Ampel-Regierung

Bettina Stark-Watzinger: Das ist die neue Bildungsministerin

Julia Emmrich
| Lesedauer: 3 Minuten
Lindner: Scholz wird ein "starker Bundeskanzler" sein

Lindner: Scholz wird ein "starker Bundeskanzler" sein

FDP-Chef Christian Lindner hat sich nach Abschluss der Verhandlungen mit Grünen und SPD für eine Amel-Koalition im Bund positiv über den voraussichtlich künftigen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) geäußert. Scholz werde ein "starker Bundeskanzler" sein, sagte Lindner in Berlin.

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Berlin.  Bettina Stark-Watzinger soll die Bildungsministerin der neuen Ampel-Regierung werden. Doch wer ist die FDP-Politikerin eigentlich?

Am Donnerstagmorgen sitzt Bettina Stark-Watzinger im Genscher-Haus und hört erst mal zu. Neben ihr, mit anderthalb Metern Corona-Abstand, sitzen die drei anderen, die für die FDP ins künftige Ampel-Kabinett ziehen sollen: Parteichef Christian Lindner, Generalsekretär Volker Wissing und Marco Buschmann, der Fraktionsmanager.


Bevor das Gespräch mit den Journalisten über die neue FDP-Regierungsmannschaft richtig losgeht, plaudert Buschmann, der Mann aus Gelsenkirchen, über die Schwierigkeit, Schalke-Fan zu sein und trotzdem mit Christian Lindner befreundet zu sein. Der ist bekanntermaßen BVB-Fan. Es geht eine Weile hin und her, bis sich Stark-Watzinger klar und deutlich einschaltet: „Ihr könnt euch ja alle streiten“, sagt die Hessin und macht eine Kunstpause. „Das schönste Stadion aber hat die Eintracht in Frankfurt.“

Stark-Watzingers erstaunliche Paralellen zu ihrer Vorgängerin

Bettina Stark-Watzinger soll neue Bundesministerin für Bildung und Forschung werden, die 53-Jährige folgt auf die CDU-Politikerin Anja Karliczek. Die beiden Frauen verbindet auf den ersten Blick überraschend viel: Beide waren in der Öffentlichkeit kaum bekannt, als ihr Aufstieg ins Kabinett offiziell wurde.

Beide waren parlamentarische Geschäftsführerinnen ihrer Fraktion, als sich plötzlich die Tür zum Regierungsamt öffnete. Weder die CDU-Frau noch die FDP-Kandidatin waren ausgewiesene Bildungsexpertinnen, bevor sie Ministerinnen wurden.

Überdies sind beide verheiratet, haben Kinder und kennen das Leben außerhalb des politischen Betriebs: Die Volkswirtin Stark-Watzinger arbeitete vor ihrer Wahl in den Bundestag 2017 als Geschäftsführerin eines Frankfurter Forschungsinstituts für Finanzmarktfragen, das jetzt zur dortigen Universität gehört.

Stark-Watzinger bekommt schwieriges Erbe


Bei näherem Hinsehen gibt es noch eine weitere, wesentliche Sache, die sie verbindet: Stark-Watzinger steht vor denselben Großbaustellen, die bereits ihre Vorgängerin vorfand, als sie ins Amt kam. Die verschlafene Digitalisierung der Schulen, der 16-Länder-Flickenteppich in der Bildungspolitik und die bittere Tatsache, dass Schulerfolg in Deutschland nach wie vor vom Elternhaus abhängig ist.

Daran hat sich unter Karliczek nicht viel verändert. Im Gegenteil: Durch die Corona-Pandemie wurden gerade diejenigen Kinder, die bereits benachteiligt gestartet waren, oft noch weiter zurückgeworfen. Die neue Ministerin wird viel damit zu tun haben, die Folgeschäden der wochenlangen Lockdowns, der Schließung von Schulen und Universitäten, des monatelangen Lernens via Bildschirm aufzuholen.


Im Moment versprüht die Hessin noch den Optimismus des Neustarts: „Ich freue mich drauf“, sagt sie am Donnerstag. Sie will, dass das liberale Aufstiegsversprechen für jeden Einzelnen keine leere Phrase bleibt. Sie will, dass Bund und Länder stärker zusammenarbeiten.

Profitiert Stark-Watzinger vom Verbündeten im Finanzministerium?

Letzteres unterscheidet Stark-Watzinger dann allerdings deutlich von ihrer Vorgängerin: Während die Unions-Bildungsministerinnen sich immer scheuten, die Länderhoheit in Frage zu stellen, setzt die FDP auf mehr Einfluss des Bundes.


Dass sich gerade in der Bildungspolitik mancher Konflikt mit den Ländern durch Geld aus der Bundeskasse lösen lässt, ist kein Geheimnis für die künftige Ministerin: Stark-Watzinger war zwei Jahre lang Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag.

Sie wird im Zweifel genau wissen, wie man Geld für die eigenen Ziele locker macht. Dass es dabei nicht schadet, wenn man den Hausherrn im Bundesfinanzministerium duzt, dürfte ihr ebenfalls bewusst sein. Anders als ihre Vorgängerin hat Stark-Watzinger mit Christian Lindner einen Parteifreund als obersten Kassenwart an ihrer Seite.