Oliver Will kommentiert einen gelungenen Tag

Der Autor über den Pflegekindertag, der schwere Erlebnisse in den Hintergrund stellt

Das Wetter hielt, es gab jede Menge kleine Abenteuer und ausgelassenes Lachen. Der Pflegefamilientag an der Holzmühle in Kämmeritz zeigte sich als schönes Kinderfest.

Von den mitunter dramatischen Erlebnissen, die die Kinder teils schon in frühesten Jahren oder - beispielsweise im Fall von mütterlichen Alkohol­missbrauch - sogar vor der Geburt erlebt haben, waren da vergessen. Doch alle, die sich mit diesem extremen Bereich der Erziehung befassen, wissen, dass es körperliche, geistige und seelische Narben gibt, die nie heilen.

Da ist es bewundernswert, dass sich Familien bereiterklären, die betroffenen Kinder bei sich aufzunehmen. Denn es ist eine echte Herausforderung, sich neben den sowieso vor­handenen Aufgaben des Alltags auch noch um die wohl schwächsten Glieder der Gesellschaft zu kümmern. Diesen aber bleiben in einer Pflegefamilie Chancen und Strukturen offen, die sich in einem Heim kaum bieten lassen. Gerade in den jungen Jahren ist das Vorhandensein fester Bezugspersonen unersetzlich.

Und eines ist wohl allen klar: Es geht nicht um amtliche Fallzahlen, sondern um Kinder. Ebenso sollte bei Entscheidungen über die Unterstützung der Pflegefamilien immer bewusst sein, dass es nicht um Haushaltsstellen, sondern Weichenstellungen für eine Biografie und unsere Gesellschaft geht.

Das Erlebnis Pflegefamilientag ist ein kleiner Hebel dazu.

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