Bewegendes Gedenken auf dem Jenaer Nordfriedhof für Matthias Domaschk

Jena  Bewegendes Gedenken am Sonnabend auf dem Nordfriedhof für Matthias Domaschk. Die genauen Umstände seines Todes sind immer noch unklar.

Gedenken an Matthias Domaschk mit Ministerpräsident Bodo Ramelow (2. von rechts), Renate Ellmenreich und Superintendent Sebastian Neuß (links) unter großer Anteilnahme auf dem Nordfriedhof. Foto: Frank Döbert

Gedenken an Matthias Domaschk mit Ministerpräsident Bodo Ramelow (2. von rechts), Renate Ellmenreich und Superintendent Sebastian Neuß (links) unter großer Anteilnahme auf dem Nordfriedhof. Foto: Frank Döbert

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Zahlreiche Jenaer, darunter auch ehemalige Freunde und Bekannte aus Berlin und ­anderen Orten, waren am Sonnabend auf den Jenaer Nordfriedhof gekommen, um gemeinsam um Matthias Domaschk zu trauern, der vor 35 Jahren, am 12. April 1981, in der U-Haft­anstalt des Ministeriums für Staatssicherheit in Gera zu Tode kam. Zu den Teilnehmern ­gehörten auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), Ministerin Anja Siegesmund (Bündnisgrüne) und die Landtagsabgeordnete Katharina ­König (Linke).

Erinnerung solle helfen zu verstehen: Es sei schweres Unrecht geschehen in einem System, das erst 1989 überwunden werden konnte, sagte OB Albrecht Schröter. Nicht Personenkult, sondern die Trauer um Matthias Domaschk habe die Menschen zusammengeführt. Die Anwesenheit des Ministerpräsidenten sei ein sehr wich­tiges Zeichen für die Aufarbeitung des Todes von Domaschk. Trotz aller Bemühungen, die insbesondere nach der Wende einsetzten, sei es bis heute noch nicht gelungen, die Umstände des Todes zweifelsfrei zu klären. „Fest steht jedoch, dass der Tod Matthias Domaschks die Schuld der Menschen ist, die ihn damals dahingetrieben haben. Das ­waren konkrete Menschen, und sie haben mit ihrem Vorgehen sehr entscheidenden Anteil an diesem Tod“, erklärte er.

Nach einer kurzen Ansprache von Peter Rösch, der damals ebenfalls festgenommen worden war, aber aus der U-Haft wieder frei kam und später nach Westberlin ausreiste, sprach Superintendent Sebastian Neuß das Gebet. Bodo Ramelow bat in seiner Fürbitte Gott, den jungen Menschen Mut zu spenden ihren eigenen Weg zu gehen und die richtigen Mittel dafür zu finden, damit Unfreiheit nie wieder Lebenspläne zerstören können. Er möge alle Suchenden stärken, um Wahrheit und Gerechtigkeit zu finden.

Renate Ellmenreich, die ­Mutter von Matthias Domaschks Tochter Julia, erinnerte an den Freund und ­Weg­begleiter und bat, dass die Wahrheit über seinen Tod ans Licht kommt. Die jungen Menschen, die heute in Unfreiheit, Krieg und Terror leben, mögen in ihren Herzen Hoffnung bewahren und den Verstand dafür einsetzen, dass die Welt besser wird, sagte sie.

Sascha Rommeiß, einer der ­beiden Gerichtsmediziner, die 1981 in Jena den Leichnam ­obduzierten, betonte unterdessen gegenüber OTZ, dass es seitens des MfS keinen Druck hinsichtlich eines Gefälligkeitsgutachtens gegeben habe. Ärztlicherseits seien keine Anzeichen für eine gewaltsame Einwirkung festgestellt worden. Man habe sich natürlich Gedanken gemacht wie: „Wer weiß, was da gelaufen ist“.

Aus Akten des Jenaer MfS geht hervor, dass in Folge der „Zersetzungsmaßnahmen“ genannten Repressionen des ­Geheimdienstes gegen oppositionelle Jugendliche in den 1980er-Jahren mehrere Suizide registriert wurden, sowohl „versuchte“ als auch „vollendete“.

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