Abwanderung aus dem Osten gestoppt: Jena und Erfurt haben Anteil daran

Berlin  Jena und Erfurt haben nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass die Abwanderung der Bürger von Ost nach West erstmals gestoppt wurde.

Auch Hummelshain (Saale-Holzland-Kreis), hier das Schlossgehört zu den Gewinnern der Bevölkerungsentwicklung seit der Wende. Archivfoto: Angelika Schimmel

Auch Hummelshain (Saale-Holzland-Kreis), hier das Schlossgehört zu den Gewinnern der Bevölkerungsentwicklung seit der Wende. Archivfoto: Angelika Schimmel

Foto: zgt

Das geht aus einer Studie hervor, die am Dienstag vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung vorgestellt wurde. Demnach ziehen die fünf neuen Länder immer Menschen aus dem Westen und aus dem Ausland an. Als Leuchttürme gelten auch Dresden, Leipzig und Potsdam.

Neben den beiden Thüringer Großstädten gehören auch Ettersburg, Tüttleben und Hummelshain im Saale-Holzland-Kreis – gemessen an ihrer Einwohnerzahl – zu den Gewinnern des Trends. Sie profitieren vor allem von den Menschen, die dort ihren Ruhestand verbringen wollen. Allerdings verlieren in den ostdeutschen Flächenländern weiterhin 85 Prozent der Gemeinden Bewohner. In Thüringen gehört nur Suhl zu den Städten, die weiter schrumpfen.

Hauptsächlich die jungen Menschen zieht es in die Bildungszentren. In Thüringen sind es Schmalkalden, Weimar, Erfurt, Ilmenau, Gotha und Gera, wobei Ilmenau in Relation zur Einwohnerzahl die meisten Studenten anzieht. Außer in der Landeshauptstadt sowie in Gotha gelingt es aber keiner dieser Kommunen, die jungen Menschen nach dem Abschluss ihres Studium am Ort zu binden, die somit Heimat auf Zeit bleiben.

Ländlicher Raum bietet auch Flüchtlingen Platz

Wie Reiner Klingholz, Chef des Instituts, sagte, bietet der ländliche Raum den Flüchtlinge und Einheimischen viele Vorzüge. So könnten Schulen erhalten und kleine Unternehmen entstehen. Auch sei die Integration mit dem Vereinsleben bis hin zur Freiwilligen Feuerwehr leichter möglich. Es bleibe aber abzuwarten, in wie weit es die Flüchtlinge später in den Westen und in die Großstädte zieht, wo sie ihre sozialen Netzwerke besitzen.

Die Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD) aus Schleusingen, warf launisch ein, dass sich der Osten mit der großzügigen Westhilfe nicht die Klodeckel vergoldet, sondern hervorragende Förderinstrumente geschaffen habe. Nun müssten nach den Studien- die entsprechenden Arbeitsplätze geschaffen werden.

Durch den Weggang von 1,8 Millionen Menschen in den Western und der Babypause Anfang der neunziger Jahre werden schon 2030 im Osten 30 Prozent der Menschen älter als 64 Jahre sein. Im Westen wird dieser Punkt erst 2060 erreicht.

Sechs Bevölkerungsgruppen haben die Forscher untersucht, um die Wanderungsbewegungen auch innerhalb der neuen Bundesländer besser zu verstehen: Die 18- bis 24-jährigen „Bildungswanderer“, die 25- bis 29-jährigen „Berufswanderer“, die „Familienwanderer“ zwischen 30 und 49 Jahren, die „Empty-Nest-Wanderer“ zwischen 50 und 64 Jahren, bei denen die Kinder aus dem Haus sind, und die „Ruhestandswanderern“ im Alter von über 64 Jahren.

Ostdeutsche Leuchttürme mit Schattenseiten

Julia Emmrich über die zwei Seiten der Bevölkerungsentwicklung: Gespaltener Osten

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.