Bereits 25.000 Tickets für „SonneMondSterne“ verkauft – doch unsichere Pachtverträge bereiten Sorgen

Saalburg-Ebersdorf  Einerseits kann vermeldet werden, dass inzwischen 25.000 Tickets für die „SMS.XXIII“ verkauft worden sind. Andererseits ist momentan völlig offen, ob es im nächsten Jahr dieses Festival in Saalburg noch geben wird.

Die große SMS-Zeltstadt bei Saalburg. Jetzt gibt es Probleme mit den Pachtverträgen für die rund 80 Hektar an benötigten Flächen.

Die große SMS-Zeltstadt bei Saalburg. Jetzt gibt es Probleme mit den Pachtverträgen für die rund 80 Hektar an benötigten Flächen.

Foto: Peter Hagen

Dem Musikfestival „SonneMondSterne“ in Saalburg droht das Ende. Am kommenden Freitag werde sich entscheiden, ob nach der „SMS.XXIII“ in diesem Jahr noch weitere Veranstaltungen folgen. Dies hatte der Veranstalter in einem Schreiben an die Stadtverwaltung und den Stadtrat von Saalburg-Ebersdorf mitgeteilt. Denn bislang sind die benötigten Festivalflächen über 2019 hinaus nicht gesichert.

Die Stadtratssitzung von Saalburg-Ebersdorf glich am Montagabend einem SMS-Krisengipfel. Dabei hätte es Bürgermeister Volker Ortwig (FDP) lieber ­gehabt, wenn die Öffentlichkeit weiterhin nichts über die Sorgen erfahren würde, die den SMS-Veranstalter derzeit plagen.

Doch die für den nichtöffentlichen Sitzungsteil vorgesehene Thematik ist auf mehrheitliche Forderung der Stadtratsmitglieder in den öffentlichen Teil vorverlegt worden. Und so kam ein Schreiben zur Sprache, mit dem die Seekers Event GmbH einen Hilferuf an Stadtrat und Stadtverwaltung gesendet hat. Darin heißt es, dass sich der SMS-Veranstalter derzeit „in einer sehr schwierigen Phase der Pachtvertragsverhandlungen“ mit der Rinderhof Agrar GmbH Seubtendorf befinde.

Einerseits kann vermeldet werden, dass inzwischen 25.000 Tickets für die „SMS.XXIII“ verkauft worden sind. Andererseits ist momentan völlig offen, ob es im nächsten Jahr dieses Festival in Saalburg noch geben wird.

Das Landwirtschaftsunternehmen habe eine Verlängerung des Pachtvertrages für die Campingwiesen abgelehnt und darauf hingewiesen, „dass dieses Jahr das letzte SonneMondSterne-Festival stattfindet“.

Inzwischen habe es verschiedene Bemühungen gegeben, um die Verhandlungen mit dem Rinderhof wieder aufzunehmen. Selbst Landrat Thomas Fügmann (CDU) habe sich für das Festival in die Bresche geschlagen. So kam es vor kurzem zumindest zu einem Treffen in Seubtendorf, das allerdings „ergebnislos geblieben“ sei, wie Enrico Tietze, Geschäftsführer von Seekers-Event, nun mitteilte.

Eine zweite Reinigungswelle soll es richten

Dabei habe es seitens des Festival-Veranstalters mehrere Zu­geständnisse an die Landwirte gegeben. Beispielsweise in Form einer „zweiten Reinigungswelle“ auf dem kompletten Gelände nach Festivalende. Zudem soll ab diesem Jahr der Umwelt­gedanke noch stärker an die Festivalbesucher herangetragen werden. Dazu gehören die Einführung eines Müll-Pfandes sowie eine Social-Media-Kampagne, mit der über die sozialen Netzwerke dazu aufgerufen werden soll, sensibler mit der Umwelt während der Festival­tage umzugehen.

