Bad Lobenstein. Der nun verhaftete Heinrich XIII. Prinz Reuß, ein AfD-Politiker und der Bürgermeister von Bad Lobenstein im vertrauten Gespräch: Das Filmen des Trios führte zu einer Gewaltattacke auf den Journalisten.

„Er hat in ein Wespennest gestochen.“ Das sagen heute mit dem Fall Vertraute über die Attacke des suspendierten Bürgermeisters von Bad Lobenstein, Thomas Weigelt, auf den OTZ-Lokal­reporter Peter Hagen.

Der Redakteur hatte im August einen Videobeitrag beim Bad Lobensteiner Stadtfest drehen wollen: Warum hat die Stadt den der Reichsbürgerszene zuzuordnenden Heinrich XIII. Prinz Reuß zum Empfang des Bürgermeisters eingeladen? Nachdem der Bürgermeister im Stadtschloss die Antwort verweigert hatte, kam es zum Übergriff auf dem Marktplatz. Hagen filmte, wie sich der Bürgermeister mit dem Reußen-Prinzen und dem AfD-Landtagsabgeordneten Uwe Thrum an einem Stehtisch unterhielt.

Bürgermeister bringt Reporter zu Fall

Weigelt stürmte auf den Reporter zu und brachte ihn zu Fall. Er rechtfertigte den Übergriff mit der Behauptung, der Journalist habe ihn mit seiner Berichterstattung provoziert. Wegen des Übergriffes läuft ein Ermittlungsverfahren gegen Weigelt, den das Landratsamt des Saale-Orla-Kreises Ende August vorläufig aus dem Dienst suspendiert hat.

Die Behörde wirft ihm eine Reihe von Verletzungen seiner Dienstpflicht vor. Die Rechtsaufsichtsbehörde des Kreises hat deshalb eine Disziplinarklage erhoben.

Peter Hagen recherchiert seit Jahren die Hintergründe zur Reichsbürgerszene in der Region. Im Frühjahr 2021 war ihm eine unweit des Jagdschlosses „Waidmannsheil“ in Saaldorf befindliche Plakatierung aufgefallen. Eine „staatliche Wahlkommission Reuß“ hatte darauf die „Eröffnung von Wahllisten“ angekündigt. Beabsichtigt sei, einen „Verweser“ zu wählen, hieß es.

Seltsame Vorgänge rund ums Jagdschloss „Waidmannsheil“

Reichsverweser werden mit der Vertretung des Monarchen während einer Thronvakanz beauftragt, bis das Staatsoberhaupt wieder besetzt ist. Zudem erschien im Internet das Portal einer „Wahlkommission Reuß“, die sich „momentan im Aufbau“ befindet. Um selbst als wählbar aufgestellt werden zu können, waren als Voraussetzung das vollendete 25. Lebensjahr und der „Besitz der Staatsangehörigkeit Reuß“ aufgezählt worden. Zudem sollten Interessenten im Gemeindebezirk „durch selbst bewohntes, im Eigenbesitz befindliches Grundstück“ ansässig oder im Besitz eines öffentlichen Amtes im Landes- oder Gemeindedienst sein.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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In vielen Haushalten landete ein Schreiben von „engagierten und ehrenwerten Bürgern“, die „im Besitz der Staatsangehörigkeit der Bundesstaaten Fürstentümer Reuß“ seien. Deren Ziel seien „der Friedensvertrag zum Weltkrieg 1914-1918 und somit die Beendigung des Kriegsrechts und der Fremdbestimmung“. Auf Nachfrage hatte der Prinz erklärt, er wisse nicht, wer dahintersteckt: „Wir sind dabei, die Verwaltungsstrukturen wiederherzustellen. Uns stehen ja die Verwaltungsstrukturen aus dem Zeitraum 1918 zu, die sind uns durch die Kriege genommen worden.“

Hintergrundbeitrag zur Razzia in Ostthüringen: Terroralarm am Jagdschloss nahe Bad Lobenstein