AfD-Landeschef Björn Höcke über Konservatismus – oder von der Sehnsucht nach dem Selbstverständlichen

Gastbeitrag Björn Höcke, Landessprecher der Alternative für Deutschland (AfD) und Fraktionschef im Thüringer Landtag, greift in die von OTZ angestoßene Debatte ein.

Björn Höcke während eines Interviews im Thüringer Landtag. Foto: Alexander Volkmann

Björn Höcke während eines Interviews im Thüringer Landtag. Foto: Alexander Volkmann

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Wir reden wieder über Konservatismus! Lange Zeit habe ich das schon gar nicht mehr für möglich gehalten, dass wir uns dieses Begriffes wieder vergewissern und ihn aus jener dunklen Ecke befreien, in den ihn eine beängstigend unwissende und zunehmend militant geführte politische Debatte gedrängt hat. Darum freue ich mich sehr, dass der Chefredakteur der OTZ, Jörg Riebartsch, diese Debatte an dieser Stelle angestoßen hat.

Er tat dies in einem Leitartikel, in dem er treffend feststellte, wie weit sich die öffentliche Begriffsbestimmung ins Absurde verirrt hat: „Es ist jetzt alles Rechts, was nicht Linkspartei, Grüne oder SPD heißt.“ Und weiter: „Rechts ist schlimm – findet Links. Man sollte sich nicht auf die billige und teilweise gewalttätige Verteufelung des Konservativen einlassen.“ Genauso ist es.

Wie konnte der Konservatismus in Deutschland nur so unter die Räder kommen? Weil er bescheiden ist und nicht anmaßend wie die Ideologien, weil er leise ist und nicht schreiend wie seine ideologischen Gegner, die jeden, der sich ihrem Meinungsdiktat entzieht, mit Schmähkampagnen überziehen. Wer heute zur traditionellen Familie steht, der wird verachtet. Wer den Ort seiner Herkunft Heimat nennt und gar von Heimatsliebe spricht, der wird verlacht. Und wer sich zu seinem Vaterland bekennt, der wird ausgegrenzt.

Dabei sind die Familie, die Heimat und das Vaterland elementar für die Identität und das Zusammenleben der Menschen. Der Mensch entwickelt sein zur Freiheit befähigtes soziales Wesen im Miteinander der Familie, mit den Traditionen und Bräuchen seiner Heimat und der Kultur seines Vaterlandes.

Armin Mohler, ein großer konservativer Denker, hat einmal in einem Satz sehr schön zusammengefasst, was einen Konservativen ausmacht: „Konservativ sein heißt nicht hängen am Alten, sondern leben aus dem zeitlos Gültigen.“ Oder anders ausgedrückt: Konservatismus ist die Sehnsucht nach dem Selbstverständlichen.

Davon sind wir heute weit entfernt. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Begriffsherrschaft der sogenannten „68er“ fast vollständig durchgesetzt. Inspiriert von der neo­marxistischen Philosophie der „Frankfurter Schule“ wurden beinahe sämtliche bis dahin geltenden Wertvorstellungen zerstört, die eine bürgerliche Gesellschaft tragen. Mit dem Schlagwort der „Emanzipation“ inszenierten die „68er“ einen Brachialbruch mit allen religiösen und moralischen Überlieferungen und den Autoritäts­trägern in Schule, Universität, Kirche, Staat und Gesellschaft. In ihrem Drang, die Menschen „zu befreien“, zerstörten sie alle eine soziale Gesellschaft tragenden Strukturen und stürzten die Menschen in eine fatale Bindungs- und Orientierungslosigkeit.

Wie vollständig die Begriffsherrschaft von den auflösenden Kräften, die sich selbst gerne als „progressiv“, also fortschrittlich bezeichnen, übernommen wurde, zeigt die Deformation des Begriffs „rechts“ zum politischen Kampfbegriff. Dabei war „rechts“ ein die längste Zeit positiv konnotierter Begriff: Bis heute lebt der gläubige Christ in der Gewissheit, dass der Sohn Gottes zur Rechten seines Vaters sitzt. Ein Richter spricht hoffentlich Recht. Ein Rechtsanwalt ist in den meisten Fällen ein honoriger Mensch. Mit rechtschaffenden Menschen umgibt man sich gerne, um linkische aber macht man lieber einen großen Bogen!

Wenn wir eine bewahrende, also wirklich konservative Politik machen wollen, müssen wir uns aus dieser ideologischen Begriffsdiktatur befreien.

Wenn ein linker Ministerpräsident wie Bodo Ramelow sich selbst als konservativ bezeichnet, amüsiert mich das. Wenn jedoch ein CDU-Fraktionsvorsitzender wie Mike Mohring im Jahr 2016 ein Loblied auf den Konservatismus singt und dabei die konservative Errungenschaft einer sicheren Solidar­gemeinschaft lobt, dann ist er dabei mehr als unglaubwürdig. Hat er die Kanzlerin jemals für die totale Grenzöffnung kritisiert, die letztlich zur finalen Plünderung der Solidargemeinschaft führen muss? Nein, das hat er nicht. Weil er es nicht wagt, das Wort gegen seine Parteivorsitzende und Kanzlerin zu erheben? Sei’s drum. Mohring tritt ebenso wenig für konservative Werte ein wie die Vertreter von SPD, Grünen und Linken. Mit ihnen steht die CDU längst auf der Seite der auflösenden Kräfte gegen die Bewahrer des Gewachsenen. Sie ist für Relativierung der klassischen Familie durch das Gender-Mainstreaming, die erzwungene Multikulturalisierung gewachsener Völker und für die Eingriffe einer völlig falsch angelegten Energiewende in unsere wunderbare Kulturlandschaft. Auch die CDU hat sich längst von einer ehrlichen und tief gründenden Vaterlandsliebe verabschiedet, die selbstverständlich Ausfluss konservativen Denkens ist und deren Rückkehr in die Politik immer mehr Menschen ersehnen.

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