„Bürgerdialog“ der AfD in der Schleizer Wisentahalle

Schleiz  Dem „Bürgerdialog“ der AfD in der Schleizer Wisentahalle gehen die üblichen Hassreden gegen die „Altparteien“ und Ausländer voraus

Björn Höcke (r.) und Stefan Brandner auf dem Weg zum AfD-Bürgerdialog in Schleiz.

Björn Höcke (r.) und Stefan Brandner auf dem Weg zum AfD-Bürgerdialog in Schleiz.

Foto: Peter Hagen

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"Links rum!" ruft Stefan Brandner seinem Landtags-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke in der Schleizer Wisentahalle zu und meint damit freilich nicht die politische Ausrichtung der AfD, sondern den zu wählenden Bühnenaufgang beim angekündigten Bürgerdialog am Dienstagabend.

Dem "Dialog" gehen 68-minütige Monologe voraus, in denen der AfD-Bundestagskandidat Michael Kaufmann, Höcke und Brandner ihr bekanntes Programm abspulen: Schelte für die freien Medien, Hass gegen Nichtdeutsche allgemein und Hetze gegen die "Altparteien" im Besonderen. Kaufmann zählt sich zu den Gründern des AfD-Landesverbandes Thüringen, Auslöser für ihn sei die Euro-Rettungspolitik gewesen. Bürokratie wolle er abbauen und die Bürger von Steuern entlasten. Er prangert eine "verfehlte einseitige Förderung regenerativer Energien" an und sieht im Dieselantrieb den wichtigsten Konkurrenten gegen die Elektromobilität. Daher, so behauptet Kaufmann, werde derzeit "Hetze gegen den Dieselantrieb" praktiziert.

Stolz aufs flegelhafte Benehmen

Höcke begrüßt die knapp 270 Zuhörer im Saal – keineswegs alles AfD-Anhänger sowie aus Sachsen angereiste Besucher, wie sich später zeigt – mit den Worten, "zu Gast bei der erfolgreichsten Parteineugründung in der Geschichte der BRD" zu sein. Aktuell stehe die AfD in Thüringen bei 20 Prozent in der Wählergunst. Schnell ist Höcke bei seinem Lieblingsthema, dem Terror. Dass Deutschland einerseits Flüchtlingen hilft und andererseits Maßnahmen gegen islamistischen Terror ergreift, vergleicht Höcke mit einem Bauer, der sein Feld bestellt und absichtlich Unkrautsamen legt, um diesen dann mit Glyphosat zu bekämpfen.

Der Saale-Orla-Kreis spielt auch bei Brandners Vortrag eine untergeordnete Rolle. Lieber ergötzt er sich an der Anzahl der Ordnungsrufe für sein ungebührliches Benehmen im Landtag, bezeichnet die Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt als "weich gespülte Islamisten" und stellt die steile These auf, dass Gegendemonstranten zu AfD-Veranstaltungen, wie es sie auch mit knapp zehn Leuten in Schleiz gegeben hat, 30 Euro pro Stunde aus Steuergeldern erhalten würden. Was er aber nicht nachweisen könne, wie er selbst nachschiebt.

Den eigentlichen Dialog eröffnet Pfarrer Ingolf Scheibe-Winterberg, der sich persönlich ein Bild von der AfD machen wollte. "Ich habe etwas gegen Hasspredigten", sagt er und stellt fest, "die AfD ist für Christen nicht wählbar." Dafür wird er von AfD-Fanatikern niedergebuht.

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