Aufregung um die Höllentalbahn zwischen Thüringen und Bayern

Blankenstein  Ein bayrischer Abgeordneter erklärt die Reaktivierung der Höllentalbahn für abgesagt. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) widerspricht und sieht gute Chancen für die Bahnstrecke.

Ein ausgedientes Weichensignal an einer stillgelegten Bahnstrecke.

Ein ausgedientes Weichensignal an einer stillgelegten Bahnstrecke.

Foto: Peter Hagen

Thüringen und Bayern trennt die Höllentalbahn. Selbst 72 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, in dessen Folge Deutschland geteilt und diese Bahnstrecke unterbrochen worden war, hat es die Politik nicht geschafft, den ­ursprünglichen Zustand wiederherzustellen.

Im oberfränkischen Raum sorgt jetzt der CSU-Landtagsabgeordnete Alexander König für neue Diskussionen. Denn er hat öffentlich die Behauptung aufgestellt, dass das Thema Höllentalbahn erledigt sei. Und zwar erledigt im Sinne der Höllentalbahn-Gegner, zu denen König gehört.

"Gegenwärtiger Sachstand"

"Herr König zitiert aus einem Schreiben, das den gegenwärtigen Sachstand wiedergibt", erklärte am Dienstag die Bayerische Staatskanzlei gegenüber OTZ. Demnach habe Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) darauf verwiesen, dass die Höllentalbahn nicht in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen worden war. Was keine neue Erkenntnis ist. Denn welche Projekte den Weg in die Infrastrukturplanung des Bundes für die kommenden 15 Jahre gefunden hatten, ist seit einem knappen Jahr bekannt. Die Höllentalbahn gehört tatsächlich nicht dazu. Seitens des Bundes wird die Wirtschaftlichkeit der Strecke kritisch gesehen.

"Für den bahnseitigen Lückenschluss zwischen Bayern und Thüringen und die damit verbundene Reaktivierung der Höllentalbahn gibt es somit in meinen Augen derzeit keine Grundlage", wird aus Herrmanns Schreiben zitiert. Nur sind das eben die Augen des bayerischen Ministers. Ungeachtet davon seien die Ministerpräsidenten von Bayern und Thüringen im Gespräch, erklärt die Bayerische Staatskanzlei der OTZ. Die Frage, ob die durch König öffentlich gemachten Äußerungen des Innen- und Verkehrsministers Herrmann mit anderen beteiligten Personen abgestimmt gewesen seien, bleibt unbeantwortet. "Wir wissen, dass es insbesondere ein Thüringer Anliegen ist, das ­Projekt zur Reaktivierung der Höllentalbahn voranzutreiben", bestätigt indes die Bayerische Staatskanzlei.

Auf Thüringer Seite gibt sich Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) gelassen. Er habe am Rande der Ministerpräsidentenkonferenz mit Seehofer gesprochen, lässt Ramelow über den Kurznachrichtendienst Twitter wissen. Demnach stehe Seehofer zu seiner Zusage, "gemeinsam mit Thüringen nach einer praktikablen Lösung zur Reaktivierung der Höllentalbahn zu suchen."

Nationalpark kommt ins Gespräch

Einen Trumpf scheint Ramelow im Ärmel zu haben. Glaubt er zumindest. Denn in Bayern soll nach dem Bayerischen Wald und Berchtesgaden ein dritter Nationalpark entstehen. Und da möchte Seehofer der strukturschwachen Nordregion seines Freistaates etwas Gutes tun. Zu den heißen Favoriten gehört die Variante eines Nationalparks Frankenwald, der grenzüberschreitend wäre. Und hier hakt Ramelow ein, "ebenso offen nach gemeinsamen Wegen zu suchen." Mit einem Augenzwinkern fügt Ramelow hinzu: "Franken und Hölle als gemeinsames Thema zwischen Schwarz und Rot."

Was die von Alexander König verbreiteten "Neuigkeiten" zum Thema Höllentalbahn betrifft, so findet dafür Fritz Sell als 1. Vorsitzender der Verkehrs­initiative "Höllennetz" ein ­klares Wort: "Fake-News".

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