Berlin. Klimaaktivisten der Letzten Generation gehen verstärkt gegen Reiche vor – Luxushotels in Berlin und auf Sylt sind die jüngsten Ziele.

Die Klimaaktivisten der Letzten Generation zielen zunehmend auf Wohlhabende und ihre Urlaubsorte ab. In Berlin haben sie am Mittwochabend den Haupteingang eines Luxushotels blockiert. Laut Polizei hätten etwa 16 Mitglieder der Letzten Generation friedlich vor dem Ritz-Carlton am Potsdamer Platz gesessen. Einige hielten Transparente hoch.

Die Hotelleitung verzichtete auf eine Anzeige. "Ich sehe es als friedlichen Protest an", sagte Ritz-Carlton-Generalmanager Torsten Richter der Deutschen Presse-Agentur. Es habe keine Sachbeschädigungen gegeben, Hotelgäste seien nicht wesentlich behindert worden. Er habe die Aktivisten eingeladen, an einer regelmäßigen Veranstaltung für die Hotelmitarbeitenden teilzunehmen und über das Thema Klima zu sprechen, sagte Richter.

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Letzte Generation: Immer mehr Attacken auf Reiche

In der vergangenen Woche hatten die Aktivisten einen Privatjet auf dem Flughafen und das Luxushotel "Miramar" auf Sylt attackiert. Am Montagabend gab es einen weiteren Polizeieinsatz in der Ortschaft List. "Zwei Personen haben sich vor dem Lanserhof aufgehalten und Fotos gemacht", teilte eine Polizeisprecherin mit.

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Ein Hotelmitarbeiter habe daraufhin den Sicherheitsdienst verständigt, dieser habe sich an die Polizei gewandt. Die betreffenden Personen seien von den Beamten jedoch nicht mehr angetroffen worden - möglicherweise habe es sich auch um Touristen gehandelt, sagte die Sprecherin. Der Vorfall zeigt aber: Die Luxushotels sind sensibilisiert für mögliche Übergriffe von Klimaaktivisten.

Der Lanserhof auf Sylt: Refugium für Reiche - und damit Dorn im Auge von Klimaaktivisten?
Der Lanserhof auf Sylt: Refugium für Reiche - und damit Dorn im Auge von Klimaaktivisten? © Roland Magunia/Hamburger Abendblatt | Roland Magunia/Funke Foto Services

Christian Harisch, Geschäftsführer und Miteigentümer des Hotels, hat für Aktionen von Klimaaktivisten kein Verständnis. "Ich bedauere sehr, dass durch diese gesetzwidrigen Vorgänge der so wichtige Klimaschutz beschädigt wird. Gerade am Beispiel des Flughafens zeigt sich, dass auch die Gefährdung von Menschen offensichtlich in Kauf genommen wird", sagte Harisch dieser Redaktion.

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Letzte Generation: Hotel-Geschäftsführer betont Unverzichtbarkeit von Flugzeugen

Vor allem auf der Insel seien bei Notfällen Transporte mit dem Flugzeug unverzichtbar. "Gleiches gilt für Organspenden. Diese können nur mit dem Flugzeug gewährleistet werden", sagte Harisch. Er kenne den Flugzweck des zerstörten Flugzeuges nicht. "Wenn es aber für einen Krankentransport geplant war, dann war es nach dem Sprühen von Lack ins Triebwerk flugunfähig." Der Schaden gehe in die Millionen, aber "viel schlimmer wäre es, wenn ein Patient auf den Flug angewiesen war."

Ein von Klimaschutz-Aktivisten der Initiative Letzte Generation mit oranger Farbe besprühter Jet steht auf einem Rollfeld.
Ein von Klimaschutz-Aktivisten der Initiative Letzte Generation mit oranger Farbe besprühter Jet steht auf einem Rollfeld. © Julius Schreiner/TNN/dpa

Harisch betont, er habe nichts gegen Klimaaktivisten, die sich für den Klimaschutz einsetzten. "Das ist ihr gutes Recht und auch wichtig. Es darf aber nicht dazu führen, dass Menschenleben und Menschenrechte gefährdet und nicht respektiert werden."

Dr. Christian Harisch ist Geschäftsführer und Miteigentümer des exklusiven Lanserhofs in List auf Sylt.
Dr. Christian Harisch ist Geschäftsführer und Miteigentümer des exklusiven Lanserhofs in List auf Sylt. © Thorsten Ahlf | Thorsten Ahlf

Der Lanserhof ist ein Luxushotel, das sich selbst als Gesundheitsresort bezeichnet. Das Hotel wurde vor einem Jahr eröffnet. Man vereine "traditionelle Naturheilkunde" und "neueste medizinische Erkenntnisse", heißt es auf der Hotelwebsite. Ein Team aus Ärzten und Therapeuten bietet verschiedene Leistungen an. Das Einzelzimmer mit Balkon kostet bei Einzelbelegung ab 679 Euro pro Nacht, mehrtägige Aufenthalte inklusive Anwendungen und individuell angepasster Verpflegung kosten mehrere Tausend Euro.

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Letzte Generation: Habeck äußert sich deutlich

Die Letzte Generation hatte gezielte Protestaktionen gegen reiche Menschen angekündigt. Die Klimakatastrophe werde "in erster Linie von den Reichen" gemacht, darauf wolle man die Aufmerksamkeit lenken, so hatte die Gruppe dies begründet. Zuletzt waren Ermittler härter gegen die Gruppe vorgegangen. Im Mai hatten 170 Beamte 15 Wohnungen und Geschäftsräume in einer bundesweiten Razzia durchsucht.

Bundesklimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) nannte das Vorgehen in einem Gespräch mit der Jugendorganisation des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) am Mittwoch in Berlin "völlig absurd". Er sehe die Letzte Generation nicht als kriminelle Vereinigung. Habeck betonte, er verstehe die Sorgen der Aktivisten - allerdings finde er deren Proteste "nicht gut". "Hilft der Protest der Klimabewegung?", fragte Habeck. "Das kann ich nicht erkennen." (mja/mit Material von dpa)