Um gerade namhafte Künstler für Auftritte bei „SonneMondSterne“ sowie Sponsoren vertraglich binden zu können, ­benötigt der Veranstalter langfristige Planungssicherheit. Insofern seien dreijährige Pachtverträge, besser sogar ein fünfjähriger Pachtvertrag erforderlich. Doch dazu habe sich das Landwirtschaftsunternehmen bislang nicht durchringen können.

Klares Bekenntnis des Bürgermeisters blieb aus

Seitens des Rinderhofes ist gegenüber OTZ dementiert worden, dass es am kommenden Freitag ein Treffen zu der Thematik geben werde. „Wir werden wieder einen Termin machen, aber der ist nicht an diesem Freitag“, wurde aus dem Unternehmen mitgeteilt. Man wolle den Diskurs nicht über die Zeitung führen. Zu vernehmen war allerdings, dass sich der Rinderhof selbst in einer Zwickmühle befinde, weil man die ­Flächen auch nur gepachtet habe und die Eigentümer unterschiedliche Auffassungen zu dem Festival vertreten würden. Problematisch sei die nicht von der Hand zu weisende Verunreinigung der Wiesen.

Der Stadtrat fordert vom Bürgermeister eine „klare Position“ zum Festival. Schon in der Zeit um den Jahreswechsel, als aus den Reihen des örtlichen Fremdenverkehrsvereins sowie durch Anwohner des Kulmberges Kritik am Festival laut geworden war, hatte sich der Hauptausschuss mit der Thematik befasst. Und der Bürgermeister sei aufgefordert worden, ein Statement abzugeben, wie Uwe Zimmermann (CDU) jetzt erinnerte. Weil das klare Bekenntnis des Bürgermeisters ausgeblieben sei, unterstellte ihm Zimmermann „Interessen- und Teilnahmslosigkeit“. Auch bei der jetzigen Debatte im Stadtrat ­habe er von Ortwig als erstes eine klare Positionierung erwartet.

„Wir brauchen weiterhin die SMS“, rang sich Ortwig zu einer Erklärung durch, „das stand nie in Frage.“ Das Festival sei das „Aushängeschild“ für die Stadt. Er nahm die Aufforderung des Stadtrates entgegen, sich bei dem noch ausstehenden Treffen mit dem Rinderhof für die Rettung des Festivals einzusetzen.

Meine Meinung

Keine Antwort auf Anwohner-Sorgen

Anwohner des Kulmberges in Saalburg gehörten am Montagabend zu den aufmerksamen Zuhörern in der Sitzung des Stadtrates. Sie hatten nach dem Festival im vorigen Jahr ein Schreiben an die Stadtverwaltung geschickt, mit dem auf Probleme im Zusammenhang mit „SonneMondSterne“ aufmerksam gemacht worden war. Doch bislang hat es offenbar keine Antwort ­gegeben, die – so war zu vernehmen – eigentlich bis Ende März erfolgen sollte.

Noch gebe es keine Bürgerinitiative im ursprünglichen Sinne, stellte einer der Anwohner klar. Aber man erwarte, dass die vorgetragenen Sorgen ernst genommen werden.

Insbesondere der Großbrand am Festival-Sonntag hatte am Kulmberg Ängste ausgelöst. Wie bekannt wurde, hatten Festivalgäste eigentlich als Ausweichflächen vorgesehene Felder in Beschlag genommen, auf denen noch Stroh lag. Diese Flächen sollen auch künftig nur als Ausweichvarianten vorbehalten werden, wenn aufgrund von Niederschlägen die anderen Wiesen nicht so dicht genutzt werden können, wie das bei normaler Witterung möglich ist, erfuhr OTZ. Zudem werde die Stadtverwaltung mit dem Festivalveranstalter klären, dass ein Mindestabstand von 100 Metern zur Wohnbebauung einzuhalten ist. Dies solle beispielsweise durch Absperrzäune gesichert werden. „Das ist der einzige Faktor, den die Verwaltung beeinflussen kann“, erklärte Bürgermeister Volker Ortwig.

Weshalb er die Probleme der Anwohner bislang noch nicht an den Veranstalter ­herangetragen hat, um auf das Schreiben eine Antwort zu ­geben, blieb offen.

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