Verhinderte Musketiere

Niels Seehase über die Macht des Spielzeugs

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Eine Polizeimeldung aus Saalfeld ließ gestern aufhorchen: Dort war am Montag ein Elfjähriger ausgerissen, weil ihm seine Mutter nicht das Trendspielzeug Fidget Spinner kaufen wollte. Die Folge: eine stundenlange Suchaktion, die erst am Abend von Erfolg gekrönt war.

Ausgebüxt wegen eines Spielzeugs? Dass das kein neuartiges Phänomen ist, kann der Verfasser dieser Zeilen bestätigen. Anfang der 1980er-Jahre, als ebendieser Verfasser fünf oder sechs Jahre alt war, lagen auf dem Spielplatz Mantel-und-Degen-Filme voll im Trend. Alle Kinder wollten ein Musketier sein – am liebsten natürlich D’Artagnan.

Doch was wäre dieser ohne seinen Degen gewesen? Na klar, gar nichts! Also machte sich die Spielplatzbande auf den Weg, um entsprechende Plastikklingen zu besorgen. Wohl in der Hoffnung, dass die Verkäufer in dem angepeilten Fachgeschäft die gute Sache unentgeltlich unterstützen würden, hatten die kleinen Abenteurer auf das Mitführen des nötigen Kleingeldes verzichtet.

Das Ende vom Lied kam schnell: An der nächstgelegenen Bushaltestelle schritt die mütterliche Ordnungsmacht ein und expedierte die Möchtegern-Musketiere wieder nach Hause. Deren Plan war verraten worden, ausgerechnet von einem Spielplatzkumpel. Einer für alle, alle für einen? Von wegen!

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