Bedenken in Großenstein gegen mögliches Gefängnis bleiben

Großenstein ist einer von vier Kandidaten für ein gemeinsames neues Gefängnis von Sachsen und Thüringen. Dagegen regt sich im Dorf Widerstand, den auch eine Einwohnerversammlung kaum überwinden kann.

Mehr als 100 Großensteiner wollen Antworten auf ihre Fragen zur möglichen Ansiedlung einer JVA in ihrem Dorf. Zerstreuen konnte das breit aufgestellte Podium die Bedenken nicht.

Mehr als 100 Großensteiner wollen Antworten auf ihre Fragen zur möglichen Ansiedlung einer JVA in ihrem Dorf. Zerstreuen konnte das breit aufgestellte Podium die Bedenken nicht.

Foto: zgt

Großenstein. Es sieht nicht nach einer Annäherung aus, als Gegner und Befürworter des möglichen Gefängnis-Neubaus in Großenstein am Donnerstagabend nach fast zweieinhalb Stunden auseinandergehen.

Eindringlich beschwört Sabine Barth, Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft (VG) "Am Brahmetal" das Vorhaben: 460 gesicherte Arbeitsplätze für Thüringen, rund 100 000 Euro Schlüsselzuweisungen zusätzlich und einen Einwohnerzuwachs für die zu kleine und deshalb ums Überleben kämpfende VG. "Diese Chance bekommt Großenstein nie wieder, nie wieder", sagt Barth.

So manch einer empfindet den Ton als zu barsch, fühlt sich angegriffen und bevormundet.

Gestartet war der Abend mit mehr als 100 Gästen im Saal Weise mit einer langen Vorstellungsrunde. VG-Chefin Barth und Großensteins Bürgermeisterin Karin Liebschner (parteilos) hatten Vertreter aus dem Justizministerium, dem Landratsamt, der Justizvollzugsanstalt (JVA) Gera und der VG "Fahner Höhe" eingeladen. Hier steht Thüringens größter Knast. In Tonna sitzen die schweren Jungs, wie VG-Chef Stephan Müller sagte. An ihn richtete Ramona Bieler eine lange Liste an Fragen.

Was bedeutet die Ansiedlung für das Gewerbe und für die Grundstückspreise, welche finanziellen Auswirkungen hat der Bau auf die Gemeinde und wie ist das mit den Freigängern? Zwischenfälle, Übergriffe, Drogenkriminalität gibt es laut Stephan Müller in Tonna nicht. Auch für die Handwerker seien die Gefängniswerkstätten keine Konkurrenz. Im Gegenteil: sie fungieren als Zulieferer fürs Handwerk. Zuverlässige Insassen können sich die Kommunen quasi als Gemeindearbeiter ausleihen. Und diejenigen, die in Tonna gemeldet sind, bereichern die Gemeindekasse mit Schlüsselzuweisungen von 310 Euro pro Jahr und Person. Müllers Fazit: Den Knast merken die Tonnaer nicht. "Das ist wie ein Dorf im Dorf."

Doch die Bedenken eines Teils der Großensteiner konnte offensichtlich auch Jürgen Frank, Leiter der JVA Gera, nicht zerstreuen. Er erklärte, wie offener Vollzug und Haftlockerung funktionieren. Automatismen seien das nicht, jeder Schritt werde geprüft und Ausgang fände im sozialen Umfeld des Häftlings statt. Anwohner wie Dorit Steffens haben dennoch Angst um ihre Kinder. "Risiken gibt es. Ihre Sorgen nehmen wir ernst", sagte Herbert Windmiller aus dem Justizministerium. Doch die Haftlockerungen schlügen im Promillebereich fehl: da komme mal einer zu spät zurück ins Gefängnis, so Windmiller.

Es gibt weiterhin Diskussionsbedarf in Großenstein. Einige hinterfragen, wie es zum Ja des Gemeinderats für die JVA gekommen ist. Gemeinderäte seien gedrängt worden, heißt es. Auch stören sich Einwohner daran, dass der Landkreis das Dorf ins Rennen geschickt hat, ohne auf die Stellungnahme des Gemeinderats zu warten. "Der ganze Widerstand – das passiert, weil die Bürger nicht befragt worden sind", macht ein Mann seinem Ärger Luft. Nun soll der Gemeinderat prüfen, ob die Bürger befragt werden.

Eine Entscheidung zu ihrem Einwohnerantrag werden die Großensteiner nicht so schnell erhalten. Das Papier liegt zur Prüfung bei der Kommunalaufsicht, dazu hat das Amt drei Monate Zeit. Hingegen wird das Votum von Thüringen und Sachsen für einen JVA-Standort am 1. Juli erwartet.

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