenumsäumten und sattgrünen Weideland und den Häusern aus Backstein. An immer mehr Gebäuden steht zum Verkauf. Junge Leute gehen dorthin, wo sie Arbeit finden und gut bezahlt werden. Landflucht wie bei uns. „Es müsste mehr getan werden, damit die Menschen bleiben“, sagte mir eine Frau. Auch ihre Kinder seien auf der Suche nach Wohlstand weggegangen in die Stadt. Werden wohl nie wieder zurückkommen, meinte sie. Das stimmt nachdenklich, wenn eine Region ausblutet.

Menschen brauchen Heimat, wollen gehört werden mit ihren kleinen und großen Sorgen. Und manchmal bringt ein Unglück die Menschen wieder einander näher. Mein erster Arbeitstag nach dem Urlaub zeigte es. Der geliebte Märchenwald, den ich schon zu Kindertagen so oft durchstreifte und dabei den Geschichten meiner Eltern lauschte, wurde innerhalb kürzester Zeit durch Starkregen und Hagel verwüstet. Nach dem ersten Schock der engagierten Erbauer und zahlreicher Besucher trotzen sie der Zerstörung. Gemeinsam soll das Ausflugsziel wieder aufgebaut werden. Firmen und Einrichtungen unterstützen mit Geldspenden den Plan.

Der Märchenwald ist ein Stück unserer Heimat, unserer schönen Heimat. Besinnen wir uns darauf.

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