Bund der Vertriebenen in Bad Lobenstein sucht Kontakt zu Flüchtlingen

Zum diesjährigen Tag der Heimat beim Bund der Vertriebenen (BdV) in Bad Lobenstein spielte die aktuelle Flüchtlingsproblematik eine große Rolle. Ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Regionalverbandes, Herbert Grams.

Betten und Matratzen sind in einem Gang einer Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) aufgebaut, um Flüchtlingen eine Schlafgelegenheit zu bieten. Foto: Harald Tittel/dpa

Betten und Matratzen sind in einem Gang einer Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) aufgebaut, um Flüchtlingen eine Schlafgelegenheit zu bieten. Foto: Harald Tittel/dpa

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Herr Grams, mit welchen Gedanken verfolgen sie die aktuellen Flüchtlingsströme nach Europa?

Ich wüsste niemanden in unserem Regionalverband, den das Thema unberührt lässt. Man kann nur in etwa empfinden, was die Menschen zur Flucht bewegt und wie es ihnen ergeht auf ihren schrecklichen Wegen, die sie zurücklegen müssen. Wer selbst gezwungen war, seine Heimat zu verlassen, hat vielleicht mehr Verständnis für das, was hier gerade passiert. Mir tut es in der Seele weh, wenn man die voll besetzten Flüchtlingsboote sieht und vor allem, wenn Kinder so schreckliche Dinge erleben und ihre Heimat verlassen müssen.

Welche Position bezieht der BdV-Regionalverband zur Aufnahme von Flüchtlingen im Saale-Orla-Kreis?

Wir sollten alle Möglichkeiten nutzen, die es gibt, um Flüchtlingen eine sichere Obhut zu geben. Ich denke auch, dass es durchaus notwendig war, die Polizeistation in Bad Lobenstein zur Verfügung zu stellen. Wenn das Haus nur noch zu einem Viertel genutzt worden war, kann ich die Entscheidung nachvollziehen. Kritikwürdig ist freilich der mangelhafte Informationsfluss. Das ist schlimm. Aber erforderlich war der Schritt gewiss. Ich denke mal, für die wenigen Polizisten, die überhaupt noch für Bad Lobenstein vorgesehen sind, werden sich in der Stadt andere geeignete Räumlichkeiten finden. Das sollte kein Problem sein.

Hätte der BdV-Regionalverband gerade mit Blick auf die deutsche Geschichte nicht längst ein klares öffentliches Zeichen setzen müssen, auch angesichts des Nazi-Aufmarsches am 22. August in Bad ­Lobenstein?

Es gab auch aus unseren Reihen Teilnehmer, die sich auf der anderen Seite diesem Aufmarsch entgegengestellt hatten. Erfreulicherweise fand ja der Nazi-Aufmarsch selbst nur geringen Zulauf. Ich bin überzeugt davon, dass es in unserem Regionalverband wie auch im Vorstand eine einhellige Auffassung dazu gibt, dass wir zur Aufnahme von Kriegs-Flüchtlingen in Bad Lobenstein stehen und braunem Gedankengut in unserer Stadt kein Raum gegeben wird.

Werden Mitglieder des BdV-Regionalverbandes den Kontakt mit in Bad Lobenstein aufgenommenen Flüchtlingen suchen?

Wir haben schon seit längerem vor, Flüchtlinge auch zu unseren Veranstaltungen mit einzuladen. Über Manfred Steller, der in der Wählergemeinschaft AUF mit aktiv ist, gibt es bereits Kontakte zu Ursula Preiß, die sich bekanntermaßen sehr um die ­Integration der Flüchtlinge bemüht. Zugegebenermaßen gibt es einige sprachliche Barrieren, wir suchen derzeit beispielsweise jemanden mit guten Englischkenntnissen, der uns bei Übersetzungen helfen kann. Zum Erntefest im Oktober würden wir schon gerne Flüchtlinge als Gäste begrüßen. Zudem haben wir der Stadt den Vorschlag unterbreitet, eine große gemeinsame Weihnachtsfeier durchzuführen – und auch dort würden wir gerne Flüchtlinge mit einladen. Gemeinsam besinnliche Stunden zu begehen, dazu braucht es nicht vieler Worte.

Zum Beitrag "Vertriebene erinnern an begangenes Unrecht"

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