Beweismittel zu NSU-Bombentrio bereits vernichtet

Pannen von Anfang an: Der in Jena gefundener Sprengstoff der späteren NSU-Täter wurde 1998 nicht sachgemäß dokumentiert.

Als die Polizei am Samstag dem 24. Januar 1998 in Jena sieben Wohnungen und Garagen mutmasslicher Rechtsextremisten durchsuchte, konnte man in der Garage von Beate Zschaepe im Stadtteil Burgau eine Bombenwerkstatt ausheben.

Als die Polizei am Samstag dem 24. Januar 1998 in Jena sieben Wohnungen und Garagen mutmasslicher Rechtsextremisten durchsuchte, konnte man in der Garage von Beate Zschaepe im Stadtteil Burgau eine Bombenwerkstatt ausheben.

Foto: zgt

Erfurt/Jena. Der Sprengstoff aus der "Neonazi-Bombenwerkstatt" in Jena ist 1998 unsachgemäß erfasst und offenbar zu früh vernichtet worden. Das geht aus Akten hervor, die dem MDR Thüringen in Kopie vorliegen.

Bei der Durchsuchung einer Garage des späteren NSU-Trios in Jena waren laut Staatsanwaltschaf 1392 Gramm des Sprengstoffs TNT sichergestellt worden. Tatsächlich aber wurde diese Menge nie gewogen.

Auf Aufforderung der Staatsanwaltschaft Gera hatte das Landeskriminalamt Ende Dezember 1998 eine Liste der TNT-Funde vorgelegt – mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass Originalspuren nicht mehr vorhanden seien. Die Menge wurde deshalb über Volumen und Dichte berechnet. Dabei orientierte sich das LKA an den Größen der Rohrbomben. Im Fall eines Beutels mit TNT-Granulat wurden Fotos als Berechnungsgrundlage genommen und schließlich "500 bis 750 Gramm" genannt. Das LKA selbst räumte damals eine Fehlerquote von 20 Prozent ein – im Fall des Beutels auch mehr.

Warum die Staatsanwaltschaft danach trotzdem stets 1392 Gramm nannte, ist unklar. Der Umgang mit den Beweismitteln wirft weitere Fragen auf: Die Staatsanwaltschaft Gera vermerkte im Dezember 1998, das TNT sei "aus Sicherheitsgründen vernichtet" worden. Allerdings ist laut Sprengstoffexperten TNT lagerfähig. Selbst beim Entzünden brennt es lediglich ab. Laut LKA haben Spezialkräfte den Sprengstoff "im August und Dezember 2000" vernichtet. Unklar bleibt auch, wer die Vernichtung noch vor Ablauf der Verjährung 2003 veranlasste.

Derart zerstörte Beweise können ein Verfahren mindestens erschweren. Strafrechtler weisen darauf hin, dass Beweismittel im Fall einer Anklage auch Richtern, Schöffen und Verteidiger unmittelbar vorliegen müssen. Üblicherweise werden sie deshalb auch so lange aufbewahrt, bis ein Urteil rechtskräftig ist.

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