Washington. Die Fehde von Floridas Gouverneur Ron DeSantis gegen Disney geht weiter. Warum er sich damit selbst schadet, aber Donald Trump hilft.

Männchen gegen Mickey Mouse. Gouverneur gegen Goofy. Ron gegen Rapunzel. DeSantis gegen Dagobert Duck: Allein die Wortspielereien, die Floridas Gouverneur durch seine missionarische Fehde gegen Walt Disney ausgelöst hat, sind für Donald Trumps Wahlkämpfer kostenlose Roh-Diamanten.

Seit Wochen veredeln sie das Material, das der 44-Jährige im Wochentakt liefert, zu TV-Werbespots und giftigen Kommentaren. Zu sehen ist, wie sich der bislang einzige ernst zu nehmende Rivale des Ex-Präsidenten für die republikanische Präsidentschaftskandidatur 2024 schrittweise selbst demontiert.

Warum sich DeSantis mit Disney angelegt hat

Disney ist der größte Tourismus-Magnet im Sonnenschein-Bundesstaat. „Irgendwann wird Disney gar nicht mehr in Florida investieren”, stichelte Trump. Er hob vor allem darauf ab, dass DeSantis öffentlich darüber spekuliert hatte, neben das „Magic Kingdom”, das Epi-Zentrum des stadtstaatähnlichen Entertainment-Imperiums in Orlando, ein Gefängnis zu bauen. Zur Strafe.

DeSantis will sich dafür rächen, dass Disney es wagte, gegen seine umstrittene Schul-Politik aufzubegehren. Die erklärt inzwischen von der Grundschule bis zur Oberstufe Unterricht über sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität zu Tabus.

Der Gouverneur will nicht, dass Kinder und Jugendliche altersadäquat damit vertraut gemacht werden, dass es nicht nur Mann und Frau gibt. Das ist ihm zu links. Zu „woke”. Das muss weg. Lesen Sie hier: Warum Kritiker Ron DeSantis gefährlicher finden als Trump

Warum Disney DeSantis verklagt

Als DeSantis via Parlamentsbeschluss Disney jahrzehntealte Rechte auf Selbstverwaltung seines knapp 100 Quadratkilometer großen Vergnügungs-Zwergstaats entziehen ließ, konterte der Konzern mit einem juristischen Trick.

Wie besessen sucht DeSantis nach Retourkutschen. Darum die Idee vom Gefängnis-Bau neben Mickey Mouse und Dagobert Duck.

Der neue Disney-Vorstandschef Bob Iger dreht den Spieß um. Er wirft DeSantis vor, „Regierungsmacht als Waffe einzusetzen” und das Recht auf Meinungsfreiheit einzuschränken. Iger hat Klage eingereicht. Juristen sagen, sie sei „chancenreich”. Auch interessant: USA: Warum Joe Biden noch einmal Präsident werden will

US-Bürger unzufrieden: So tief liegen DeSantis Umfragewerte

Selbst in der stromlinienförmig auf Ron DeSantis zugeschnittenen republikanischen Partei in Florida ist das vielen zu viel. Sie erinnern daran, dass jährlich 50 Millionen Disney-Touristen „die Konjunktur in Florida ankurbeln”. Drei Florida-Abgeordnete in Washington - Vern Buchanan, Gus Bilirakis und Carlos Gimenez – haben sich deshalb demonstrativ für Trump 2024 ausgesprochen.

Schwergewichte wie Chris Christie und Jeb Bush, beide ehemalige Präsidentschaftskandidaten, nennen das Gebaren des immer etwas verkrampft und hölzern wirkenden Gouverneurs „unrepublikanisch”. Zum Wohlgefallen Donald Trumps. Lesen Sie hier: Hat Ron DeSantis den Wahlkampf gegen Donald Trump schon verloren?

