Moskau. Nach seinem Sieg bei der russischen Präsidentschaftswahl spricht Wladimir Putin öffentlich von einem möglichen dritten Weltkrieg.

Wladimir Putin hat sich nach seinem Sieg bei den russischen Präsidentschaftswahlen zu einem möglichen dritten Weltkrieg geäußert. „Ich halte es für unwahrscheinlich, dass jemand daran interessert ist“, sagte Putin. Er deutete aber auch an, dass ein umfassender Konflikt mit der Nato nicht auszuschließen sei und der dritte Weltkrieg in diesem Fall nur noch einen Schritt entfernt sei.

Laut seinen Darstellungen sind bereits Soldaten aus Nato-Mitgliedsstaaten in der Ukraine im Einsatz. „Das wissen wir bereits“, sagte Putin, laut dem man an der Front Französisch und Englisch vernommen hätten. Der Präsident sagte dazu weiter: „Das ist nichts Gutes, vor allem für sie, denn sie sterben dort in großer Zahl.“ Belege für seine Thesen nannte Putin nicht.

Putin: Tod von Nawalny ein „unglücklicher Vorfall“

Den Tod von Kremlkritiker Alexej Nawalny bezeichnete er auf der Pressekonferenz als einen „unglücklichen Vorfall“. Putin sagte dort: „Was Herrn Nawalny betrifft, ist er nicht mehr am Leben.“ Das sei „ein trauriges Ereignis“.

Dabei, so behauptet er, habe er noch kurz vor dessen Tod am 16. Februar das Einverständnis zu einem Gefangenenaustausch mit dem Westen gegeben. „Wir werden ihn eintauschen, aber nur unter einer Bedingung: Er soll nie wieder kommen“, will Putin bestimmt haben. Dass Nawalny dann verstorben sei, das sei „leider“ nun mal „passiert“. Da könne man „nichts tun, so ist das Leben“.

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Damit hat Putin nicht nur bestätigt, was auch Nawalny-Vertraute nach dessen Tod verbreitet hatten: dass der russische Oppositionelle vor einem Austausch gegen Inhaftierte im Westen gestanden hat. Putin selbst hatte in seinem Interview mit dem US-amerikanischen Medienmacher Tucker Carlson angedeutet, Nawalny solle gegen den Tiergartenmörder freikommen.

Demnach hätte der im Dezember 2021 in Deutschland verurteilte Wadim K. an Russland ausgeliefert werden sollen – im Gegenzug für Nawalny und zwei nicht näher genannte US-Amerikaner. Ein entsprechendes Angebot sei Kremlchef Putin Anfang Februar unterbreitet worden, hieß es.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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NameWladimir Wladimirowitsch Putin
Geburtsdatum7. Oktober 1952
GeburtsortSankt Petersburg
AmtPräsident der Russischen Föderation
Im Amt seit2000 (Unterbrechung von 2008 bis 2012)
FamilienstandGeschieden, mindestens zwei Kinder
Größeca. 1,70 Meter

Nawalny-Vertrauter nennt Putin „blutsaugende Wanze“

Was davon stimmt, das weiß vermutlich nur Putin selbst. Sein Kommentar zum Tod Nawalnys, dessen Namen er nie zuvor öffentlich in den Mund genommen hatte, kommt derweil bei dessen Vertrauten nicht gut an. Leonid Wolkow sagte nach Putins Stellungnahme, dessen Worte seien „zynisch“.

Putin habe Nawalny in Wahrheit getötet, um ihn nicht austauschen zu müssen. Der russische Machthaber sei eine „blutsaugende Wanze“, die bald platzen werde.

Der zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilte Kremlkritiker Nawalny war Mitte Februar in einem Straflager in Sibirien gestorben. Die Umstände seines Todes sind bis heute nicht geklärt.

Laut Behörden war der schärfste Kritiker von Putin bei einem Rundgang auf dem eisigen Gefängnishof zusammengebrochen. Wiederbelebungsversuche seien erfolglos geblieben.

Seine Witwe Julia Nawalnaja geht davon aus, dass ihr Mann im Lager ermordet wurde. Am Sonntag war sie überraschend in Berlin vor der russischen Botschaft erschienen, um ihre Stimme bei der Wahl abzugeben.

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„Vielleicht interessiert es Sie, was ich auf den Wahlzettel geschrieben habe“, sagte sie auf Russisch. „Ich habe den Namen Nawalny auf den Wahlzettel geschrieben.“ (pcl/mit dpa)