Absolut nichts dran: Gerüchte um Flüchtlinge in Saalfeld und Rudolstadt gezielt gestreut

Saalfeld/Rudolstadt  In Saalfeld und Rudolstadt tauchen immer mehr Gerüchte zu Asylbewerbern auf. Diebstähle würden nicht angezeigt oder geahndet. Märkte, Polizei und Verwaltung weisen Behauptungen entschieden zurück.

Neu angekommene Asylbewerber warten im Gelände des alten Rudolstädter Krankenhauses, das jetzt als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber dient, auf ihre Registrierung und die Zuweisung eines Schlafplatzes. Foto: Thomas Spanier

Neu angekommene Asylbewerber warten im Gelände des alten Rudolstädter Krankenhauses, das jetzt als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber dient, auf ihre Registrierung und die Zuweisung eines Schlafplatzes. Foto: Thomas Spanier

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Gerüchte sind eine gefährliche Sache. Sie verhalten sich genau wie Krankheiten. Sie beginnen vollkommen unscheinbar in einem ­begrenzten Gebiet. Doch wenn sich niemand vorsieht, können sich unwahre Behauptungen schnell zu einer Epidemie ausweiten, deren Ausmaß nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist.

Ähnlich verhält es sich im Augenblick in der Flüchtlingsfrage. Auch hier kursieren seit Wochen Gerüchte, über angebliche Diebstähle von Asylbewerbern, die aus Gründen der „politischen Korrektheit“ nicht verfolgt würden. Vor allem in den sozialen Netzwerken, wie Facebook, tauchen immer wieder ähnliche Anschuldigungen auf. So behauptete eine Bad Blankenburgerin auf ihrer Facebook-Profilseite, sie habe beobachtet, wie Asylbewerber den Saalfelder Marktkauf ohne zu bezahlen und mit den Worten: „Frau Merkel bezahlt“ verlassen hätten. Ähnliche Berichte kursieren über den Edeka-Markt sowie den Elektronikfachmarkt K+B expert in der Rudolstädter Oststraße.

Dieser Darstellung, die offenbar gezielt Stimmung gegen Flüchtlinge machen soll, widersprechen die jeweiligen Geschäftsleitungen. Fakt sei, dass jeder Diebstahl zur Anzeige gebracht werde, egal ob von Deutschen oder von Asylbewerbern. Eine ungleiche Behandlung solcher Fälle wies die Geschäftsleitung als Unsinn zurück.

Auch die weitere Behauptung, dass Diebstähle zwar angezeigt, aber von der Polizei nicht verfolgt werden, ist falsch. „Wir haben in letzter Zeit häufiger Anfragen zu diesem Sachverhalt“, erklärt Heidi Sonnenschmidt, Sprecherin der Landespolizeiinspektion in Saalfeld: „Ausnahmslos alle Anzeigen, die bei uns eingehen, werden konsequent verfolgt. Und Asylbewerber werden genauso belangt wie deutsche Straftäter.“ Ein anderes Vorgehen sei für die Polizisten gar nicht möglich, wie Sonnenschmidt erklärt: „Wenn Anzeigen eingehen und nicht verfolgt werden, dann begehen auch die Polizeibeamten eine Straftat.“ Auch eine angebliche Schweigepflicht für die Polizisten in Fällen von Straftaten durch Asylbewerber gebe es nicht.

Ebenso falsch sind Gerüchte, wonach die Stadtverwaltungen für Schäden durch stehlende Asylbewerber aufkommen würden. „An den Behauptungen ist nichts dran“, sagt der Saalfelder Pressesprecher Christopher Mielke: Genauso äußerte sich auch der Rudolstädter Bürgermeister Jörg Reichl (BfR) laut einer Pressemitteilung des Vereins Grenzenlos. „Die Stadt Rudolstadt oder ich als deren Vertreter haben bisher keinen im Zusammenhang mit Diebstahl entstandenen Schaden ausgeglichen und werden das auch in Zukunft nicht tun“, wird Reichl zitiert: „Wer diese Behauptungen aufgestellt oder verbreitet hat, der lügt.“

Auch das für Asylbewerber zuständige Landratsamt weist die Anschuldigungen zurück. „Das ist einfach Quatsch“, sagt Peter Lahann, Pressesprecher der Behörde: „Wenn wir Geld auszahlen, dann nur auf einer gültigen Rechtsgrundlage und die ist in diesem Fall in keinster Weise gegeben.“

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