Dessen Attacken gegen seinen ehemaligen politischen Ziehsohn, der ohne ihn 2018 niemals Gouverneur in Tallahassee geworden wäre, tragen immer prallere Früchte. Frische Meinungsumfragen sehen den von etlichen strafrechtlichen Verfahren heimgesuchten Ex-Amtsinhaber um bis zu 45 Prozentpunkte vor DeSantis. Dabei will DeSantis erst in den nächsten Wochen offiziell seinen Hut für die Wahl 2024 in den Ring werfen.

Damals waren Donald Trump und Ron DeSantis noch Verbündete, jetzt sind sie Konkurrenten. Beide befinden sich mitten im Wahlkampf um die Präsidentschaft 2024.
Damals waren Donald Trump und Ron DeSantis noch Verbündete, jetzt sind sie Konkurrenten. Beide befinden sich mitten im Wahlkampf um die Präsidentschaft 2024. © IMAGO / ZUMA Wire

Wie DeSantis seiner Seriosität schadet

DeSantis' Kampagne gegen den für Diversität und Liberalismus stehenden Unterhaltungs-Konzern haben den Eindruck untermauert, dass dem dreifachen Familienvater, der seine Gattin Casey 2009 vor Disneys Märchenschloss „Cinderella Castle” ehelichte, das Format für die große Bühne fehlt.

„Wer mit Mickey Mouse nicht fertig wird”, ätzte der ehemalige Regierungssprecher von Barack Obama, Robert Gibbs, neulich, „dem will man wahrscheinlich nicht die Verantwortung in die Hände legen, wenn China Taiwan angreifen sollte.”

Aber Disney ist nicht die einzige Baustelle, die DeSantis als politisches Leichtgewicht erscheinen lässt.

Abtreibung: So schmälert DeSantis seine Wählbarkeit

Seit er sich mit radikaler Abtreibungsgesetzgebung bei der evangelikalen Rechten andient, die LGBTQ-Gemeinde attackiert, dem Waffen-Wahnsinn durch Lockerungen weiteren Vorschub leistet und Medien juristisch an die Kandare nehmen will, wachsen Zweifel an seiner Wählbarkeit in Bevölkerungsgruppen links der Mitte. Weitere Informationen: Der Kampf um die Abtreibung per Pille geht in die nächste Runde

Untrügliches Indiz: Der Milliardär Thomas Petterffy, ein traditionell wichtiger Geldgeber in der konservativen Szene, der unbedingt eine Trump-Rückkehr verhindern will, hat aus Unverständnis über die Tatsache, dass in Florida Schwangerschaftsabbrüche ab der sechsten Woche künftig verboten sind, seine Brieftasche weggelegt. „Ich und einige Freunde, wir halten unser Pulver trocken.”

Sein Befund: Amerikaweit sind über 70 % der Menschen parteiübergreifend für ein Recht auf Abtreibung - tendenziell bis zur zwölften oder gar 15. Woche. DeSantis' Radikallösung stoße viele vor den Kopf und verstärke das Kulturkrieger-Image der Republikaner.

Weißes Haus verurteilt geplantes Abtreibungsgesetz in Florida

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    Wie DeSantis Donald Trump in die Karten spielt

    In den vergangenen Tagen hat Ron DeSantis versucht, sich dem Wahlkampf-Geplänkel zu entziehen und Höhe zu gewinnen. Nach einer Lese-Tour für sein neues Buch, das quasi als Antritts-Nachweis für 2024 gilt, tingelte der Regionalpolitiker zwischen Tokio, London, Jerusalem und Seoul. Offiziell: Um Unternehmen an den Standort Florida zu locken. In Wahrheit: Um allmählich ein noch nicht vorhandenes staatsmännisches Profil aufzubauen und schöne Schlagzeilen für daheim zu produzieren.

    'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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    Was irgendwie schief ging. Auf der Schluss-Etappe sprach DeSantis vor 50 Wirtschaftsführern Großbritanniens. „Er sah gelangweilt aus und starrte auf seine Füße”, zitiert das Magazin Politico einen Teilnehmer. Auch wieder so ein Roh-Diamant für die Wahlkämpfer von Donald Trump.