Ohne Motor durch Gera: Sylvia Eigenrauch drückt den Stadtradlern die Daumen

Strampeln gegen den Wind, gegen den inneren Schweinehund, für Lebensfreude und den Klimaschutz. Dem Fahrradfahren kann jeder – wenn er will – gute Seiten abgewinnen.

Gerade erlebt diese Art der Fortbewegung wieder einen Aufschwung. Seit 4. Mai strampeln Geraer bei der bundesweiten Aktion Stadtradeln mit. Der Startschuss zum Hofwiesenparkfest-Wochenende – was für ein langes Wort – fiel wegen des Wetters zwar ins Wasser. Radgefahren wurde trotzdem. Selbst in dieser Woche kamen noch neue Mitstreiter dazu. Waren es am Montag noch 59 Teams mit 340 Begeisterten, hatten sich bis Donnerstag weitere fünf Teams mit 24 Teilnehmern gemeldet. Die Kilometerleistung ist nicht schlecht. Innerhalb von vier Tagen kletterte sie von 50.716 am Montag auf 62.471 Kilometer am Donnerstag. Will heißen, dass jeder im Schnitt in dieser Zeit um die 17 Kilometer gefahren ist. Zu den Radfahrern gehört selbstredend auch Geras Fahrradbeauftragte Simone Prüfer, die in Langenberg wohnt und bis ins Dienstgebäude in der Ernst-Toller-Straße in die Pedalen tritt. Dort sind auch die Büros des Fachdienstes Tiefbau, dessen Leiterin sie ist. Über die gute Resonanz freute sie sich schon in der Vorwoche. Nun ist sie wie alle Mitradler gespannt, auf welchem Platz Gera nach drei Wochen ankommt. Bis gestern Abend wurden die Kilometer gewertet. Bis Montag hatte Gera immerhin Rang fünf der teilnehmenden deutschen Städte zwischen 50.000 und 99.000 Einwohner erreicht. Dass es möglich ist, täglich mit dem Rad durch die Stadt unterwegs zu sein, will die Aktion den noch Abstinenten zeigen. Denn noch liegt die Stadt Gera mit ihrem Radverkehrsanteil unter fünf Prozent. Und damit weit hinten. In anderen Städten sind zehn Prozent üblich. Das hat mehrere Ursachen. Nicht nur liegt es am Vorhandensein und am Ausbaugrad der Radwege. Entscheidend ist auch, wie Verkehrsteilnehmer miteinander umgehen. Halten sich alle an die erste Grundregel der Straßenverkehrsordnung und üben „ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“? Da muss sich jeder an die Nase fassen. Mal schnell trotz Sperrlinie den Radfahrer überholen und ihn dabei bedrängen geht eben nicht. Das beste ist, jeder Kraftfahrer schwingt sich selbst mal aufs Rad und wagt den Perspektivwechsel. Vielleicht morgen auf dem kurzen Weg ins Wahllokal.

Schönes Wochenende!